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U2 - Popmart: Live From Mexico City

Fast wie Giganten

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Für U2 waren die 90er-Jahre das Jahrzehnt, in dem sie aufhörten, Musik zu machen. Beziehungsweise: das Jahrzehnt, in dem sie sich weigerten, da irgendeine Art der Ausschließlichkeit zu manifestieren und stattdessen lieber sich selbst zu einem Gesamtkunstwerk deklarierten, das eine neue Spielart der Popkultur war. Da gehörte neben den tatsächlichen Songs so vieles dazu: Politik, das frühe Bewusstsein, dass mit dem Fall der Mauer und dem Einzug digitaler Massenmedien die Welt eine globalere werden würde, aber auch die Akzeptanz ihrer selbst als Ikonen des ausgehenden Jahrtausends. Jetzt erscheint mit "Popmart - Live From Mexico City" einer der wichtigsten Konzertmitschnitte jener Zeit als DVD.

Mit einer Verspätung von neun Jahren, wohlgemerkt. Denn schon 1998, als das Format DVD initiiert wurde, fanden sich Szenen aus "Popmart" auf einer Preview-Disc des Labels. Zu einer tatsächlichen Veröffentlichung kam es aber dann mangels Marktstärke des neuen Formats doch nur auf VHS. Seitdem warteten die Fans. Und eines vorweg, dieses Warten hat sich gelohnt. Denn zumindest, was die Doppel-DVD angeht, bleiben so gut wie keine Wünsche offen. Das Bonusmaterial mag nicht ausschließlich mit der Mexiko-Tour zu tun haben, ist aber in seiner Fülle durchaus beeindruckend, da es neben mehreren Videos und Live-Outtakes, die auf der VHS nicht zu sehen waren, gleich mehrere Dokumentationen enthält. Am besten: "The Road To Sarajevo" über den Auftritt der Superstars in Bosnien-Herzegowina.

Die beiden Konzerte, die Bono und Co. an jenem 3. Dezember 1997 in Mittelamerika gaben, sind es ohnehin.

U2 spielten damals ihre Kernkompetenzen gnadenlos geschickt aus. Gigantisch ist das Bühnenbild, aufwändig, sichtbar superteuer und hi-tech und damit noch einmal die Potenzierung wenig bescheidener früherer Touren wie der zu "Zooropa" oder "Achtung Baby". Bono, The Edge und der Rest der Band geben sich anfangs als die Stars, lassen sich durchs Publikum leiten und von ihm folgen, bevor sie ein Set beginnen, dass durchaus polarisiert - eben weil es auf "POP" basiert, einem Studioalbum, das mit seinem halbherzig wirkendem Genremix damals nicht nur begeisterte. Die visuelle Übersetzung des Albums in diffuse Konsumkritik - das Bühnenbild wird tatsächlich stellenweise von einer riesengroßen Zitrone geprägt - und die fast schon trivial effektheischerische Lichtshow gefällt sicher nicht allen, und die Leinwände sind vor allem: zu groß.

Aber es gibt eben auch die Hits - "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me" ebenso wie ein sehr dezent dargebrachtes "One", "Sunday, Bloody Sunday" ebenso wie ein gut groovendes "Where The Streets Have No Name". Am schönsten ist's aber dann, wenn im Mittelteil eine gewisse Ruhe einkehrt, wenn Bono & Co. das ganze Brimborium durch dezente Demut ersetzen und akustisch werden. Das ist dann auch der Moment, in dem die Angleichung der DVD an moderne technische Standards am meisten auffällt. Wo die VHS-Version noch etwas flach klang, wurde hier ein behutsamer Raumklang herbeigemixt, der freilich immer dann am besten ist, wenn's nicht so wummert. Auch in Sachen Bild gab man sich alle Mühe, was bei der knalligen Farbenvielfalt sicher eine Herausforderung war. Die so erreichte Tiefenschärfe ist sehr gut, der Kontrast immer noch sehr ordentlich.

Jochen Overbeck


Größer, schneller, besser, mehr: U2 veröffentlichten "Popmart" erstmals als DVD.
Größer, schneller, besser, mehr: U2 veröffentlichten "Popmart" erstmals als DVD. (Universal)

Datum: 10.09.2007

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