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Fette Welt

Fette Welt

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Wenn einer die Gesellschaft so verachtet, dass er nicht einmal mehr dagegen rebelliert, wenn ihm ein Leben, das als höchstes Glück einen ordentlichen Alltag mit geregeltem Einkommen zu bieten hat, Brechreiz bereitet, bleibt ihm nur der Ausstieg. Alkohol lässt ihn dann vergessen, dass da noch Wünsche und Sehnsüchte tief in seinem Innern schlummern könnten. Er sitzt an Straßenecken, Plätzen oder in Kaufpassagen, und die, die an ihm vorbeieilen, nennen ihn einen "Penner". Der jetzt erstmals auf DVD erhältliche Film "Fette Welt" (1998) von Regisseur Jan Schütte erzählt von einem solchen Menschen und seinem Leben auf der Straße.

Was zunächst wie ein Problemfilm aussieht, entpuppt sich bald als Liebesgeschichte vor einem untypischen Hintergrund. Der Bahnhof, ein Rohbau, die Brücke - hier kommen sich der Penner Hagen Trinker (Jürgen Vogel) und die Ausreißerin Judith (Julia Filimonow) näher. Der junge Mann gibt sich kratzbürstig und lässt keinen Zweifel daran, dass er nichts mehr vom Leben erwartet. Doch die 15-Jährige sieht mehr in ihm und will ihn lieben. Schließlich verliert auch Hagen sein Herz.

Romantische Liebe ist die einzige Sentimentalität, die sich der Film erlaubt. Hagens Welt, die im Untergeschoss des Münchner Stachus' beginnt, wird von Menschen ohne Ziel und Illusion bevölkert. Nie versucht "Fette Welt", das Schicksal seiner gestrandeten Figuren mit halbherzigen Erklärungen zu rechtfertigen. Sie sind vom Alkohol gezeichnet, versuchen zu überleben und dabei ihrem Elend noch ein paar Glücksmomente abzutrotzen.

Regisseur Jan Schütte verzichtet ganz auf erklärende Rückblenden und erzählt nur aus der Gegenwart. Nur ab und zu blitzt ein Stück Vergangenheit durch. Als Hagen wegen einer Schlägerei im Polizeirevier landet, fragt ihn der Kommissar, Freund seiner Familie: "Warum wird der eine Penner und der andere Polizist?" Und Hagen antwortet: "Mein Vater war beides. Aber man muss sich entscheiden."

Glaubwürdig zeigt Jan Schüttes Film das Leben auf der Straße - "Fette Welt" beruht auf der gleichnamigen Romanvorlage des jungen Schriftstellers Helmut Krausser, der seine eigenen Erfahrungen als Berber verarbeitete. Er lebte ein Jahr lang ohne festen Wohnsitz.

Die Dreharbeiten fanden an Originalschauplätzen statt, und in den Nebenrollen wurden Leute aus dem Milieu besetzt. Damit schlug Jan Schütte vor zehn Jahren ungewohnte Töne im "neuen" deutschen Film an. "Fette Welt" zeigt, dass es in einer Gesellschaft mehrere Wirklichkeiten gibt.

Das Bild der DVD überzeugt weitgehend und ist relativ kontrastreich und scharf. Beim Ton müssen einige Abstriche in Kauf genommen werden. Der Sound ist etwas blass, ihm fehlt die räumliche Dynamik. Extras gibt es nicht.

Vera Seeberg

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (Letterbox)
sprachen Deutsch (2.0)
untertitel Keine
extras Keine
laufzeit 90 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 12 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras keine Wertung

Credits:
(D 1998, R: Jan Schütte, D: Jürgen Vogel, Julia Filimonow, Stefan Dietrich u.a.)


"Fette Welt" ist eine äußerst gelungene Schilderung des Obdachlosenmilieus.
"Fette Welt" ist eine äußerst gelungene Schilderung des Obdachlosenmilieus. (Senator)

Datum: 26.10.2007

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Diskussion: "Fette Welt"

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Artikel ID 192013

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