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Geliebte Jane

Geliebte Jane

(tsch) Jane Austen ist ein Muss für die Frau von heute, die sich gerne an die Werte von früher erinnert. So rangiert der Roman "Der Jane Austen Club" in den Bestsellerlisten und wartet auf seinen Kinostart im nächsten Februar, Frauenzeitschriften wettern gegen den 60-Prozent-Mann und untermauern ihre Hinweise zur Eroberung des Richtigen mit Austens Vorgehensweise. Kinobesucherinnen schwärmen heute noch von "Stolz und Vorurteil", der sich vor anderthalb Jahren zu "Emma" und "Sinn und Sinnlichkeit" im DVD-Regal gesellte. Es wurde wirklich höchste Zeit, endlich den Film über Jane Austen selbst zu drehen. Doch das war keine einfache Aufgabe.

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Vor 200 Jahren schrieb die Pfarrerstochter ihre romantischen Werke. Märchen, in denen Anständigkeit belohnt und durch die raue Schale ins Innerste geblickt wurde. Es herrschte, was man im emotionalen Chaos der Gegenwart vermisst: Gerechtigkeit. Nicht die Schönsten, sondern die, die es verdienten, bekamen den Mann, der sie auf Händen trug. So wollte es die Autorin aus dem ländlichen Hampshire, obwohl ihr keineswegs die Jünglinge zuhauf in den Schoß fielen.

Regisseur Julian Jarrold blendet in das Jahr 1795. Den Austens geht es finanziell nicht besonders. Jane und ihre Mutter (Julie Walters) zanken bei der Feldarbeit über Geld und Liebe, der Vater (James Cromwell) steht bedröppelt daneben. Das talentierte Mädchen ist schlagfertig, ja, wenn man so will, eine Feministin. Zumindest fordert sie ihre Rechte ein, weist den Adligen ab, der der Familie die notwendige Finanzspritze geben könnte. Arm, aber glücklich - das wunderbare Sprichwort zerbröselt nicht nur hinsichtlich der Familie.

Anne Hathaway musste schlucken: Die Rolle der Jane Austen erschien ihr doch eine Nummer zu groß. Doch die 24-Jährige hatte sich längst von ihrem "Plötzlich Prinzessin"-Image freigeschwommen, sich mit präzisen Leistungen in "Brokeback Mountain" und "Der Teufel trägt Prada" empfohlen. Die New Yorkerin trägt den allzeit dezenten Kostümfilm trotz ihrer unbedarften Ausstrahlung. An ihrer Seite James McAvoy, ohne den "Der letzte König von Schottland" nur die Hälfte wert gewesen wäre. Als Tom Lefroy zaubert er verschämten Glanz in die Augen der Pfarrerstochter - natürlich erst, nachdem sie sich ausführlich gestritten haben.

Der Name Lefroy bleibt im Ohr wie "Mr. Darcy", um den sich bei "Stolz und Vorurteil" alles drehte. Über weite Strecken entspricht "Geliebte Jane" in groben Zügen jener Romanverfilmung. Hathaway tollt etwas weniger umher als Keira Knightley, sie ist mehr kultivierte, unabhängige Frau als lebenslustiges Mädchen.

Auch sonst funktioniert das Biopic nach dem Erfolgsrezept der bisherigen Leinwandadaptionen. Nach kleineren Schwierigkeiten bekennen sich Jane und Mr. Lefroy zueinander. Doch dann kommt der große Cut, der die Biografie über die Werke der Autorin stellt. Denn die Realität pfuscht den beiden dazwischen.

Profane Missverständnisse, gemeine Intrigen und pure Vernunft führen zur Trennung. Jane Austen trägt dies mit sehr viel Fassung, und das Schreiben ihrer Romane wirkt mit diesem Wissen wie eine Flucht. Schade nur, dass sich der Film so kurz mit dieser interessanten Phase beschäftigt. Julian Jarrold bemüht sich von Anfang an nicht wirklich um einen Spannungsbogen. Ab und an plänkelt die Geschichte vor sich hin, doch meist bleibt "Geliebte Jane" kurzweilige Unterhaltung, was weniger dem Drehbuch als den Hauptdarstellern zu verdanken ist. Wirklich versagt hat der Regisseur im letzten Drittel. Denn aus der Tragik der Ereignisse hätte man großes Kino machen können. Der Verstand weiß nach diesem Film zwar, dass Liebe allein im frühen 19. Jahrhundert nicht genügte. Doch die Knie zittern dabei nicht.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Concorde, USA / GB 2007, R: Julian Jarrold, D: Anne Hathaway, Julie Walters, James McAvoy u.a.

Laufzeit: 121 Min.

Kinostart:
4. Oktober 2007


Die junge Jane Austen (Anne Hathaway) will sich von der Gesellschaft nichts vorschreiben lassen.
Die junge Jane Austen (Anne Hathaway) will sich von der Gesellschaft nichts vorschreiben lassen. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Lady Gresham (Maggie Smith) hat es niemals ganz überwunden, keine eigenen Kinder zu haben.
Lady Gresham (Maggie Smith) hat es niemals ganz überwunden, keine eigenen Kinder zu haben. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Jane Austen (Anne Hathaway) fühlt sich sehr zu dem Iren Tom Lefroy (James McAvoy) hingezogen.
Jane Austen (Anne Hathaway) fühlt sich sehr zu dem Iren Tom Lefroy (James McAvoy) hingezogen. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 30.09.2007

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