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Trade - Willkommen in Amerika

(tsch) Um den deutschen, genauer gesagt den bayerischen Filmemachernachwuchs steht's nicht schlecht. Siehe Marcus H. Rosenmüller ("Beste Zeit"), Hans Steinbichler ("Winterreise") und natürlich Marco Kreuzpaintner, der mit seiner einfühlsamen Coming-of-Age-Studie "Sommersturm" 2004 internationales Aufsehen erregte - und die wohl auch Roland Emmerich gut gefiel. Der, längst in Hollywood zu Hause, firmiert nämlich beim US-Debüt des 1977 geborenen Rosenheimers als Produzent und warf sich bei der aufwendigen PR-Tournee für "Trade - Willkommen in Amerika" mächtig ins Zeug. So ist jetzt der seltene Fall eingetreten, dass diese Woche gleich zwei amerikanische Erstlinge deutscher Hoffnungsträger - der zweite ist Oliver Hirschbiegels "Invasion" - in den heimischen Kinos anlaufen.

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Dem hektischen, modernen Cinema-verité-Stil von "Traffic" oder auch "Babel" verpflichtet geht's los. Rau, kantig, schmutzig-gelblich fallen die nervösen Bilder Daniel Gottschalks aus. Die 13-jährige Adriana (Paulina Gaitan) wird im Gewühl Mexiko Citys entführt. Gleichzeitig fällt eine junge polnische Mutter - glaubwürdig: Alicja Bachleda aus "Sommersturm"-, von einer angeblichen Au-Pair-Agentur ins Land gelockt, den Kidnappern in die Hände. Beide werden unter Drogen gesetzt, eine vergewaltigt - und dann beginnt die Odyssee. In einem Lieferwagen führt der Weg in die USA, die Hoffnung auf Rettung schwindet von Minute zu Minute ...

Wie eine journalistische Reportage beginnt dieser schwer verdauliche Thriller, der vorführt, wie Sex-Handel abläuft, wie die russische Mafia mit mexikanischen Banditen co-operiert, wie hilflos, wie gleichgültig die Polizei dieser Art Verbrechen gegenübersteht. In den Staaten angekommen, folgt der wahre Schock: Das überlebende Mädchen landet in einem Einfamilienhaus in New Jersey, weiße Gardinen, kleiner Vorgarten. Hier wird nun ihre Jungfräulichkeit versteigert, via Internet an den höchsten Bieter.

Prostitution als gesellschaftliches Faktum zu "akzeptieren", ist eine Sache. Wenn die aber beim netten Nachbarn unter Zwang stattfindet, dann ändern sich Blick und Haltung. "Trade", zu Deutsch Handel, basiert auf einem Artikel des "New York Times Magazine" und chronologisiert modernen Sklavenhandel. Kalt, unkommentiert, erschreckend und ohne den Blick abzuwenden. Dazu gesellt sich der Hollywood-Plot, den José Rivera ("Die Reise des jungen Che") und Drehbuch-Debütant Peter Landesman zu Papier gebracht haben: die Story von Adrianas Teenager-Bruder Jorge (Cesar Ramos), der Sextouristen ausnimmt, und sich im gestohlenen Wagen aufmacht, seine Schwester zu finden.

Hilfe findet er einzig beim desillusionierten texanischen Cop Ray (Kevin Kline), der seit Jahren nach der vermissten Tochter sucht. Kline, der seinen Part lakonisch und schwermütig anlegt, als "Star" wohl das Drama tragen soll, sieht man gerne zu. Er überspielt gekonnt die Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte und hilft, deren laues Ende zu akzeptieren. Als Spielfilm hakt es bei Kreuzpaintners ehrenvoller Arbeit streckenweise, als aufrüttelndes, sorgfältig recherchiertes Pamphlet gegen die globalisierte Sex-Industrie funktioniert sie jedoch vorzüglich.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Fox, D / USA 2007, R: Marco Kreuzpaintner, D: Kevin Kline, Cesar Ramos, Alicja Bachleda u.a.

Laufzeit: 105 Min.

Kinostart:
18.10.07


Die verschleppten Mädchen Adriana (Paulina Gaitan, links) und Veronica (Alicja Bachleda) versuchen, sich gemeinsam Mut zu machen.
Die verschleppten Mädchen Adriana (Paulina Gaitan, links) und Veronica (Alicja Bachleda) versuchen, sich gemeinsam Mut zu machen. (2006 Twentieth Century Fox)

Jorge (Cesar Ramos) sucht verzweifelt nach seiner Schwester Adriana.
Jorge (Cesar Ramos) sucht verzweifelt nach seiner Schwester Adriana. (2006 Twentieth Century Fox)

Nach und nach kommt Ray Sheridan (Kevin Kline) den Machenschaften der Menschenhändler auf die Spur.
Nach und nach kommt Ray Sheridan (Kevin Kline) den Machenschaften der Menschenhändler auf die Spur. (2006 Twentieth Century Fox)

Datum: 16.10.2007

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Diskussion: "Trade"

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