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MO: Die große Stille

Die große Stille

(tsch) Schon im Vorfeld der Welturaufführung des Dokumentarfilms "Die große Stille" (2005) beim Filmfestival in Venedig 2005 wurde von einem "radikalen Kinoereignis" gesprochen. Dokumentarfilmer Philip Gröning durfte als erster Filmemacher hinter den Mauern des französischen Klosters "Grande Chartreuse", Mutterkloster des Schweigeordens der Karthäuser, drehen. Sechs Monate lang lebte der Regisseur mit den Mönchen zusammen, passte sich ihrem Tagesablauf an, erlebte die Einsamkeit und die Gemeinschaft und hielt alles mit der Kamera fest. Zweieinhalb Stunden lang Gebete, der Wechsel der Jahreszeiten und Stille - den außergewöhnlichen Film, eine Free-TV-Premiere bei ARTE, der im Dezember 2006 in Warschau mit dem Europäischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, wollten beachtliche 180.000 Zuschauer im deutschen Kino sehen.

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Ihr Gelübde brachen die Bewohner des Klosters nicht. So entstand eine 162 Minuten lange filmische Meditiation über den Alltag eines Gott gewidmeten Lebens, ohne Kommentar, Musik und Interviews. Die Reaktionen der weltlichen Zuschauer war gespalten. Einige Kritiker verließen während der Vorführung den Saal, viele ließen sich von der sichtbaren Stille begeistern. Der Film sei selbst ein Kloster, sagt Gröning über sein Werk, das sich filmisch mit der ungewöhnlichen Herausforderung auseinandersetzen musste, wie man Beten filmen kann. Grönings Antwort: Indem man Mönche bei dieser Tätigkeit zeigt. In langen Nahaufnahmen, immer wieder. Es stellt sich auch beim Betrachter eine große Ruhe ein.

Ob man eintreten will, kann ja jeder selbst entscheiden. Wer bereit ist, den Rhythmus des Lebens zu verlangsamen und die Poesie des Wesentlichen zu entdecken, für den kann "Die große Stille" eine wunderbare Reise zu sich selbst sein. Eine Reise, auf der die Stille hörbar wird, auf der die Sinne geschärft werden, der Blick für das Essenzielle frei. "Die große Stille" ist vor allem eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst zu entdecken. Offenbar ist dies nicht ohne Reiz: Seit dem Kinostart im November 2005 haben mehr als eine Million Menschen den Film in Europa im Kino gesehen.

Frank Rauscher


Die Grande Chartreuse ist das Mutterkloster des Karthäuserordens.
Die Grande Chartreuse ist das Mutterkloster des Karthäuserordens. (X Verleih AG / Philip Gröning)

Regisseur Philip Gröning hat über fünf Monate im Kloster der Grande Chartreuse gelebt.
Regisseur Philip Gröning hat über fünf Monate im Kloster der Grande Chartreuse gelebt. (X Verleih AG / Philip Gröning)

Einmal in der Woche treffen sich die Karthäusermönche zum gemeinsamen Spaziergang.
Einmal in der Woche treffen sich die Karthäusermönche zum gemeinsamen Spaziergang. (X Verleih AG / Philip Gröning)

Datum: 29.10.2007

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Artikel ID 191142

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