Nur nicht auffallen: Während der Hitzewelle im Sommer 1977 herrscht in New York eine Massenhysterie, und die Suche nach dem berüchtigten Killer "Son of Sam" wird zur Hexenjagd auf Freunde, Nachbarn und Bekannte. Auch in dem italo-amerikanischen Nachbarschaftskosmos der beiden ungleichen Freunde Vinny (John Leguizamo) und Ritchie (Adrien Brody) nimmt die Paranoia zu. Und plötzlich findet sich einer der beiden ganz oben auf der Verdächtigenliste wieder.
Der legendäre Fall des verrückten Liebespaar-Mörders David Berkowitz diente Spike Lee ("Malcolm X") als Hintergrund für "Summer of Sam" (1999), ein packendes und zugleich irritierendes Porträt einer Stadt, das nun auf DVD erscheint.
Der Film spielt in dem New York, vor dem die Reiseführer immer gewarnt haben: heiß, dreckig und gefährlich. Atmosphäre soll geschaffen werden, darum geht es. Fast dokumentarisch rekonstruiert Spike Lee an prägenden Ereignissen die Zeit. Eine wichtige Koordinate für die Story ist der aus England importierte Punkrock, der mit dem Disco-Fieber kollidiert: Während Vinny sich vor dem Studio 54 die Beine in den Bauch steht, revolutioniert Ritchie als Punker im CBGB's die Musik.
"Summer of Sam" funktioniert wie ein Episodenfilm, in dem viele Charaktere eingeführt werden. Erzählt wird aus der Sicht des notorisch fremdgehenden Friseurs Vinny. Er liebt seine Frau Dionna (Mira Sorvino), und dennoch kann er ihr nicht treu sein. Ähnlich seltsam ist sein Verhältnis zu Ritchie, seinem besten Freund aus Kindertagen, der nun als Punkrocker unkonventionelle Wege geht.
Kleiner Gag am Rande: In der Originalversion näselt sich Adrian Brody mit britischem Akzent durch die Bronx und unterstreicht so nicht nur mit seinem Aussehen seine Andersartigkeit von den Speed konsumierenden Machotypen, die sich bezeichnenderweise immer am "Dead End" ihrer Straße treffen. In der Atmosphäre von Angst angesichts des unbegreiflich grausamen Killers soll nun Vinny seinen Freund Ritchie als Sündenbock ans Messer liefern.
Gekonnt zieht Spike Lee immer wieder Parallelen zwischen dem krankhaften Verhalten des Killers und dem kaum weniger problematischen Leben und Umgang der Hauptfiguren miteinander. Sex, Frustration und Gewalt beherrschen den in einigen Szenen extrem brutalen Film.
Der Tenor ist klar: Der Wahnsinn breitet sich nicht nur im Kopf des Killers, sondern in der ganzen Stadt aus. Spike Lee findet dafür fiebrige Bilder, die sehr klar und mit satten Farben wiedergegeben werden. Allerdings wurde beim Sound weniger Sorgfalt verwandt. Der Ton ist schwammig, nicht einmal der deutsche 5.1-Mix überzeugt. Von Räumlichkeit fehlt jede Spur, aber auch Dialoge und Musik kommen nur als schwer verständlicher Brei aus den Boxen.
Vera Seeberg
bewertungsbox
bildformat
1,78:1 (anamorph)
sprachen
Deutsch (5.1), Englisch (2.0)
untertitel
Keine
extras
Keine
laufzeit
136 Min.
tonsystem
Dolby Digital
regionalcode
Regionalcode 2
preis
ca. 15 Euro
bewertung bild
gut
bewertung ton
ausreichend
bewertung extras
ungenügend
Credits: (USA 1999, R: Spike Lee, D: Mira Sorvino, Adrien Brody, John Leguizamo u.a.)
Fiebriger Trip in den Wahnsinn: Spike Lees "Summer of Sam" erscheint erstmals auf DVD. (Warner)