(tsch) Wie jedes Jahr werden in vielen Haushalten zu dieser Zeit die staubigen Umhänge vom Dachboden geholt, die vergilbten Plastikzähne weiß poliert und womöglich ein wenig angespitzt. Und - natürlich - treiben auch im Fernsehprogramm untote Blutsauger ihr Unwesen. Welch passenderen Anlass könnte es dafür geben, als Halloween - die Nacht zum 1. November? Neben "John Carpenters Vampiren" (vox) und "Wes Cravens Dracula" (ProSieben) bietet ARTE diesmal aber etwas Neues, und zwar einen nüchternen, wissenschaftlichen Blick auf das Phänomen "Vampir". Was steckt hinter dem Glauben an das Monster mit dem ungestillten Blutdurst? Das wollen zwei Dokumentationen aus Frankreich herausfinden, die der Kultursender im Rahmen des Themenabends "Die Untoten - Dracula Forever" in Erstausstrahlung zeigt.
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Die Ratio darf um 20.45 Uhr zunächst noch außen vor bleiben. Weniger schaurig, dafür aber kultig, startet ARTE die Nacht der Blutsauger mit dem Horrorklassiker "Blut für Dracula". Der britische Spielfilm aus dem Jahr 1966 ist eine der gelungensten Dracula-Inszenierungen. Darin schickt Regisseur Terence Fisher, ein passionierter Horrorfilmer, der auch Genregrößen wie Dario Argento maßgeblich beeinflusste, vier neugierige englische Touristen in die Karpaten. Verbotenerweise betreten sie das Schloss des lange verstorbenen Fürsten Dracula (Christopher Lee in seiner Paraderolle). Und es kommt, wie es kommen musste: Einer der Touristen stirbt und haucht damit dem Vampir neues Leben ein.
Kein Mann im schwarzen Umhang, sondern eine durchaus weltliche Frau treibt ihr Unwesen in der anschließenden Dokumentation. Um 22.15 Uhr geht die "Vampirprinzessin" Eleonore von Schwarzenberg beim Kultursender um. Archäologen, Kulturhistoriker und Gerichtsmediziner wurden durch einen kürzlich gemachten, grausigen Fund auf die Geschichte der sagenumwobenen Fürstin aufmerksam. In der böhmischen Stadt Krumau wurden drei Skelette aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgegraben, die Merkmale einer Vampirbestattung aufweisen. Zur selben Zeit regierte Eleonore von Schwarzenberg von Krumau aus über die böhmischen Kronländer. Bei seinen Recherchen auf ihrem Schloss Cesky Krumlov fand der Medienwissenschaftler und Vampir-Spezialist Rainer Köppl einige seltsame Aufzeichnungen über die Fürstin. Nüchtern erklärt der Film den Aberglauben mit heutigen medizinischen Erkenntnissen. Doch manches Rätsel können auch sie nicht lösen.
Eine Aura des Geheimnisvollen wird auch diesen Mann auf ewig umgeben, der Anfang des 20. Jahrhunderts von Ungarn nach Amerika auswanderte. Mit raren Englischkenntnissen, aber einem Charisma, dem sich niemand entziehen konnte, eroberte Bela Lugosi 1927 den Broadway und schließlich Hollywood. Regisseure, Biografen, Lugosis letzte Ehefrau und sein Sohn erzählen Erstaunliches aus dem bewegten Leben des Schauspielers, vom Drogenkonsum und seiner Beschattung durch das FBI. Und obwohl die Interviews, Film- und Archivaufnahmen ein sehr klares Bild Lugosis zu zeichnen scheinen, bleibt doch vieles aus seiner Vergangenheit, vor allem seine Herkunft, im Dunkeln.
Nina Fischer
Christopher Lee bleckt in "Blut für Dracula" wieder einmal die Zähne. (ARTE)
Vor dem Unheil (von links): Charles (Francis Matthews), Diana (Susan Farmer), Helen (Barbara Shelley) und Alan (Charles Tingwell) betreten verbotenerweise Draculas Schloss. (ARTE)
Er war Dracula. Bela Lugosi erschuf als Erster auf der Bühne die Figur des Vampirs. (ARTE)
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