(tsch) Es ist ein erbärmliches Bild, das dieser Mann zunächst abgibt. Wie eine Zirkusattraktion wird Captain Nathan Algren (Tom Cruise) vorgeführt. Früh ist klar, dass Algrens Charakter gebrochen wurde. Die amerikanischen Bürgerkriege sind es, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Es ist an der Zeit, aus diesem Wrack wieder einen echten Kerl werden zu lassen: mit anständigen Moralvorstellungen, Respekt vor sich und seinen Mitmenschen und mit einer gehörigen Portion Mut. Regisseur Edward Zwick ("Legenden der Leidenschaft") ist dies im Epos "Last Samurai" (2003), das ProSieben nun wiederholt, exzellent gelungen.
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Wohin Tom Cruise auch geht, er sorgt für Wirbel. Doch die Zeiten, in denen ihm die Fans uneingeschränkt zujubelten, scheinen vorbei. Nach all dem Medienrummel um ihn, seine Frau Katie Holmes und Tochter Suri sind die Amerikaner wahrscheinlich ganz froh, ihren Superstar eine Weile nach Deutschland ausborgen zu können. Nun dominiert er hier die Presse, denn seine Rolle als Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Brian Singers "Rubicon" ist noch immer höchst umstritten. Darf ein Scientologe einen deutschen Volkshelden darstellen, das ist die Frage, die die Gemüter erhitzt. In "Last Samurai" blieben Cruise solche Diskussionen erspart - seine Rolle war schließlich frei erfunden.
Das Historienspektakel ist im Jahre 1876 angesiedelt und beginnt mit einem neuen Engagement Algrens. Der japanische Kaiser (Shichinosuke Nakamura) muss sich des Widerstands der Samurai erwehren, die in ihrem zunehmend modernen Einflüssen unterliegenden Land um Traditionen fürchten. Angeführt werden die Aufständler von Katsumoto (Ken Watanabe), der genau das verkörpert, was sich der Westen bis heute unter einem ehrbaren Samurai-Krieger vorstellt. Er lacht nicht, er zeigt ohnehin kaum eine emotionale Regung. Er lebt nur für seine Ziele, die selbstverständlich moralisch einwandfrei sind. Bis das dem Betrachter jedoch klar wird, vergeht eine Weile.
Denn zunächst blickt Aldren an der Spitze einer Armee des Kaisers ins Auge seines Kontrahenten. Die Schlacht geht an die uralte Kriegerkaste, Aldren wird gefangen genommen und in ein entlegenes Versteck verschleppt. Dort sieht sich der ehemals desillusionierte US-Captain mit festen Prinzipien konfrontiert, die ihm mit der Zeit imponieren. Das Eintreten für eine bessere Sache hatte ihn früher selbst zu einem echten Krieger gemacht. Nun könnte ihn der Alltag bei den Samurai zurückführen auf den Pfad der Ehrbarkeit.
Die wenigen, aber langen Schlachtszenen gehören zum Eindrucksvollsten, was dieser Film zu bieten hat. Kamera und Schnitt schaffen eine außergewöhnliche Mixtur aus Ästhetik und Gewalt. Nicht im oberflächlichen Sinne, sondern mit einer glaubwürdigen Form von Realitätsnähe. Es sind diese Kriegssequenzen, die es hier braucht, um ihnen gegenüber die Ruhe und Nachdenklichkeit im Dorf der Samurai zur Wirkung kommen zu lassen. Die meiste Zeit spielt der Film eben dort, doch nur selten geschieht dann Erwähnenswertes. Dennoch: Edward Zwick zeigt den Reiz der Alltäglichkeit inmitten faszinierender Schauplätze. Bedächtig geht er mit einer dezenten Love-Story um, die sich zwischen Algren und der jungen Taka (Koyuki) entwickelt. Sie ist letzten Endes nur die offensichtliche Metapher für die Rückkehr des vergrämten Soldaten hin zum emotionalen Menschen.
Jan Treber
Captain Nathan Algren (Tom Cruise) knüpft zarte Bande zu Taka (Koyuki). (Warner)
Captain Nathan Algren (Tom Cruise) lernt die Kampfweise der Samurai kennen. (Warner)
Schon bald beginnt sich der desillusionierte Bürgerkriegsveteran Nathan Algren (Tom Cruise) für die Samurai zu interessieren. (Warner)
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