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Foo Fighters

Ikonen ohne Skandale

Band Foo Fighters

(tsch) Es ist keine besonders große Überraschung, dass die Foo Fighters eine ausnehmend nette Band sind. Und noch weniger ist es eine Überraschung, dass Dave Grohl, Kopf der Truppe, ein wirklich herzlicher Typ ist und auch Gitarrist Chris Shiflett relaxt, aber freundlich im Hotelsessel fletzt. Einen ganzen Tag verbringen die Foo Fighters in München. Interviews, eh klar. Aber eben auch: trinken. "Ich respektiere die bayerische Liebe zum Bier", sagt Grohl, der am selben Abend der versammelten Musikpresse das neue Album "Echoes, Silence, Patience & Grace" vorstellen wird - bei, klar Bier, und bei Burgern. Von Müdigkeit, oder gar von Arroganz keine Spur.

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teleschau: So ganz spontan: Wenn Ihr jetzt über die Platte redet und sie dabei reflektiert - was gefällt Euch am meisten?

Dave Grohl: Dass wir es offenbar geschafft haben, die Leute zu überraschen. Nicht nur mit der Musik, sondern mit der bloßen Tatsache, dass wir überhaupt ein Album aufgenommen haben. Wir haben das ja im Vorfeld nicht groß angekündigt ...

teleschau: War es Euch selbst denn klar?

Grohl: Wir hatten eine Akustik-Tour und sprachen danach schon darüber, was man machen könnte und dachten auch über eine Auszeit, über ein Jahr Pause nach. Aber dann kamen wir ins Grübeln: Was bitte sollte man in dem Jahr machen? Also haben wir gesagt: Egal, wir machen ein Album. Die Musik war da. Einer der Gründe, eine Pause zu machen, wäre nur gewesen, dass vor kurzem erst die Live-Platte kam. Wir haben schon kurz darüber nachgedacht, ob so die Gefahr einer Überpräsenz entstehen könnte.

teleschau: Dass das die Leute verwundert, liegt vielleicht auch daran, dass es bei Euch oft Auflösungs-Gerüchte gab. Das war so, als Du mit den Queens Of The Stone Age etwas gemacht hast, das ist oft so, wenn Du irgendwo trommelst ...

Chris Shiflett: Stimmt. Es gibt keine Band, die so oft zu Grabe getragen wird wie wir. Jedesmal, wenn wir irgendwas machen, gehen die Leute davon aus, dass das jetzt bestimmt das letzte Mal sei. Ich raff's einfach nicht.

Grohl: Es liegt daran, dass viele Menschen nicht verstehen, dass ich mehrere Dinge auf einmal tun kann und mich dabei immer noch wohlfühle. Ein Musiker zu sein, bedeutet nicht automatisch, ein Leben lang in einer Band zu spielen, dieser kollektiven Idee einer Gang nachzuhängen, wie das bei den Monkees oder den Beatles war. Musiker können sich bewegen. Musiker sollen sich sogar bewegen. Es ist kreativ viel erfüllender, wenn man mit vielen verschiedenen Menschen musiziert. Und dass es für mich das Schönste ist, etwas mit den Foo Fighters zu machen - immerhin spielen wir seit 13 Jahren zusammen -, liegt sicher auch ein Stück weit daran. Wir nehmen gute Platten auf, da bin ich stolz darauf. Aber ich bin auch stolz darauf, dass ich Musik mit Cat Power, mit Nine Inch Nails oder mit den Queens Of The Stone Age gemacht habe. Für mich ist es auch schön, manchmal Drums zu spielen und manchmal Frontman zu sein.

Shiflett: Die Presse neigt auch dazu, Dinge zu überdramatisieren. Wenn man mal 24 Stunden getrennt verbringt, bedeutet das nicht das Ende einer Band.

teleschau: Wir müssen das fragen. Das ist unser Beruf.

Grohl: (lacht) Wir haben keine Skandale. Wir sind so laid back, dass das offenbar der einzige Ansatzpunkt ist. Aber wir mögen uns. Wir machen Platten.

teleschau: Wie war der Übergang von der Tour zu den Studioaufnahmen?

Grohl: Sehr fließend. Als wir die ersten Demos machten, waren wir noch unterwegs. Wir spielten da ja akustisch, und das war sehr wichtig. Wir waren lange Zeit eine reine Rockband. Wir sind auf die Bühne gegangen, haben die Gitarreneffekte hochgedreht, reingeholzt, geschrien und geschwitzt. Diese andere Seite, dieses Spiel mit ein paar Streichern und Orgeln, zeigte uns, dass es in vielen Ecken, in denen wir noch nie waren, enormes Potenzial gibt. Plötzlich standen wir da und staunten über die Schönheit der Melodien. Die Idee, das noch einmal auszuschmücken, war schon in unserem Kopf. Ich hatte vorher ein Klavier zum Geburtstag bekommen - auf dem schrieb ich einige Songs. Das war großartig - wie eine ganz frische, weiße Leinwand. Wie Werkzeuge, die du noch nie benutzt hast. Deshalb wollte ich auch sofort weitermachen.

teleschau: Die Schnitte auf der Platte zwischen ruhigem und lautem Material wirken bisweilen sehr radikal.

Shiflett: Das wurde schon oft gesagt. Ich verstehe das nicht so recht, ich glaube, es ist nach dem Doppelalbum eine ganz normale Entwicklung.

Grohl: Wir hatten 30 bis 40 Lieder zur Auswahl. Das Prinzip, das wir anwendeten, war ein schlichtes. Wir wollten die Lieder auf der Platte haben, die am ehrlichsten waren, am stärksten. Einfach die besten. An die Dynamik, die dadurch entstand, dachten wir nicht. Das hatten wir bei der letzten Platte gemacht, diesmal wollten wir nicht übermäßig nachdenken.

teleschau: Ganz profan gefragt - fehlt Ihr Euch, wenn Ihr Euch nicht seht?

Shiflett: Wir hatten eigentlich nur nach "Nothing Left To Loose" eine längere Pause - das war in etwa ein Jahr. Normalerweise treffen wir uns recht regelmäßig - sei es nur, um Demos aufzunehmen.

Grohl: Aber klar fehlen wir uns. Wir vermissen die Band. Selbst wenn ich Tausende von Meilen weg bin, trage ich dieses Gefühl auf der Schulter. Einer der Gründe, warum ich damals bei den Queens Of The Stone Age einstieg, war dass dieses Gefühl abhanden gekommen war. Dann etwas anderes zu tun, half enorm. Es brachte das Gefühl zurück. Es ist so eine Art Sicherheitsdecke, die man braucht.

teleschau: Ist es nicht bisweilen etwas mühsam, dieses Band-Ding zu transportieren? Heute gebt Ihr den ganzen Tag lang Interviews, morgen erneut, vermutlich den Tag darauf ebenso ...

Grohl: Nein. Interviews zu geben ist etwas, das uns wichtig ist, und das wir nicht als lästige Pflicht sehen, als ein Werkzeug, um mehr Platten zu verkaufen. Es geht darum, eine Botschaft zu verbreiten, etwas zu formulieren. Ich mache das gerne. Mit Leuten herumzusitzen und über Musik zu sprechen, ist doch wunderbar. Ich mache den Leuten mit meiner Musik ein Angebot an die da draußen. Ich will, dass andere das auch spüren. Darüber nicht zu reden, wäre doch eigenartig. Sollten wir jemals an einem Punkt sein, an dem wir das nicht mehr möchten, haben wir alle Freiheiten aufzuhören.

teleschau: In wieweit verändern Kinder das Bandgefüge? Ihr seid ja Väter ...

Grohl: Es verändert alles. Ich lebte lange aus einem Koffer. Früher ging ich mit einem großen Rucksack auf Tour. Und alles war gut. Du hattest immer einen Schlafplatz, Du bekamst was zu essen - das hat völlig ausgereicht. Ich habe damals nichts vermisst, auch weil ich so viele großartige Plätze bereisen konnte. Jetzt haben sich die Dinge geändert. Ich bin weg von meiner Frau, weg von meinem Kind - und eben auch weg von einem Ort, der mein Zuhause ist. Das ist schwierig. Aber im Übrigen verändert es nicht nur das Bandgefüge, ein Kind zu haben. Es verändert das Leben, jede Kleinigkeit.

Shiflett: Es ist eine seltsame Mischung. Irgendwie möchte man schon das weitermachen, was man vorher machte. Aber andererseits will man für seine Familie sorgen und ist deshalb ehrgeiziger.

teleschau: Wieviel hat das alles mit Erwachsenwerden zu tun?

Grohl: Vermutlich eine ganze Menge. Als Nirvana bekannt wurden, teilte ich mir mit einem Freund ein kleines Haus in Seattle. Wir zahlten vielleicht 400 Dollar Miete. Ich hätte auf einen Schlag zehn dieser Häuser kaufen können, aber das alles interessierte mich gar nicht. Geld war mir egal. In meinem Zimmer war ein Futon, eine Lampe und ein Kleiderschrank. Ich brauchte nichts.

teleschau: Hat sich das verändert?

Grohl: Vielleicht. Vor ein paar Monaten tobten in der Gegend, in der ich wohne, ziemliche Waldbrände. Eines Tages sahen meine Frau und ich aus dem Fenster - und sahen, dass da die Häuser brannten, vielleicht 500 Meter weg von unserem. Überall waren Löschhubschrauber, die ersten Leute wurden evakuiert. Natürlich hast du Angst um deinen Besitz, aber der Grundgedanke war ein anderer. Ich stand da und dachte: Was würde ich retten, wenn das Haus abbrennen würde? Was würde ich mitnehmen wollen? Was würde ich brauchen? Mir fiel nichts ein. Mein Hund, meine Tochter, meine Ehefrau. Alles andere ist nichts als Kram. Also vermisst man nicht den Ort an sich, sondern die Menschen, die dort sind.

Jochen Overbeck


Von der Tour ins Studio: Lange Pausen sind nicht das Ding der Foo Fighters.
Von der Tour ins Studio: Lange Pausen sind nicht das Ding der Foo Fighters. (Sony BMG / Ben Watts)

Rockmusik mit der Extraportion Herzlichkeit: die Foo Fighters.
Rockmusik mit der Extraportion Herzlichkeit: die Foo Fighters. (Sony BMG / Ben Watts)

Mit "Echoes, Silence, Patience & Grace" erscheint jetzt ein neues Album der Foo Fighters.
Mit "Echoes, Silence, Patience & Grace" erscheint jetzt ein neues Album der Foo Fighters. (Sony BMG / Ben Watts)

Datum: 23.09.2007

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