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Babyshambles - Shotter's Nation

Babyshambles Shotter's Nation

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Dinge geraderücken. Das muss Pete Doherty, und das weiß man auch bei der Plattenfirma. "Shotter's Nation" ist für den früheren Sänger der Libertines vor allem eine Chance, das Private dort zu positionieren, wo es hingehört, nämlich ziemlich weit hinten, und, so albern das klingt, mit der Musik zu punkten. Denn die Fakten sind ja recht simpel: Doherty - das zeigte bereits die Vorab-Single "Delivery" - ist ein begnadeter Songwriter, der sich mit ausreichend Hintergrundwissen und Gewitztheit durch die britische Popmusik zitiert. Und: Seine Stimme wandert auf einem ausnehmend hübschen Gipfelgrat. Links so eine Art kompromisslose Zärtlichkeit, rechts Verzweiflung, deren Zerstörtheitspotenzial jenseits aller Sollbruchstellen liegt und die mit dem good clean fun der meisten Popmusik so gar nichts zu tun hat.

Natürlich, das Leben des Pete Doherty ist ein bewegtes und spätestens seit seiner Liaison mit Supermodel Kate Moss auch eines, das mit einer gewissen Berechtigung im öffentlichen Interesse steht. So grätscht es auch in eine Bewertung der Musik rein - weil in den Songs von "Shotter's Nation" eben jene Zerissenheit steckt, die zumindest der Legende nach immer nur jemand glaubwürdig transportieren kann, der mit sich selbst nicht im Reinen ist.

Es ist die Zerfahrenheit geblieben, die den Vorgänger "Down In Albion" ebenso charakterisierte wie die zwischendurch eingeschobene "The Blinding"-EP. Aber die Schönheit ist ebenfalls noch da, und dieser immense Ideenreichtum. Auch wenn Doherty und seine Mannen sich durch ein Feld poltern, das im weitesten Sinne Indierock mit den üblichen Wurzeln einmal im späten Beat der 60er- und einmal im Punk der 70er-Jahre ist, wirkt das alles nie wie eine Wiederholung. Die große Hymne, das "Albion" dieses Albums, findet sich nicht, das mag sein. Aber oben erwähntes "Delivery" mit seinem prägnanten Gitarrenriff schockt ganz gut, das trotzige "Unbilo Titled" ebenfalls - weil es hier die Verzweiflung ist, die Doherty zur Ruhe zwingt, nicht die Gelassenheit: "The more that you follow me, the more i get lost. You think that you know me, you're pissing me off. You say that you love me, why don't you fuck off", heißt es hier. Vergangenheitsbewältigung und Beziehungsbilanz? Kann sein, vor allem aber: ein ziemlich großartiger Song. Weiterhin toll: "French Dog Blues", das sich den Basslauf von "Build Me Up Buttercup" ausgeliehen hat und fahrig, aber eindringlich Richtung Refrain schlittert und der ruhige Akustik-Track "Lost Art Of Murder", der das Album beendet und den Doherty als einzigen Song auf der Platte alleine einspielte. "Get up off your back. Stop smoking that, you could change your life", heißt es hier. Selbstreflexion oder was? Egal. Wenn der Song und damit die 43 Minuten von "Shotter's Nation" vorbei sind, ist ziemlich klar, dass Doherty das mit der Popmusik unfassbar gut beherrscht. Inwieweit das jetzt etwas mit seinem von allen Seiten so gut ausgeleuchteten Leben zu tun hat, ist eigentlich völlig egal.

Jochen Overbeck


Datum: 30.09.2007

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