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Jasmin Tabatabai

Rock'n'Roll ist ein Privileg der Jugend

Sängerin Jasmin Tabatabai

(tsch) Man möchte nicht mit ihr tauschen: Letztes Jahr zerbrach ihre Ehe, und dieses Jahr ist sie 40 geworden. Jasmin Tabatabai ist alleinerziehende Mutter und Musikerin. Und im Hauptjob natürlich Schauspielerin. Im Frühjahr drehte die Deutsch-Iranerin "Meine schöne Bescherung" mit Vanessa Jopp, im Sommer spielte sie unter Dieter Wedel die Kriemhild bei den Wormser Nibelungenfestspielen, im Herbst bringt sie ihr zweites Album "I Ran" heraus. "Ja, ich habe gerade schon viel zu tun", sagt sie dazu und macht klar, dass sie trotzdem mit niemandem tauschen will. Sie ist tough, sensibel und normal. Vermutlich die vernünftigste Rebellin der Welt.

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Die Zeiten, in denen sie lauthals über aufgeblasene Promifrauen zeterte, wo sie erst auf den Tisch schlug und dann schaute, ob etwas umgefallen ist, sind vorbei. Die "Fuck Off"-Attitüde gibt's nicht mehr. So habe sie keine einzige Zeitung in Worms in die Hand genommen, erklärt Jasmin Tabatabai, während sie sich über ihr englisches Frühstück macht. Bohnen, Würstchen, Eier und Speck, die Frage, ob sie Vegetarierin ist, erübrigt sich. Zwei Monate war sie weg von zu Hause, herausgerissen aus dem Rhythmus mit Job und Tochter. "Jetzt muss ich das Leben hier in Berlin wieder starten - und kann in meinem Bett schlafen." In das sie bestimmt erschöpft gefallen ist, nachdem sie unter der Wedelschen Fuchtel geackert hat. "Nein. Ich finde ihn toll, ich habe kein Problem mit autoritären Regisseuren. Er ist jemand, der absolut weiß, was er will, das ist eine gute Eigenschaft. Das Gegenteil gibt's ja oft genug. Unter einer starken Persönlichkeit zu arbeiten, ist anstrengend, aber was du lernst, ist super."

Angst hatte sie vor etwas anderem, nämlich den Reaktionen des Publikums: "Ich habe keine einzige Kritik gelesen. Beim Film ist deine Arbeit vorbei, wenn andere über dich schreiben. Aber wenn man am nächsten Abend wieder auf der Bühne stehen soll, würde mich das irritieren." Es sei ohnehin schwierig genug gewesen, nach 13 Jahren Theater-Abstinenz vor einem Riesenpublikum zu spielen. "Da kann man Panik bekommen. Ich habe mir gesagt, das ist ein Rockkonzert, um mir die Angst zu nehmen. Der einzige Grund, warum ich wieder ein Album aufgenommen habe, ist, sind tatsächlich die Liveauftritte."

Immer mal wieder arbeitete sie in den letzten fünf Jahren, seit ihr Debüt "Only Love" erschien, an neuen Songs, zunächst noch mit ihrem Ehemann Tico Zamora. Entscheidend war aber ein anderer: Jam El Mar von Jam und Spoon. "Ich bin nie fertig geworden. Die 20 halben Songs auf Festplatte konnte ich irgendwann nicht mehr hören. Als ich über Nicolette Krebitz Jam kennengelernt habe, ging es ganz schnell. Hätte ich ihn eher getroffen, hätte ich schon meine erste Platte mit ihm gemacht."

Das sexy Styling für die Fotos verpasste ihr ebenfalls Nicolette Krebitz, mit der sie schon 15 Jahre befreundet ist. Obwohl die neuen Bilder eindeutig Schluss machen mit ihrem burschikosen Image der Vergangenheit, ist ihr Tonfall weniger entschieden, wenn es um ihre Außendarstellung geht: "Ich spiele in der Musik doch keine Rolle oder bereite ein Image vor. Klar werde ich mir überlegen, was ich anziehe, aber ich bin nicht an einem Tag die Diva und am anderen die Rockmaus." Und schulterzuckend fügt sie hinzu: "Es interessiert mich auch einfach nicht mehr, wie ich mal wirkte. Wäre doch traurig, wenn man mit 40 noch genauso rumlaufen würde wie mit 30. Rock'n'Roll ist ein Privileg der Jugend." Zum Zeitpunkt des Interviews Ende August, weiß Jasmin noch nicht, mit wem sie im Herbst auf der Bühne stehen wird. "Bis zur Tour muss ich eine Musikertruppe zusammenstellen. Das wird kein 'Jasmin sucht den Superstar', ich suche eine eingespielte Band."

Keiner anderen Frau in Deutschland gelang die Synthese aus Musik und Schauspielerei so gut wie ihr. Schon für "Bandits" komponierte sie 1997 Songs und spielte neben Krebitz und Katja Riemann eine der Hauptrollen. Ein Film, der sie auch heute noch rebellieren lässt: "Wir waren das Hassobjekt, weil wir völlig aus Versehen einen extrem feministischen Film gemacht haben. Unabhängige Frauen, die ihre Entscheidungen getroffen haben. Das hat das Altherren-Feuilleton richtig wütend gemacht." Geblieben sind die Songs: "Die haben sich schon in die zweite Generation gerettet", erklärt sie und erzählt vom Glänzen in den Augen junger Mädchen, die wegen "Bandits" Gitarre lernen.

Alle ihre Arbeiten greifen geschmeidig ineinander, bestens organisiert wechselt sie ihre Tätigkeitsfelder. Nicht mal der Vierzigste machte ihr ein Problem: "Ist lustig, wenn man so bemitleidet wird, aber ich finde es viel geiler, 40 zu sein als ich damals die 30 fand. Vielleicht ist es schwierig, wenn du dich über Jugend und Aussehen definierst, aber wenn dein Fokus auf Kind und Arbeit liegt, ist es kein großes Problem."

Die toughe Mensch-Maschine, die ihre Vorzeigekarriere am Reißbrett plant, ist Tabatabai dann doch nicht. Als sie mit ihren Songs nicht weiterkam, zweifelte sie schon: "Klar hab ich überlegt, es zu lassen, denn ich bin nicht die selbstbewussteste Musikerin vor dem Herrn. Der Gedanke 'Vielleicht geht es auch gar nicht mehr, vielleicht ist es auch zu viel: Musik, Filme, Kind ...' kam mir schon. Die ersten beiden Jahre nach Angelinas Geburt habe ich nur das Allernotwendigste gearbeitet. Ich finde es auch heute, wo sie vier ist, schwierig, wenn ich merke, ich habe zu wenig Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe. Ich spüre deutlich, dass ich gerade zwei Jobs mache. Neben der Musik schläft der Schauspielerberuf dann doch nicht ganz. Das bedeutet, dass ich die Rolle mit 13 Drehtagen ablehne und gegen eine mit drei Drehtagen eintausche." Und da gibt es noch was: "Ich wollte immer eine Familie, will ich auch weiterhin."

So oft wie Nicolette Krebitz im Gespräch auftaucht, stellt sich die Frage, warum Jasmin nicht bei deren zweitem Spielfilm "Das Herz ist ein dunkler Wald" mitspielt. Sie stockt, schaut von den Resten ihres englischen Frühstücks auf: "Finde ich auch eine Unverschämtheit, denn sie ist ja auf meiner Platte dabei. Aber wir machen mal was anderes." Das andere ist nun fix: Nächstes Frühjahr spielen Tabatabai, Krebitz und Riemann an einem Berliner Theater Tschechows "Drei Schwestern".

Es reißt nicht ab, doch Jasmin lacht: "Arbeiten ist Urlaub - im Gegensatz zum Kind." Sie schwingt sich aufs Rad, denn sie hat versprochen, so bald wie möglich wieder da zu sein.

Claudia Nitsche


Rock'n'Roll, diesmal ohne Fuck-Off-Attitüde: Jasmin Tabatabai.
Rock'n'Roll, diesmal ohne Fuck-Off-Attitüde: Jasmin Tabatabai. (Chet)

Jasmin Tabatabai ist die vernünftigste Rebellin der Welt.
Jasmin Tabatabai ist die vernünftigste Rebellin der Welt. (Chet)

Jasmin Tabatabai spürt, dass sie gerade zwei Jobs macht.
Jasmin Tabatabai spürt, dass sie gerade zwei Jobs macht. (Chet)

Datum: 09.09.2007

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Diskussion: "Jasmin Tabatabai"

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