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Broken Flowers

Broken Flowers

(tsch) Aus dem Porsche, den er in Sofia Coppolas "Lost in Translation" haben wollte, ist nichts geworden, dafür hat sich Bill Murray aber jede Menge Fred-Perry-Trainingsanzüge gekauft. Grüne, schwarze und blaue - die Farben sind gedeckt, so wie es sich für jemanden, der in einer persönlichen Krise steckt, gehört. Die Mitte des Lebens mit all ihren Problemen scheint eine faszinierende Anziehungskraft auf den Charakterkopf zu haben. Nach dem Tokiotrip mit Scarlett Johansson und seiner Hai- und Sinnsuche in Wes Andersons "Die Tiefseetaucher" lässt sich Bill Murray in "Broken Flowers" nun auch von Jim Jarmusch eine ausgewachsene Midlife-Crisis verabreichen.

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Der Filmtitel ist Programm: Don Johnston (Bill Murray) ist wie eine stattliche Rose, die allerdings lange Zeit ohne Wasser auskommen musste und seit Jahren den Kopf hängen lässt. Irgendwann hat er irgendetwas mit irgendwelchen Computern gemacht und ist zu Geld gekommen. Nun muss er nicht mehr arbeiten und sitzt mit bemerkenswerter Ausdauer auf einer dunklen Couch in seinem düsteren Haus herum. Das tut er meistens im besagten Trainingsanzug, immer mit einer grundsätzlichen Gleichgültigkeit gegenüber allem und jedem, nie mit Enthusiasmus. Nicht einmal, als ihn seine aktuelle Geliebte verlässt. Sherry (Julie Delpy) hat genug von der unerträglichen Schwere des Seins und steigt mit französischer Entschlossenheit aus der Beziehung aus.

Ihre Flucht trifft Don Johnston zwar ins Mark, reißt ihn aber noch nicht aus seiner Lethargie. Das schafft erst ein rosa Brief, der unscheinbar ins Haus geflattert kommt. Eine anonyme Ex-Geliebte teilt ihm darin lapidar mit, dass ihrer Liaison ein Sohn entsprungen ist, der mittlerweile 19 Jahre alt ist und sich auf die Suche nach seinem Vater gemacht hat. Johnstons Nachbar Winston (großartig als überzeugter Familienmensch: Jeffrey Wright), der sich um fünf Kinder, eine Frau und diverse Jobs kümmern muss, nimmt sich der Sache an.

Als fanatischer Hobbydetektiv analysiert er den Brief, entlockt dem ergrauten Don Juan die Namen seiner Frauen und bucht kurzerhand einen Trip in dessen Vergangenheit. "Die Mutter deines Sohnes steht auf Rosa. Suche nach Hinweisen auf diese Farbe", gibt Winston seinem Nachbarn mit bemerkenswertem Scharfsinn auf den Weg.

Bill Murray darf auf dieser Reise eine Menge umwerfende Frauen besuchen - Sharon Stone, Jessica Lange, Tilda Swinton und Frances Conroy konfrontieren ihn mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Den ersten Halt macht er bei Sharon Stone, die mit graziler Leichtigkeit die lebenslustige Witwe Laura spielt und den alternden Casanova mit Kusshand und einem sinnlichen Rausch empfängt. Diese erste Station der Reise zeigt auch sogleich, dass rosa Hinweise um einiges leichter zu finden sein werden, als es sich Winston vorgestellt hat.

Bei Laura, die dafür bezahlt wird, das Leben anderer Leute zu organisieren, ist Töchterchen Lolita die Fleisch gewordene Pastellfarbe. Promisk und zeigefreudig läuft sie, vom Rosé angeschwipst, meistens nur mit pinkfarbener Unterwäsche bekleidet, manchmal ganz nackt, durch das Bild. Aber auch ohne Sohn ist hier eigentlich alles in Ordnung - vor allem im Vergleich zu den emotionalen Schlachtfeldern, die Don Johnston noch bevorstehen.

Da ist zum Beispiel Dora (Frances Conroy), ein ehemaliges Hippie-Girl für wilde Nächte. Jetzt lebt sie in einer klinisch sauberen Vorort-Hölle mit dem überschwänglichen Immobilienmakler Ron (Christopher McDonald) zusammen. Dann lässt ihn Empfangsdame Chloë Sevigny im rosa Vorzimmer von Carmen (Jessica Lange) warten. Dort liegen Bücher mit Titeln wie "Erfolgreich mit Tieren reden" auf dem Tisch, geschrieben von seiner Ex, die früher eine erfolgreiche Anwältin war. Mittlerweile kommuniziert sie nur noch mit Tieren.

Auch auf seiner letzten Station ist nichts zu holen. Penny (Tilda Swinton), eine ziemlich abgehalfterte Rockerbraut, empfängt ihn mit einer Hasstirade und wütenden Beschimpfungen. Alles, was Don hier bekommt, ist ein paar blaue Augen und die Gewissheit, dass ein Sohn definitiv eine gute Sache für ihn wäre. Und der überzeugte Egozentriker lernt langsam, dass es auf der Welt noch andere Lebewesen gibt, die eine Daseinsberechtigung haben.

Jim Jarmusch kehrt mit "Broken Flowers" zu seinen minimalistischen Wurzeln zurück und hat mit Bill Murray einen kongenialen Partner gefunden. Der Mimik-Minimalist entfaltet in der schnörkellosen Inszenierung seine ganze Kraft. Die sparsamen Gesten und Blicke zielen auf Herz und Verstand gleichermaßen und fräsen sich genauso ins Gedächtnis, wie die großartigen Auftritte der Frauen. Sie alle erzählen mit lakonischem Humor in intensiven Episoden von menschlicher Emotionslosigkeit und der Befreiung davon.

Das Schönste ist allerdings die Zeit, die Jarmusch sich lässt. Unaufgeregte Szenen und lange Einstellungen lassen Raum für Entdeckungen geben dem Betrachter das Gefühl, wichtiger Teil dieses wunderbar tragikomischen Roadmovies zu sein.

Andreas Fischer

Credits:
V:Tobis, USA 2005, R: Jim Jarmusch, D: Bill Murray, Sharon Stone, Jessica Lange u.a.

Kinostart:
08.09.2005


Don Johnstons (Bill Murray) Midlife-Crisis erreicht mit einem rosa Brief ihren Höhepunkt: Eine Verflossene behauptet, er habe einen 19-jährigen Sohn.
Don Johnstons (Bill Murray) Midlife-Crisis erreicht mit einem rosa Brief ihren Höhepunkt: Eine Verflossene behauptet, er habe einen 19-jährigen Sohn. (Tobis)

Das Desinteresse, das Don Johnston (Bill Murray, rechts) dem Leben im Allgemeinen und dem Vaterschaftsbrief im Besonderen entgegen bringt, wird von seinem enthusiastischen Nachbarn Winston (Jeffrey Wright) bekämpft.
Das Desinteresse, das Don Johnston (Bill Murray, rechts) dem Leben im Allgemeinen und dem Vaterschaftsbrief im Besonderen entgegen bringt, wird von seinem enthusiastischen Nachbarn Winston (Jeffrey Wright) bekämpft. (Tobis)

Der Lebensabschnitt ist zu Ende, die Gefährtin geht: Sherry (Julie Delpy) verlässt Don (Bill Murray).
Der Lebensabschnitt ist zu Ende, die Gefährtin geht: Sherry (Julie Delpy) verlässt Don (Bill Murray). (Tobis)

Datum: 03.09.2005

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