(tsch) "Ocean's Twelve", der im Dezember 2004 in den deutschen Kinos startete, war mit rund 2,8 Millionen Zuschauern deutlich erfolgreicher als sein Nachfolger, "Ocean's 13" (2007). Eine erstaunliche Tatsache, denn der zweite Film aus der Kino-Trilogie ist weit spröder, komplizierter und verworrener als der dritte und wohl endgültig letzte Teil. Nun zeigt ProSieben "Ocean's Twelve" als Free-TV-Premiere an einem Sonntagabend und in direkter Konkurrenz gegen den Kölner "Tatort" und "Die Dolmetscherin" mit Nicole Kidman bei RTL. Da werden es George Clooney und seine Gesellen wohl schwer haben.
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Es sind geradezu unglaublich viele Szenen in diesem Film, die an Charme kaum zu überbieten sind. Gleich die erste zum Beispiel: Da hat der Gauner Rusty (Brad Pitt) gerade seine Liebesnacht mit der Ermittlerin Isabel (Catherine Zeta-Jones) hinter sich, als sie ihm offenbart, dass sie einem Verbrecher wortwörtlich auf die Spur gekommen sei. Ein Fußabdruck sowie sein Shampoo dank DNS-Analyse würden sie zu ihm und ihn in den Knast führen. Rusty blickt auf seine Stiefel, dann ins Bad und macht sich aus dem Staube. Ein Sprung aus dem Fenster, das Bild friert ein, und "Ocean's Twelve" beginnt.
Rund 4,4 Millionen Zuschauer sahen "Ocean's Eleven" Anfang 2002 in den deutschen Kinos, einige kamen noch bei der erfolgreichen Verwertung auf DVD hinzu. Das Interesse an einer Fortsetzung war also hier wie auch in Übersee vorhanden. Bei einem Besuch in Europa, so verriet Steven Soderbergh, sei ihm damals die Idee zu einem Sequel gekommen. Betrachtet man die Zahl der großen Namen, die sich auf der Besetzungsliste finden, darf es wohl überraschen, dass sie alle sich schon so bald wieder zum Dreh zusammenfanden. Aber Oscarpreisträger Soderbergh, in Hollywood eine Art Gott der Mixtur aus Independent-Style und garantiertem Blockbuster, kann sie eben alle haben. George Clooney sowieso, beide haben eine gemeinsame Firma.
Sie kehrten also alle zurück: Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Don Cheadle, Bernie Mac und die anderen Gangster aus dem ersten Teil. Dazu Julia Roberts, die nach dem erfolgreichen Coup von damals, als Danny Ocean (Clooney) den Casino-Besitzer Terry Benedict (Andy Garcia) mal so eben um runde 160 Millionen Dollar erleichterte, nun ihren Heldendieb geheiratet hat. Doch eines Tages steht Benedict samt Leibwächter vor ihrer Tür. Er will sein Geld wieder. Und das, obwohl ihm die Versicherung seinen Verlust ersetzt hat.
Fortan gelingt es Soderbergh mit großem Geschick alle Mitglieder von Danny Oceans "11" und ihren aktuellen Lebensstil dazu vorzustellen und innerhalb nur weniger Minuten an einen Ort zusammenzuholen. Temporeich geht's weiter, diesmal auf nach Europa, wo sie einen neuen Diebesfeldzug beginnen wollen. Und weil sich Soderbergh die Kulissen von Amsterdam, Rom und Paris als Schauplätze seiner Komödie ausgesucht hat, drehte er auch gleich den ganzen Film mehr im Stile des alten Kontinents. Will sagen: Reichlich Steadycam, eine nur selten logische, recht bruchstückhafte Erzählweise, gewagte Schnitte, merkwürdige Kameraführung. Nicht jeder Zuschauer schätzte diese krude Form, zumal der Film auch inhaltlich weniger auf die Gauner-Kombination setzt als vielmehr auf das Ringen dreier Parteien.
Da ist zum einen Danny Ocean samt Crew. Zum anderen die Europol-Agentin Isabel Lahiri, die wie erwähnt mal was mit Rusty Ryan hatte, der sich dann jedoch unsanft aus dem Staub machte. Sie jagt die Bande. Und zum Dritten ist da ein weiterer Meisterdieb namens Night Fox (herausragend: der französische Schauspieler Vincent Cassel), der auf ein Duell mit Danny Ocean aus ist. Es geht um ein wertvolles Fabergé-Ei, das es zu erbeuten gilt.
Während Ocean und Gefolge im ersten Film noch zu einem gigantischen und eigentlich nie gefährdeten Triumphzug aufbrachen, ist es um sie diesmal weit schlechter bestellt. Früher oder später landen sie alle im Knast, was aber nicht wirklich viel zu bedeuten hat. Linus Caldwell (Matt Damon), zunächst noch auf freiem Fuß, und ewig bestrebt, sich selbst als Führungsgauner zu beweisen, nimmt sich also vor, gemeinsam mit Dannys Frau Tess das Ei zu erbeuten. Der Plan, den er dazu schmiedet, ist - nun ja - ziemlich gewagt und birgt für den Zuschauer einige cineastische Überraschungen, einen äußerst ungewöhnlichen Auftritt von Julia Roberts inklusive.
Auch dank dieser besonderen Filmsequenz gewinnt "Ocean's Twelve" gerade am Ende noch einmal, zumal er in kurzer Zeit dann noch weitere Glanzlichter zu setzen vermag. Der Vorwurf, eine bloße Kopie des Vorgängers gefertigt zu haben, ist Steven Soderbergh jedenfalls nicht zu machen. Das gilt dann doch eher für den dritten Film.
Kai-Oliver Derks
Drei Jahre nach seinem großen Casino-Coup hat Danny Ocean (George Clooney) ein Problem, doch er hat schon eine Idee. (ProSieben / Warner Bros. Television)
Nur der zwei der zahlreichen Superstars in Steven Soderberghs Sequel "Ocean's Twelve": Brad Pitt (links) und George Clooney. (ProSieben / Warner Bros. Television)
Terry Benedict (Andy Garcia, Mitte) will sein Geld zurück, dass ihm am Ende von "Ocean's Eleven" entwendet wurde. (ProSieben / Warner Bros. Television)
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