(tsch) Die Liste seiner Auszeichnungen ist länger als die seiner Filme. Der Spanier Alejandro Amenábar erhielt neben dem Golden Globe auch den Oscar in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" für "Das Meer in mir" (2004), den die ARD nun am Feiertag ins Programm nimmt. Es war seine vierte Regiearbeit, die sowohl in Deutschland als auch international nicht nur Auszeichnungen bekam, sondern auch beachtliche Zuschauerzahlen verbuchte. Und das mit einem eher als Kassengift geltenden Thema: Sterbehilfe. Dabei erzählt die spanische Produktion eine wahre Geschichte. Die ganze Wahrheit wurde indes erst nach dem Kinostart bekannt.
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"Ich habe mit einem Lächeln weinen gelernt", sagt die Hauptfigur in einer Szene. Es ist das Paradoxon des Films, dass der Betrachter durch jemand, der unbedingt das verlieren will, was wir alle zu besitzen wünschen, an den Wert des Daseins erinnert wird. So kommt es, dass "Das Meer in mir", die Geschichte eines Querschnittsgelähmten voller Leben, der sich aber nichts sehnlicher wünscht als den Tod, positiv und liebevoll berührt.
Seit dem fatalen Sprung ins Meer vor 27 Jahren spielt sich das Leben Ramón Sampedros (Javier Bardem) im Bett ab. Im Haus seines Bruders umsorgt ihn seine Schwägerin Manuela (Mabel Rivera), denn er kann nur noch den Kopf, die Augen, den Mund und ein wenig den Hals bewegen. Sein Neffe und sein Vater kümmern sich ums Praktische und bauen eine Maschine, die ihm das Schreiben mit dem Mund ermöglicht.
Über fehlende Gesellschaft kann sich Ramón nicht beklagen. Immer wieder belagern Frauen sein Zimmer, die er mit seiner Persönlichkeit, seinem Witz, mit Sanftheit und Weisheit betört. Zu ihnen gehört die sympathische Gené (Clara Segura) von der "Gesellschaft für würdigeres Sterben", die ernste Rechtsanwältin Julia (Belén Rueda), die seine Texte als Buch herausbringen möchte und die allein erziehende Mutter Rosa (Lola Duenas), die ihm zeigen will, wie schön das Leben doch sein kann. Doch über all den heiteren Stunden und der entgegengebrachten und erwiderten Liebe schwebt Ramóns verzweifelter Kampf mit Staat und Kirche um das Recht am eigenen Tod. Denn für ihn ist klar: Als sein Körper starb, hätte auch er gehen müssen. Und wer ihn liebt, hilft ihm dabei.
Auch wenn man seine Leiden an einem von ihm unwürdig empfundenen Dasein versteht, fällt es auch als Zuschauer schwer, den faszinierenden Mann in den Tod gehen zu lassen. Diesen Effekt erzielt der herausragende Javier Bardem, der dem Film ein Strahlen verleiht.
Wie in "Das Meer in mir" konnte der echte Ramón Sampedro seinen Todeswunsch nicht juristisch absegnen lassen. Nachdem er 1996 alles, was er geschrieben hatte, unter dem Titel "Briefe aus der Hölle" publizierte, führte er seinen Plan durch. Er starb, so heißt es inzwischen, durch die Hilfe einer Freundin, die ihm ein Glas mit Zyankali-Wasserlösung bereitstellte. Erst nach Ablauf der Verjährungsfrist gestand sie im Januar 2005 ihre Tat.
Jan Treber
Die attraktive Anwältin Julia (Belen Rudea) hat sich in Ramon (Javier Bardem) verliebt. (ARD / Degeto)
Rosa (Lola Buenas) zeigt Ramon (Javier Bardem) ihre beiden lebhaften Kinder. (ARD / Degeto)
Javi (Tam Novas) liest das Buch seines Onkels, in dem sich ein Gedicht befindet, das ihm gewidmet ist. (ARD / Degeto)
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