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Seth Rogen

"Wir haben nichts erfunden"

Seth Rogen Seth Rogen

(tsch) Ein Mann, ein Mondgesicht, ein stacheliges zumindest: Seth Rogen ist der wohl ungewöhnlichste Frauenschwarm Hollywoods. Mit seinen 25 Jahren, seinen vielen Pfunden über Normal und seinem markerschütternden Lachen ist der Komiker das Gegenteil dessen, was Mann wie Frau gemeinhin mit maskuliner Attraktivität verbinden. Doch Rogen gilt nach dem Kinosommer 2007 als neue Geheimwaffe Hollywoods. In "Beim ersten Mal" war er als unmotivierter Faulenzer zu sehen, der seine Traumfrau schwängert und lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Und nun zeigt er in "Superbad" (Kinostart: 02.10.), was es heißt, Polizist zu sein. Die Komödien, bei denen Rogen mit einem Team alter Bekannter, darunter Regisseur Judd Apatow ("Jungfrau, 40, männlich, sucht"), zusammenarbeitete, wurden in den USA zu den erfolgreichsten des Jahres und markieren eine Trendwende hin zu mehr Ehrlichkeit und Authentizität im Comedy-Genre. Das Drehbuch zu "Superbad" schrieb Rogen bereits im Alter von 14 Jahren, als er als Standup-Komiker Abend für Abend in verrauchten Bars verbrachte.

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teleschau: Sie scheinen Teil einer verschworenen Truppe zu sein. Was steckt dahinter?

Seth Rogen: Wir sind einfach gute Freunde. Unser Geheimnis ist wohl, dass wir uns für die Ideen des jeweils anderen interessieren und uns gegenseitig zuhören. Seit wir uns alle bei der Fernsehserie "Freaks and Geeks" trafen, haben sich unsere Wege eigentlich nicht mehr getrennt. Wenn einmal die Chemie stimmt, versucht man natürlich, immer mit den denselben Leuten zusammenzuarbeiten. Wenn man mit Freunden Spaß haben kann, wieso nicht?

teleschau: Sind Sie nach Ihren Erfolgen mittlerweile in der Position, dass Ihnen die Hollywoodstudios Blankoschecks für Ihre Projekte ausstellen?

Rogen: Ich muss zugeben, dass es mir ein bisschen Angst macht, wie leicht wir nun unsere Filme realisieren können. Das bedeutet: Selbst wenn wir eine wirklich grottenschlechte Idee hätten, bekämen wir wahrscheinlich das Geld dafür. Eigentlich ist es einfacher, gute Filme zu drehen, wenn die Leute kritisch mit dir umgehen, weil man dadurch immer angetrieben wird, die Qualität zu halten.

teleschau: Würden Sie wieder zurück ins Fernsehen wechseln?

Rogen: Erstmal bleibe ich beim Film. Thematisch macht es zwar keinen Unterschied, was man im Fernsehen oder Kino stemmen kann. Doch gerade in Amerika wird sehr darauf geachtet, wie diese Themen aufgezogen werden. Unsere Art von etwas schmutzigeren und kantigeren Komödien würden im Fernsehen heftig zensiert werden.

teleschau: Gibt es Grenzen, was Sie in einem Film zeigen würden?

Rogen: Ach, wenn man sich in den USA erst ein R-Rating verdient hat, was bedeutet, dass nur Zuschauer ab 18 Jahren den Film sehen dürfen, dann kann man eigentlich treiben, was man will. Sogar ein Baby zeigen, das aus einer Vagina herauskommt - wie in "Beim ersten Mal". Das macht ja auch den Ruf dieser Alterseinstufung aus: Viele Filmemacher kämpfen förmlich darum, ein R-Rating zu bekommen und nicht bloß eine Freigabe ab 13 Jahren.

teleschau: Gibt es eine neue Comedy-Bewegung in Hollywood?

Rogen: Die Presse scheint uns gerne ein Etikett aufzudrücken, auf dem steht: "Trendsetter". Aber als wir anfingen, uns über den Film Gedanken zu machen, dachten wir wirklich nicht, wir würden den originellsten Film der Geschichte drehen. Es gibt tonnenweise Filme über Typen, die Mädchen ins Bett bekommen wollen, die nicht in ihrer Liga spielen. Das ist doch der Ansporn, der die Weltwirtschaft antreibt: Wir alle lernen in jungen Jahren, dass wir Frauen nur beeindrucken können, wenn wir beruflich erfolgreich sind und viel Geld scheffeln. Oder wir versuchen, sie mit unserer Intelligenz oder unserem Humor zu überzeugen. Andere machen riskante Stunts, aber dafür bin ich nicht der Richtige. Also unterm Strich kann ich sagen: Vielleicht gehen wir etwas ehrlicher als all die anderen Filme an die Thematik heran, aber ich denke nicht, dass es eine neue Art von Komödie ist. Wir haben nichts erfunden.

teleschau: Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihrer Filme?

Rogen: Für mich ist es nicht das übergeordnete Thema einer Geschichte, sondern es sind die einzelnen Szenen, die den Charme eines Films ausmachen. Es gibt nicht unendlich viele originelle Ideen zu einem Thema, also müssen wir uns überlegen, auf welche Art wir diese Ideen verarbeiten, damit sie originell werden oder bleiben. Die Perspektive macht's.

teleschau: Welche Perspektive haben Sie privat, wenn es um Frauen geht?

Rogen: Ich habe schon seit Jahren dieselbe Freundin, was sehr angenehm ist. Ich hatte schon immer die Angewohnheit, mit Frauen zusammen zu sein, die in einer viel höheren Liga spielen.

teleschau: Liegt das an Ihrem Humor?

Rogen: Das ist doch ein Märchen: Wenn Frauen sagen, sie wollen einen Mann, der Humor hat, missverstehen wir Männer das total. Bei Frauen bedeutet Humor, attraktiv zu sein.

teleschau: Woher kommen die Ideen, wenn Sie ein Drehbuch schreiben?

Rogen: Sich komische Szenen nicht nur auszudenken, sondern sie tatsächlich so zu schreiben, dass die Dialoge zünden, ist verdammt schwierig. Wenn in einem Drama niemand eine Reaktion zeigt, denken alle: "Wow, was für ein ernsthafter, intelligenter Film." Aber wenn sich in einer Komödie niemand rührt, war es einfach misslungen. Bisher hatte ich das Glück, von meinen Freunden und meiner eigenen Lebenssituation so viel Inspiration zu bekommen, dass es irgendwie geklappt hat. "Superbad" schrieben wir schon als Teenager.

teleschau: Woher wissen Sie, ob etwas komisch ist?

Rogen: Ganz ehrlich: Wir haben keine Ahnung - zumindest wissen wir nicht, ob andere darüber lachen können. Wir selbst finden es meistens zum Brüllen komisch. Aber um auf Nummer sich zu gehen, drehen wir grundsätzlich viele verschiedene Versionen von einzelnen Szenen, um später die Auswahl zu haben. Meistens merkt man erst am Schneidetisch, ob ein Witz funktioniert oder nicht. Und wenn nicht, versuchen wir es eben mit einem anderen.

teleschau: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie aus Ihrer Art von Humor Kapital schlagen können?

Rogen: Ich fing als Standup-Komiker auf der Bühne schon recht jung an: mit 13 Jahren. Mein halbes Leben bin ich also schon dabei, mir den Allerwertesten abzuarbeiten. Ich übertreibe da wirklich nicht. Es ist verdammt harte Arbeit. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken, die mich immer unterstützten und zu den Shows kutschierten.

teleschau: Das klingt nach einer einsamen Jugend.

Rogen: Ich kann mich nicht beschweren, war auch kein Außenseiter. Ich hatte eine tolle Highschool-Zeit, was anderen Komikern offenbar vorenthalten war. Ich bin aber nicht der Richtige für dunkle Komödien aus dem Innersten einer gefolterten Seele. Ich habe die Philosophie, dass man irgendwelchen Mist einfach total lustig finden kann. Meine Freunde kamen ja auch schon damals in Scharen zu meinen Auftritten - obwohl es in einer Lesben-Bar war. Das wusste ich damals aber nicht. Insgesamt hatte ich immer gut 50 bis 60 Zuschauer.

teleschau: Lachten sie damals über Sie - oder über Ihre Witze?

Rogen: Oh, die waren völlig aus dem Häuschen wegen meiner Witze, nicht meinetwegen. Ich habe es trotzdem gehasst, dass ich noch so jung war, weil ich den Leuten unterstellte, sie würden mich als Komiker nicht ernst nehmen. Ich wollte am liebsten 30 Jahre alt sein und nicht mehr als der Jungspund gelten, der witzig sein will. Mein Programm wechselte ständig: ob lange, verwinkelte Geschichten wie von Bill Cosby bis hin zu Alltagsbeobachtungen à la Jerry Seinfeld - ich hatte hohe Ansprüche und hasste es, einen Witz mehr als einmal erzählen zu müssen. Ich schrieb mir förmlich die Finger wund. Daher fand ich schnell Gefallen am Schreiben. Dann versuchte ich mich an meinem ersten Drehbuch: "Superbad". Hat ganz schön lange gedauert, es zu realisieren. Seit acht Jahren haben wir aktiv versucht, es an ein Studio zu verkaufen.

teleschau: Waren Sie manchmal versucht aufzugeben?

Rogen: Lassen Sie sich eines gesagt sein: Es ist immer noch angenehmer, acht Stunden am Tag in seiner Unterwäsche am Schreibtisch zu sitzen und ein Drehbuch zu tippen, als irgendeinem anderen Job nachzugehen, zum Beispiel eine Stunde bei McDonald's zu arbeiten. Für mich macht es auch keinen Unterschied zu schreiben, zu schauspielern oder zu produzieren: All das gehört dazu, wenn man einen Film auf die Beine stellen will.

teleschau: Bleibt da noch Zeit für die Familienplanung?

Rogen: Da liegen meine Freundin und ich auf derselben Linie: Für Nachwuchs ist im Moment keine Zeit. Wenn ich mich zu all meinem beruflichen Stress auch noch um ein Kind kümmern müsste, würde ich mich ja strafbar machen, weil ich es sicherlich irgendwo liegenlassen würde.

teleschau: Mögen Sie sich selbst auf der Leinwand sehen?

Rogen: Ich habe kein Problem damit, weil ich mich gedanklich völlig davon freimachen kann. Ich sehe mich gar nicht selbst, sondern einen anderen Idioten, der mir ähnlich sieht.

Leif Kramp


Mit der Komödie "Beim ersten Mal" konnte Seth Rogen vor kurzem auch hierzulande einen Hit landen. Nun steht bereits sein nächster Film in den Startlöchern: "Superbad".
Mit der Komödie "Beim ersten Mal" konnte Seth Rogen vor kurzem auch hierzulande einen Hit landen. Nun steht bereits sein nächster Film in den Startlöchern: "Superbad". (2007 Universal Studios / Suzanne Hanover)

Ben (Seth Rogen) gibt sich alle Mühe, Alison (Katherine Heigl) im Kreißsaal zu unterstützen
Ben (Seth Rogen) gibt sich alle Mühe, Alison (Katherine Heigl) im Kreißsaal zu unterstützen (2007 Universal Studios / Suzanne Hanover)

In "Superbad" spielt Seth Rogen (links) einen schrägen Cop.
In "Superbad" spielt Seth Rogen (links) einen schrägen Cop. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 30.09.2007

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