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Invasion

Invasion

(tsch) Wie Zombies tapern Menschen durch die Straßen. Es fehlt ihnen an Emotionen und Individualität. Sie sprechen ähnlich, bewegen sich gleich. Besitzen kein Verständnis für alles Fremde. Schulterzucken. Ist doch normal ... Na ja, mag sein. Aber doch nicht ganz. Nicht so wie bei "Invasion", der vierten Adaption von Jack Finneys 1955 erschienenem Science-Fiction-Roman "The Body Snatchers".

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Hier mutieren erneut Menschen zu Alien-Marionetten, nachdem ein Shuttle abgestürzt ist und sich die Wrackteile mit dem außerirdischen Virus weit übers Land verstreut haben. "Patriot Desaster" titelt das Fernsehen griffig, gierig schlachten die Medien die neue Katastrophe aus. Ganz anders als 1956 bei Don Siegels "Die Dämonischen", in dem das Grauen sich quasi durch die Küchentür einschleicht, das Werk also als Paraphrase auf die Kommunisten-Hatz der McCarthy-Ära gelesen werden kann. Oder auch bei der 1978er-Variante von Philip Kaufman, "Die Körperfresser kommen", die im Subtext davon erzählt, wie Hippies zu Yuppies werden. Ganz zu schweigen von Abel Ferraras schnörkelloser Horror-Mär "Body Snatchers", die 1993 doch recht explizit vor dem aufkeimenden Neofaschismus zu warnen versuchte.

Und was macht der Deutsche Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") bei seinem Hollywood-Debüt aus dem Stoff. Wo setzt er an, wo sieht er die Bedrohung? In der Manipulation der (Gen-)Technik, in der Globalisierung, der hemmungslosen Ausbeutung natürlicher Ressourcen? Fehlanzeige. Nicht einmal das Ozonloch trägt bei ihm Schuld. Er bleibt an der Oberfläche. Eisern. Wie seine Heldin, die Psychiaterin Carol Bennell (Nicole Kidman).

Eine Patientin klagt, dass ihr Mann nicht ihr Mann sei. Sich ganz anders als sonst verhalte. Frau Doktor schaut daraufhin skeptisch über ihre Brille und verschreibt ein neues Medikament. Keine Gesellschaftskritik, keine unterschwellige Botschaft, kein soziales Bewusstsein. Nur geradlinige, mehr oder minder spannende Hollywood-Konfektionsware. Was per se nicht schlecht ist. Auch nicht schlecht gehandhabt. "Wehr dich nicht. Tu einfach gar nichts. Wenn du aufwachst, spürst du überhaupt keinen Unterschied", sagt Tucker (Jeremy Northam), ein hoher, bereits infizierter Regierungsbeamter, zu seiner Ex-Frau Bennell. Es geht schlicht um den Kampf der Neo-Zombies gegen die Nichtinfizierten. "28 Days Later" light - wobei der tückische Virus auch hier dadurch übertragen wird, indem man sich über dem Opfer erbricht.

Nicole Kidman - nicht gerade offensichtliche Wahl als Action-Amazone -, die versucht das Leben ihres Sohnes (eindeutiger Sympathieträger: Jackson Bond) zu retten, macht trotz gläserner Erscheinung ihre Sache gut, während deren Neo-Romeo Ben Driscoll, der Neo-Bond Daniel Craig als guter Onkel Doktor, wenig Gelegenheit bekommt Virilität und Charisma auszuspielen.

Wie Hirschbiegel überhaupt auf cooles Understatement setzt, auf eisige, geradezu regungslose Beklemmung. Die von Kameramann Rainer Klausmann in kalten Blautönen gehaltene Welt verfällt bei ihm in Zeitlupe, ohne sichtbares Chaos. Gleichschaltung als Heilsbringung. Ruhe statt Spektakel. Ein schrecklicher Gedanke. Wohl auch für den Produzenten Joel Silver, der nach schlechten Preview-Ergebnissen die (ungenannten) Wachowski-Brüder ("Matrix") und deren Second-Unit-Regisseur James McTeigue verpflichtete, das Finale "aufzupeppen". Wodurch die Arbeit überaus uneinheitlich ausfällt und der sorgfältig aufgebaute Spannungsbogen plötzlich zugunsten von Tempo und Thrill in sich zusammenbricht. Und dann ist auf einmal alles wieder gut. Dr. Driscoll schlürft seinen Morgenkaffee und kommentiert kopfschüttelnd die Zeitungsnachrichten.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Warner, USA 2007, R: Oliver Hirschbiegel, D: Daniel Craig, Nicole Kidman, Jackson Bond u.a.

Laufzeit: 99 Min.

Kinostart:
18.10.07


Carol Bennell (Nicole Kidman) und ihr Sohn Oliver (Jackson Bond) sind auf der Flucht.
Carol Bennell (Nicole Kidman) und ihr Sohn Oliver (Jackson Bond) sind auf der Flucht. (2006 Warner Bros. Ent.)

Ben Driscoll (Daniel Craig) und Carol Bennell (Nicole Kidman) spüren, dass sich seit der Explosion des Spaceshuttles die Gesellschaft verändert.
Ben Driscoll (Daniel Craig) und Carol Bennell (Nicole Kidman) spüren, dass sich seit der Explosion des Spaceshuttles die Gesellschaft verändert. (2006 Warner Bros. Ent.)

Carol Bennell (Nicole Kidman) kämpft gegen die Müdigkeit.
Carol Bennell (Nicole Kidman) kämpft gegen die Müdigkeit. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 14.10.2007

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Diskussion: "Invasion"

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