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Juanes
Der Romantiker und die PolitikSänger Juanes (tsch) Ein Arbeitstag von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr, vollgestopft mit unzähligen Interviews - Juanes ist spätestens seit seinem Hit "La Camisa Negra" in Europa gefragt wie kein Zweiter. Für ihn scheint die Nachfrage keine Belastung zu sein, selbst spät in der Nacht beim Interview ist er äußerst charmant, wach und gut gelaunt. Eben das, was man als Europäer am Latin-Lover schätzt. Doch durch seine Ernsthaftigkeit und nicht zuletzt durch seine vielen Auszeichnungen (zwölf Latin-Grammys, vier MTV-Music-Awards und viele Awards mehr) wird klar, dass der Kolumbianer ein Künstler ist, der wirklich etwas drauf hat. Sein aktuelles Album "La Vida ... Es Un Ratico" und die Single "Me Enamora" werden ihn weiter in den Olymp der Superstars und die Herzen seiner Fans befördern. Anzeige
teleschau: Auf Deinem aktuellen Album gibt es ein Duett mit Campino. Wie kam denn das zustande? Juanes: In den letzten fünf Jahren war ich sehr häufig in Deutschland. Und als ich eines Abends im Hotelzimmer Fernsehen schaute, lief ein Konzert von den Toten Hosen, und die Jungs haben mich echt beeindruckt. Auf einer Veranstaltung lernte ich dann Campino kennen, und ich schickte ihm den Song zu. Der erste Termin klappte leider nicht, der zweite Versuch ergab dann "Bandera de Manos". Und wer denkt, dass wir uns danach durch die Pariser Clubszene gesoffen haben, irrt. Wir waren ganz gediegen Essen und sind dann husch ins Körbchen! teleschau: Was ist das Thema des Songs? Juanes: Bei dem Song geht es nicht um Rock'n'Roll, sondern er ist eine Kritik an den Regierungen dieser Welt, die meist tatenlos zusehen, wenn sich das Volk untereinander umbringt. Rassenunruhen, Bürgerkriege - da muss etwas geschehen! Auch der zweite sozialkritische Song auf dem Album ist ein Duett: mit Andras Calamaro, er ist so etwas wie der argentinische Campino. Hier schließt sich wieder der Kreis! teleschau: "La Vida ... Es Un Ratico" handelt von den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Welche sind das konkret für Dich? Juanes: Das Wichtigste ist das Lernen über die Liebe, wie Beziehungen funktionieren. Dieses Album entstand, als ich mich von meiner Frau trennte und mich wieder versöhnte, es war die härteste Zeit meines Lebens. Der Titel entstammt einem Gespräch mit meiner 78-jährigen Mutter, die zu mir sagte: "Alles im Leben kann man wieder hinkriegen. Das Einzige, was endgültig ist, ist der Tod! Also genieß dein Leben, denn es ist so kurz wie ein Augenblick!" teleschau: War der Beweggrund für die Versöhnung der, Deinen Töchtern wieder ein Familienleben zu geben? Juanes: Sicher ist man nun für vier Personen verantwortlich, aber ich denke, es wäre schlimm, wenn man sich nur aufgrund der Kinder wieder versöhnt. Es geht darum, mit dem Partner glücklich zu sein, dann ist es auch gut für die Kinder. Als ich zu meiner Frau zurückkehrte, tat ich das, weil ich wirklich, wirklich wieder mit ihr zusammen sein wollte. Es war die richtige Entscheidung, denn jetzt ist alles wieder gut zwischen uns. Ehrlich, das war die schwierigste Zeit meines Lebens, das will ich nicht noch einmal erleben. teleschau: Die deutsche Übersetzung der aktuellen Single "Me Enamora" zeigt, dass Du einen Hang zu etwas kitschigen Texten hast. Sind das auch die Worte, die Du Deiner Frau ins Ohr säuselst? Juanes: So wie ich schreibe, so denke ich. Ich rede anders, aber es ist mit Sicherheit das, was ich denke. In meinen Texten findet man meine Seele. Beim Schreiben des Albums empfand ich viel Schmerzen, und so kam ich durch den Dschungel dieser ganz großen Gefühle. teleschau: Du bist ein sehr attraktiver Mann, der viel alleine unterwegs ist und der gewiss das eine oder andere Angebot von hübschen Frauen bekommt. Wie bleibt man da standhaft? Juanes: Naja, genau das ist ja das Problem. Deshalb wäre es beinahe zur Scheidung gekommen! Es ist sehr schwer, zu widerstehen, aber ich liebe meine Frau und arbeite an diesem Problem. Ich habe mich für sie entschieden. Manchmal ist es nicht leicht, aber ich schaffe das! Außerdem sind meine Töchter jetzt zwei und vier Jahre alt, es ist nun einfacher, auch sie mit auf Tournee zu nehmen. 2008 werde ich fast das gesamte Jahr unterwegs sein, und ich werde meine Familie so oft es geht dabei haben. Sonst würde ich sie ja gar nicht mehr sehen! teleschau: Was ist für Dich das Schönste daran, auf Tournee zu sein? Juanes: Die Möglichkeit, die Fans zu sehen, die meine Musik kaufen und hören. Es ist wunderbar, den Liedern Leben einzuhauchen. Und ich genieße es, durch die Welt zu reisen. Ich bin immer bemüht, etwas von den Städten zu sehen, in denen ich spiele. Wir gehen in Museen oder machen Stadtrundfahrten - das klappt ganz gut! teleschau: Du hast schon viele Auszeichnungen bekommen - ist Dein Haus nicht proppenvoll mit Grammys? Juanes: Nein, das ist vielleicht ein wenig seltsam, aber in meinem Haus in Medellin ist nichts zu finden, was mit meiner Arbeit zu tun hat - außer dem Studio, in dem ich den größten Teil des Albums aufnahm. Alle Awards stehen im Management-Büro in Miami. Ich weiß auch nicht warum, aber in meinem Haus bleibt alles sehr persönlich und familiär. Ein paar schöne Fangeschenke - mehr nicht! teleschau: In Deinem Heimatland Kolumbien kennt Dich jeder ... Juanes: Das ist vollkommen unproblematisch. Da passiert nicht wirklich was. Die Leute sind lässig, sehr liebevoll - lassen mich aber einfach in Ruhe. Ich schätze das sehr. teleschau: Und das Volk schätzt Dich: Du setzt Dich für ein Landminen-Verbot in Kolumbien ein. Juanes: Ich möchte meine Popularität für einen guten Zweck benutzen. Kolumbien ist das Land mit der weltweit größten Landminen-Dichte. Die Drogen-Mafia schützt so ihre Coca-Pflanzen-Felder. Ein Ausflug in die Berge ist bei uns lebensgefährlich, überall liegen diese Dinger herum, die einen kurzerhand in die Luft jagen. In den letzten 30 Jahren ist der Drogenhandel in Kolumbien extrem angestiegen. Die Mafia kontrolliert alles, es ist eine sehr schwierige Situation. teleschau: Ist es nicht gefährlich für Dich, Dich gegen dieses Kartell aufzulehnen? Juanes: Das weiß ich nicht genau, aber ich könnte nicht damit leben, nichts gegen diese grausamen Zustände zu unternehmen. Es klebt so viel Blut und Leid an diesen Drogen - wenn niemand etwas unternimmt, wird sich das nie ändern! Und ich möchte eben versuchen, es zu ändern! Nina Becker |
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