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Radiohead - In Rainbows

Radiohead In Rainbows

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Die Gerüchteküche brodelte ja bis zuletzt. Ausgerechnet einen Deal mit der Kaffeerösterei Starbucks beziehungsweise deren Musikableger Hear Music hatten Insider als Option für das neue Radiohead-Album gesehen - Recht hatten sie mit einem Teilaspekt: Thom Yorke und seine Band haben offenbar überhaupt keine Lust mehr, an den klassischen Mechanismen der Musikindustrie teilzuhaben. Doch anstatt mit fachfremden Anbietern zu kooperieren, gehen sie den radikalen Weg: Ihr neues Studioalbum "In Rainbows" ist ausschließlich als Download über die bandeigene Seite erhältlich, erst im Dezember soll es ein physisches Produkt geben - aus schwarzem Vinyl, in einer Sammlerbox für 60 Euro.

Was wie eine etwas spleenige Idee klingt, ist für die Major-Labels ein Sargnagel - weil es unweigerlich Nachahmer geben wird. Das Problem ist dabei weniger der digitale Vertriebswert, der in fünf bis zehn Jahren ohnehin die gängigen Kreisläufe mit der Zwischenstation Plattenhandel obsolet machen wird, das Problem ist dasselbe wie vor einem halben Jahr bei Prince, der ein Studioalbum einfach in Millionenauflage der Sonntagszeitung beilegte: Künstler, die es sich leisten können, werden in Zukunft vermehrt ohne kommerzielle Zwänge agieren. Für den Kauf einer Platte finden sich immer weniger Argumente, umgekehrt gilt natürlich: Auch das mit dem Verkauf sein zu lassen, die Kunst also einfach als ein frei verfügbares Angebot in den öffentlichen Raum Internet zu stellen, ist eine wahnsinnig reizvolle Idee.

Doch "In Rainbows" sollte nicht darunter leiden, dass nur der theoretische Überbau durchdekliniert wird - denn die latent trippige und sehr produzierte Dynamik des Vorgängers "Hail To The Thief" (2003) wird hier nur selten wiederholt, auch die große Geste von "OK Computer" findet man nicht. Stattdessen setzen Yorke und seine Mannen auf ein Konstrukt, das auf der einen Seite viel von dessen Soloplatte "The Eraser" hat, sich aber auch an verblüffend traditionalistischen Pop-Versatzstücken bedient, die - wie etwa in "Jiggsaw Falling Into Places" oder "Reckoner" - wie eine 2.0-Variante der Songs von "The Bends" klingen und durch allerhand Effekte, durch Verdunkelung und Strukturverschiebung verfremdet werden.

2.0 deshalb, weil die griffige Fläche der Frühzeit angeraut wurde, weil der Zwang zum Hit, der im selbstverwalteten Popland Radiohead naturgemäß verschwunden ist, Platz gemacht hat für einen spielerischeren Umgang mit Harmonien. Am überzeugendsten: "Weird Fishes / Arpeggi", inhaltlich sehr assoziativer Postrock mit hübschem Kirchenchor-Crescendo in der Stimme, und der Schlusstrack "Videotape", in dem es nicht viel mehr braucht als Klavier, Stimme und ein pointiert eingesetztes Schlagzeug, um aus einem sakralen Popsong ein unter die Haut gehendes Düsterstück zu machen.

Jochen Overbeck


Datum: 16.10.2007

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Diskussion: "Radiohead - In Rainbows"

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