(tsch) Was haben Jerry Bruckheimer ("Pirates of the Caribbean") und seine Lakaien - Regisseur Antoine Fuqua ("Shooter") und Drehbuchautor David Franzoni ("Gladiator") - nur aus Europas populärstem Mythos gemacht? In ihrem zweifelsohne opulent inszenierten Popcorn-Movie "King Arthur", den ProSieben nun als Free-TV-Premiere zeigt, verkommt die Artus-Sage unter dem Denkmantel vermeintlich historischer Fakten zu einem stupiden Schlachtengemälde, das einzig und allein von seiner puren Bildgewalt lebt. Typisch Hollywood, möchte man meinen. Doch King Jerry hatte Komplizen - aus England, Skandinavien und Deutschland.
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Viel ließ Franzoni von der Legende nicht übrig, um dem jungen Zielpublikum die eigene, "wahre" Version der Geschichte schmackhaft zu machen. Aus dem Sagenkönig wurde kurzerhand der römisch-britische Feldherr Lucius Artorius Castus (Clive Owen, seit Kurzem im Kinoactioner "Shoot 'Em Up" zu sehen), der die nebelverhangene Insel am liebsten gestern schon gen Süden verlassen hätte. Seine treuen Ritter der Tafelrunde mutierten zu einer Truppe ehrloser und kriegsmüder Sarmaten-Reiter aus den Steppen Russlands, die Rom einst die Treue schworen. Bei Fuqua sind Lancelot (Ioan Gruffudd), Galahad (Hugh Dancy) und Co. eine Art "Special-Forces-Einheit" - "die härtesten Typen, die es jemals gab". So viel zur historischen Korrektheit.
Der holden Guinevere (mal lieblich, mal tough: Keira Knightley) und Merlin erging es nach der Hollywood-Kur nicht besser: Aus dem blaublütigen Burgfräulein wurde eine blau bemalte Amazone, gegen die selbst "Braveheart" Mel Gibson reichlich blass wirkt. Und der mächtige Magier verlotterte zum wilden Schamanen (Stephen Dillane), der allenfalls noch mystisch mit den Augen zu rollen vermag und als Anführer einer Rebellentruppe den Römern das Leben schwer macht. Camelot? Gibt's nicht. Dafür einen runden Tisch, an dem mehr geschwafelt wird denn höhere Ziele diskutiert werden.
Man schreibt im Übrigen das siebte Jahrhundert nach Christus. Das dunkle Mittelalter dämmert, dem römischen Reich droht der Kollaps, und die Geschichte will es so, dass der Lieblingsneffe des Papstes auf einem Landgut außerhalb des Hadrian-Schutzwalls lebt, der die Grenzen des Imperiums absteckt. Artus und seine Mannen sollen Rom ein letztes Mal einen Dienst erweisen und die Adelsfamilie vor den anrückenden Sachsen-Horden in Sicherheit bringen. Danach winkt der Multi-Kulti-Killer-Truppe die Freiheit. Doch aus der ohnehin schwierigen Rettungsaktion wird eine antike "Mission Impossible", als Artus beschließt, die geknechtete Gefolgschaft - darunter Guinevere - ebenfalls in Sicherheit zu verbringen.
Eine gute Stunde dauert es, ehe "King Arthur" an Fahrt gewinnt, dann aber mit allem losschlägt, was Hollywood zu bieten hatten: furiose Stunts, klirrende Schwerter, knackendes Eis und zünftige Massenkeilereien. Die Dreiecksgeschichte zwischen Artus, Guinevere und Lancelot reduziert Fuqua auf ein paar scheue Blicke und ein zweisames Happy End.
Dass es dazu überhaupt kommt, ist einem Mann zu verdanken: Til Schweiger. Abermals kommt dem Deutschen, der derzeit mit der Kinoproduktion "Keinohrhasen" vollends beschäftigt ist (Start: 20. Dezember), nur die Rolle des tumben Lakaien zu, der dank Glatze und Kinnzöpfchen auch noch die (unfreiwilligen) Lacher auf seiner Seite weiß. Deutlich souveräner, fast schon in Brando-Manier spielt Stellan Skarsgård den Sachsen-Häuptling Cedric.
An den US-Kinokassen ging der Streifen, der sich die Themen Freiheit, Gleichheit, Freundschaft groß auf die Fahnen geschrieben hatte, ziemlich unter. Schlappe 51 Millionen Dollar spielte "King Arthur" in jenem Land ein, auf das er zugeschnitten war. Hierzulande lockte er immerhin 1,5 Millionen Besucher in die Vorstellungen.
Gerd Hilber
Artus (Clive Owen) soll mit seinen Männern ausziehen, um den Lieblingsneffen des Papstes zu retten. (ProSieben / Touchstone Pictures & Jerry Bruckheimer Films)
Kein Witz: Aus der holden Guinevere in der Artus-Sage machten Jerry Bruckheimer und Co. eine von oben bis unten blau bemalte Amazone (Keira Knightley). (ProSieben / Touchstone Pictures & Jerry Bruckheimer Films)
Sachsen-Häuptling Cedric (Stellan Skarsgård) und sein Sohn (Til Schweiger) wollen sich Britannien unter den Nagel reißen. (ProSieben / Touchstone Pictures & Jerry Bruckheimer Films)
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