Irgendwie ist das schon verrückt: Da sieht man gefühlte fünf Jahre lang, wie Britney Spears ihre Schmutzwäsche wäscht, im Brunnen auf dem Stadtplatz. Sie steht da im Scheinwerferlicht und lässt keine Peinlichkeit der Welt aus. Blitzhochzeit, Blitzannulierung. Die Sache mit den Haaren. Mal ohne Höschen unterwegs, folgerichtig mit Paris Hilton befreundet. Hässlicher Krieg ums Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder mit Kevin Federline. Der Desaster-Auftritt bei den MTV Music Video Awards. Dann neulich die Sache mit der Fahrerflucht. Und jetzt veröffentlicht sie plötzlich eine Platte. Ganz so, als ob nichts gewesen wäre. Wie eine, deren Job das ist. Tatsache ist natürlich: Am Produkt "Blackout" hat Britney Spears vermutlich nur am Rande mitgewirkt. Deshalb wird es sie auch kaum zurück in eine für sie akzeptable Laufbahn in der öffentlichen Wahrnehmung zurückschießen.
Natürlich klingt das, was Britney Spears da macht, nicht mehr wie "Oops ... I Did It Again". Natürlich stellte ihre Plattenfirma eine Busladung Personal ein, um der gefallenen Prinzessin des amerikanischen Plastikpops Anlaufhilfe zu geben. Und genau das ist das Problem: "Blackout" ist eine Produzentenplatte, was eigentlich keine Schande ist, bedenkt man, dass Popmusik 2007 so nun einmal funktioniert. Auch bei "Curtis", dem letzten Album von 50 Cent, wurde so gearbeitet, und das Duo Timbaland / Timberlake redesignt aktuell Duran Duran aus der britischen Popmusik auf den Tanzboden. Aber bei denen weiß man, dass sie es können. Man weiß auch, dass sie Bock haben, dass sie gerne Musik machen und, wichtiger, dass sie ihre eigenen Songs schreiben.
Britney Spears dagegen ist hier nur die Stimme, und nicht einmal die so wirklich: Denn ihre Zeilen wurden mit Effekten überladen, verfremdet, durch den Vocoder gezogen. Insofern ist Britney Spears streng genommen nur noch die Dachmarke, unter der "Blackout" seine Abnehmer finden soll, ähnlich einer, sagen wir mal, Buttersorte oder Automarke. Singen hätte man das jede halbwegs professionelle Sängerin lassen können.
Um doch noch so eine Art Schnittstelle zwischen den Songs und den Interpreten zu schaffen, gibt es einige kurze Momente der Selbstreflexion. "It's Britney, Bitch", heißt es gleich zu Beginn, später "I'm Miss American Dream since I was seventeen". Der Rest der Texte bedient die üblichen Allgemeinplätze, sodass das einzig Spannende an "Blackout" die Beats sind. "Toy Soldier", "Radar" und der Opener "Gimme More" können da am meisten, sind absolut zeitgemäßer und deep produzierter Elektro-Dancefloor mit leichter Eighties-Kante in den Synthie-Hooks. Spaß macht auch "Heaven On Earth", auch wenn sich die Macher da wirklich fies am Wave-Pop von Visage bedienten. Der Rest ist solides Mittelmaß. Weder besonders klug noch besonders doof. Die Plattenfirma erzählt dazu etwas über den "vorbehaltlosen Genuss des Lebens und das Ausblenden jeder Negativität". Das ist natürlich heiße Luft. Wie eigentlich das ganze Album.