Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage
Kinostart: 22. November 2007
Man musste sich schon Sorgen machen: Cristian Mungius „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" ist ein sperriges Drama über ein unangenehmes Thema – illegale Abtreibung zu kommunistischen Zeiten – , von einem unbekannten Regisseur mit unbekannten Schauspielern gedreht, dessen Handlung dazu noch in einem Land spielt, das vom Westen nicht gerade mit Interesse verwöhnt wird: Rumänien.
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Doch der Concorde Filmverleih zerstreut alle Sorgen: „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage", frisch gekürter Cannes-Sieger 2007, kommt hierzulande noch in diesem Jahr in die Kinos. Starttermin ist der 22. November.
Regisseur: Cristian Mungiu
Darsteller: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Vlad Ivanov, Alex Potocean
Verleih: Concorde
Seit Wim Wenders 1984 für „Paris, Texas" die Goldene Palme bekam, sind Cannes-Gewinner zwar manchmal zu Kultfilmen avanciert, zum Sensationserfolg ist aber keiner von ihnen geworden. Cannes steht für Kunst, kommerziell erfolgreiche Filme produziert das Festival traditionell nicht. Selbst „Pulp Fiction", 1994 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und seither zu einem der meistzitierten Filme aller Zeiten aufgestiegen, lief im Kino damals nur mittelmäßig. Emir Kusturicas Siegerfilme „Papa ist auf Dienstreise" (1985) und „Underground" (1995) gingen im Kino gar völlig unter, erst die Mundpropaganda und viele TV-Ausstrahlungen haben ihnen zu (bescheidenem) Nachruhm verholfen. Eigentlich hat es nur Michael Moores „Fahrenheit 9/11" (2004) zu einer herausragenden Kino-Karriere gebracht. „Sex, Lügen und Video" (1989), „Wild At Heart" (1990), „Dancer in the Dark" (2000) oder „Der Pianist" (2002) sind zumindest in Cineasten-Kreisen ein Begriff, aber wer kann sich noch an Titel wie „Der Geschmack der Kirsche", „Der Aal" oder „Die Ewigkeit und ein Tag" erinnern – oder hat die Filme gar gesehen?
Dass es dem Gewinner der Goldenen Palme 2007 nicht ebenso geht, kann niemand garantieren. Wir hoffen es nicht, denn nach allem was man hört, soll es sich bei „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" wirklich um ein Meisterwerk handeln und nicht um einen, wie so oft, politisch korrekten Film, der das schlechte Gewissen westlicher Kinobesucher und deren Sehnsucht nach exotischen Schauplätzen bedient.
Die meisten Kritiker in Cannes lobten den Film und „Variety", die wichtigste Filmzeitschrift der USA, verstieg sich gar zu einer dort selten zu lesenden Hymne: Von einer „atemberaubenden Leistung" stand da, von der „Reinheit und Ehrlichkeit" des Films, von dessen „erstaunlich natürlichen Dialogen". Das macht uns neugierig und hoffnungsfroh, einen Film zu sehen, bei dem endlich wieder der Inhalt zählt statt knalliger Effekte.
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Szene aus "Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage"
Regisseur Cristian Mungiu
Szene aus "Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" |
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