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Bushido - 7

Bushido 7

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Von null auf eins in den deutschen Albumcharts - damit dürfte Bushido nicht nur Annett Louisan die Woche vermiesen, die es nur auf den zweiten Rang schaffte. Die Zahl derer, denen der immense Erfolg des wohl einzigen Superstars im deutschen Rapgame übel aufstößt, ist groß. So prüfen momentan sowohl diverse Schwulenorganisationen als auch der Zentralrat der Juden in Deutschland rechtliche Schritte gegen den Rapper. Der Vorwurf: homophobe und antisemitische Texte. Dass sich die Zielgruppe um so etwas überhaupt nicht schert, ist kaum verwunderlich. "7", das neue Album des Berliner Rappers, erklärt ganz gut, warum und bleibt damit vollständig im Rahmen der Erwartungen.

Es ist so eine Art Paradigmenwechsel, der in den letzten vier, fünf Jahren im HipHop stattfand. Weg vom schwäbischen Mittelstand mit funky Mucker-Attitüde, der man das behütete Elternaus anhören konnte. Und: Weg vom im Intro dieses Albums kurz angedissten Spaßrap Hamburger Prägung, der zwar technisch gut war, aber inhaltlich wenig bis nichts vermittelte. Dass mittlerweile das Genre von einer härteren Gangart dominiert wird, ist eigentlich nur konsequent und eine Annäherung an die Vorbilder. Man könnte auch sagen: Mit dem Erfolg von Künstlern wie Sido, Kool Savas oder eben Bushido hat sich deutschsprachiger HipHop emanzipiert und Anschluss an den Rest der Welt gefunden. Denn die Vorbilder in Übersee kommunizieren schließlich in ähnlicher Sprache. Nur: das versteht hier kaum jemand.

Insofern ist es Unsinn, "7" mit Publikationen aus dem Inland zu vergleichen. Seine Mischung aus der harten Straße, aus Kraftmeierei auf der einen und geläuterter Nachdenklichkeit auf der anderen Seite ist wie schon auf den letzten beiden Alben eine im höchsten Maße internationalistische Angelegenheit, die sich vor allem an US-Vorbildern orientiert. "Armes Deutschland - wenn das die Presse sieht, dass ihr eure Probleme auf nen Rapper schiebt", heißt es in "Hinter dem Horizont". Und jenseits einer inhaltlichen Bewertung ist das, um was es bei Bushido auch im weiteren Verlauf der Platte geht. Zu düsteren, aber durchaus eingängigen Beats, die zum Teil von ihm selbst, zum Teil von den Linzer Beatbastlern geschraubt wurden, flowt Bushido sich durch Biografisches (Hart: "Reich mir nicht deine Hand") und seine bisweilen etwas anachronistisch anmutenden Lebenseinstellungen, was sich vor allem in "Gibt es dich" manifestiert, wo ein Frauenbild propagiert wird, das wirklich Unsinn ist. Dazu kommen wenig überraschende Features, die sich schon vor dem Hören erschließen: Chakuza, zweiter Mann bei Ersguterjunge und wohl einer der Nächsten, die ganz groß durchstarten werden, macht's auf dem atmosphärisch produzierten "Heile Welt" richtig gut, auch Ex-DSDSler Phillipe kann im extrem poppigen inszenierten "Wahrheit" überzeugen, während Summer Cem auf dem letzten Mixtape irgendwie mehr Spaß machte. Eines haben sie freilich alle gemeinsam: Bushido und seinem lakonischen Flow stehlen sie nicht die Show. Insgesamt eine sehr ordentliche Platte - die freilich durch Bushidos Ausfälle Richtung homosexueller Community irgendwie einen faden Nachgeschmack hinterlässt.

Jochen Overbeck


Datum: 20.09.2007

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Diskussion: "Bushido - 7"

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