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Luis Buñuel: Mexico (DVD-Box)

Kritik, Sarkasmus und ein wenig Humor

(tsch) Luis Buñuel hat mit seinem Leben vor allem eins gemacht: es genossen. Der Aragonier aus Saragossa, einer der Väter des filmischen Surrealismus, liebte kräftige Cocktails, guten Tabak, intensive Träume und schöne Frauen. Stoffe, aus denen Filme wurden, unvergessliche Meisterwerke wie sein Erstling "Ein andalusischer Hund" (1928, mit Salvador Dali) und der Oscar-Gewinner "Der diskrete Charme der Bourgeoisie". Buñuels Filme umwehte dabei immer der verwegene Wind des Skandals. Auch "Die Vergessenen" (1950), einer der fünf Filme in der nun erhältlichen DVD-Box "Luis Buñuel: Mexico", wurde zunächst wenig geliebt. Aber das harte Stück Sozialkino ebnete in letzter Konsequenz den Weg zum internationalen Ruhm Luis Buñuels.

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Nach Mexiko war der Spanier Luis Buñuel gegangen, weil General Franco sein Heimatland unter seine faschistische Fuchtel gebracht hatte. Dort hatte es der Kinosurrealist zunächst nicht leicht - weil er es sich nicht leicht machte und Lateinamerika überhaupt keinen Reiz auf ihn ausübte. Doch dann begann er sich mit dem Land anzufreunden, drehte dort zwischen 1946 und 1964 gut 20 Filme. Fünf davon hat der umtriebige Verleih Pierrot LeFou nun in einer liebevoll produzierten DVD-Box veröffentlicht: "Die Vergessenen" (1950), "Susanna - Tochter des Lasters" (1951), "Er" (1952), "Abgründe der Leidenschaft" (1953) und "Das verbrecherische Leben des Archibaldo De La Cruz" (1955).

Nicht alle sind Meisterwerke - vor allem an Buñuels Gesamtwerk und seinen eigenen Ansprüchen gemessen. Aber es sind Filme, die einen guten Überblick über die Vielfalt des Regisseurs geben. Er selbst sagte in seiner Autobiografie "Mein letzter Seufzer" (Alexander Verlag Berlin): "Ich musste von meiner Arbeit leben und eine Familie ernähren; so habe ich Filme von sehr unterschiedlicher Qualität gedreht. Es kam vor, dass ich Sujets akzeptierte, die ich mir nicht selbst ausgesucht hatte, und dass ich mit Schauspielern arbeitete, die für ihre Rollen nicht unbedingt geeignet waren."

"Die Vergessenen" gehört definitiv nicht dazu. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, die von Buñuels in den Slums von Mexiko City penibel recherchiert wurden. Beklemmend und bitter zeigt das Sozialdrama die Ausweg- und Chancenlosigkeit der Jugendlichen in den Ghettos. Pedro, ein herzensguter Bursche, beobachtet eines Tages, wie Jaibo, ein skrupelloser Bandenchef, einen anderen Jugendlichen hinterrücks ermordet. Die Beiden werden zu Schicksalsgenossen, und Pedro, der sich eigentlich nur nach Liebe und Zuneigung sehnt, gerät immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Kriminalität. Der Film stieß bei der Premiere auf breite Ablehnung, wurde aber in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet und gilt heute als erstes bedeutendes Werk in Buñuels mexikanischer Schaffensperiode.

Neben seiner Eigenschaft als Begründer des surrealistischen Kinos kann man Luis Buñuel auch mit Fug und Recht als Vetter der Marx Brothers und Patenonkel der britischen Komikertruppe Monty Python bezeichnen. Er galt nicht nur als unbestechlicher Kritiker überkommener Moralvorstellungen, sondern zugleich auch als Spaßvogel auf dem Regiestuhl, wie "Das verbrecherische Leben des Archibaldo De La Cruz" (1955) zeigt.

Der Titelheld wäre gern ein Frauenmörder, und tatsächlich sterben die Frauen in seiner Umgebung gerne mal. Das passiert allerdings ohne Archibaldos Zutun und hängt irgendwie mit einer magischen Spieluhr zusammen. Buñuel macht aus diesem skurrilen Plot-Gerüst einen Film, der im weitesten Sinne als Thriller bezeichnet werden könnte. Allerdings rechtfertigen raffinierte Anspielungen, sexuelle Andeutungen und mit einem Augenzwinkern eingestreute psychoanalytische Weisheiten auch die Bezeichnung Satire. Brüllend komisch ist der Film allemal.

Die weiteren Filme sind zwei Melodramen und der Psychothriller "Er", in dem Buñuel einen Paranoiker porträtiert. Die Auswahl ermöglicht einen guten Überblick über die Vielfalt seiner Arbeit. Zusätzlich machen die liebevolle Aufmachung sowie das sorgsam zusammengestellte Bonusmaterial (eine ausgezeichnete Doku, ein Kurzfilm und ein Kapitel aus Buñuels Autobiografie) die Box zu einem echten Highlight im DVD-Regal.

Andreas Fischer


Die Box "Mexico" enthält fünf Filme des spanischen Ausnahmeregisseurs Luis Buñuel.
Die Box "Mexico" enthält fünf Filme des spanischen Ausnahmeregisseurs Luis Buñuel. (Pierrot Le Fou)

Datum: 21.10.2007

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