(tsch) Bruce-Willis-Samstag im deutschen Fernsehen. vox zeigt den kahlen Alleskönner in "Der Tod steht ihr gut" (20.15 Uhr) als Komödien-Ass, und in der ARD ist der Superstar aus "Stirb langsam 4.0" in der vermeintlichen Paraderolle des kantigen, stoischen Helden zu sehen. Das Antikriegs-Drama "Das Tribunal" (2002) ist allerdings insgesamt ein wenig blutarm.
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Wer sich "Das Tribunal" zumutet, den packt das kalte Grausen. Das liegt einerseits an dem eisigen Alltag in dem gezeigten Kriegsgefangenenlager im Winter 1944, andererseits an der Qualität des Dramas. Die liegt weit unter dem Niveau, das man von einer ernst zu nehmenden Auseinandersetzung mit der Kriegsgefangenenfrage im Zweiten Weltkrieg erwarten sollte.
Allen voran blamiert sich Bruce Willis, der laut Werbung damals zu seinen Wurzeln, dem Action-Drama, zurückkehrte. Seine darstellerische Lethargie in der Rolle eines US-amerikanischen Offiziers, der einen verwegenen Ausbruch plant und dabei über Leichen geht, gipfelt in einer absurden, nicht nachvollziehbaren Heroisierung einer "Der Zweck heiligt die Mittel"-Philosophie. Allein Colin Farrell, der unauffällige Jungdarsteller aus "Tigerland", bringt ein wenig Charisma in die bleierne Kriegsfilmsuppe.
Der US-Lieutenant Thomas Hart (kontinuierlich naiv: Farrell) wird zu Beginn des Films während eines spektakulären wie brutalen Überfalls in Belgien gefangen genommen, gefoltert und in ein Kriegsgefangenenlager bei Augsburg überstellt. Dort hat William McNamara (steingesichtig: Willis) innerhalb der Lagergesellschaft noch ein wenig Disziplin und Ehre hinübergerettet, was der deutsche Kommandant Werner Visser (fahl: Marcel Iuris) stetig zu stören weiß. Unter dem Motto: "Das hier ist nicht Genf" haben Menschenrechte ausgedient. Als sich schließlich ein Mord an einem schwarzen US-Flieger ereignet, soll der Jura-Student Thomas Hart in einem ordnungsgemäßen Prozess den Schuldigen ermitteln.
Was oberflächlich als Keim der Menschlichkeit erscheinen soll, bleibt am Ende eine Farce: Der nach US-Recht durchgeführte Prozess dient mehr der Belustigung der deutschen Aufseher als der tatsächlich Anwendung eines demokratischen Rechtssystems. Die Beschäftigungstherapie, bei der McNamara den Vorsitz führt, soll von einer groß angelegten Ausbruchsaktion ablenken, die von dem ewig hart dreinschauenden Offizier initiiert wurde. Am Ende gibt es freilich nur Verlierer im dreckigen Schnee Bayerns.
Regie führte Gregory Hoblit, der mit dem Richard-Gere-Film "Zwielicht" einen Coup landete und Shooting-Star Edward Norton entdeckte. Doch Colin Farrell hatte Hoblit mit "Das Tribunal" keinen Gefallen getan. Zu schwerfällig und moralisch vieldeutig kommt der Streifen daher. Gebrandmarkt werden zwar das Nazi-Reich wie der Rassismus unter den amerikanischen Soldaten, doch kratzt das mit dem Vorschlaghammer entworfene Sittenbild nur an der Oberfläche. Die Umsetzung des Romans von John Katzenbach wurde zu halbherzig verfolgt. Die Charaktere bleiben grau, ihr Leid erreicht den Zuschauer kaum.
Zurück bleibt der schale Geschmack eines Kriegsdramas, in dem versucht wurde, durch schockierende Brutalität und die Komposition erdrückender Bilder Intensität zu schaffen, ein Gefühl für die Tragik und Unmenschlichkeit der Geschehnisse. Doch leider erzeugt es nur Kopfschütteln und Ärger über einen konturlosen Film.
Tom Ruder
Lieutenant Thomas W. Hart (Colin Farrell, links) steht in Augsburg unter der Autorität von Colonel William McNamara (Bruce Willis). (ARD / Degeto)
Lieutenant Thomas W. Hart (Colin Farrell, links) und Colonel William McNamara (Bruce Willis) geraten häufig aneinander. (ARD / Degeto)
Newcomer Colin Farrell spielt in "Das Tribunal" den Lieutenant Thomas W. Hart, einen privilegierten Senatorensohn, der im Dezember 1944 von den Nazis gefangen genommen wird. (ARD / Degeto)
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