Michelle Monaghan

Der Traum vom Theater am Rande der Stadt

Schauspielerin Michelle Monaghan

(tsch) Als sie über die Laufstege von New York lief, hätte sie es sich nicht träumen lassen, einmal mit Stars wie Ben Stiller, Tom Cruise oder Richard Gere zusammenzuarbeiten. Mittlerweile ist Michelle Monaghan fast schon selbst ein alter Hase im Filmgeschäft und produziert fleißig eigene Projekte. Das Geld dafür verdient sie vor allem mit Auftritten in Blockbusterfilmen wie "Mission Impossible III" und aktuell "Nach 7 Tagen - ausgeflittert" (Start: 01.11.), der neuen Komödie der Farrelly-Brüder ("Verrückt nach Mary"). Darin spielt die 31-Jährige eine natürliche Schönheit aus den amerikanischen Südstaaten, die sich im Urlaub in Mexiko in einen frisch verheirateten 40-Jährigen, gespielt von Ben Stiller, verliebt - ohne natürlich von seinen Flitterwochen zu wissen.

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teleschau: Sie schienen Spaß an der Arbeit gehabt zu haben. Was stand im Drehbuch, was war Improvisation?

Michelle Monaghan: Das Tolle an den Farrellys ist, dass sie viel Raum für Spontaneität lassen. Man kann bei ihnen als Schauspieler da machen, was man will. Ich hatte zudem das Glück, dass Ben Stiller ein echter Profi ist. Er schöpfte nicht auf Kosten anderer die Lacher ab, sondern schanzte sie mir im Gegenteil sogar zu.

teleschau: Sie sind seit 2005 mit einem Grafikdesigner verheiratet. Sind Ihre eigenen Flitterwochen ähnlich turbulent abgelaufen?

Michelle Monaghan: Wir hatten wirklich lustige Flitterwochen. Eine romantische und entspannende Zeit, mitten in der Karibik, überall sonnig und blaues Wasser. Mein Mann ist ein echter Strandtyp, je höher die Wellen, desto besser. Ich mag lieber ruhige See.

teleschau: Ihre Heirat war alles andere als ein Schnellschuss. Wieso haben Sie sich so lange Zeit gelassen?

Michelle Monaghan: Nicht ich, er hat sich fünf Jahre Zeit gelassen (lacht). Er musste sich sicher sein. Ich stimme mit der Botschaft des Films überein, dass man seinen besten Freund heiraten sollte. Glücklicherweise war ich dazu in der Lage. Man sollte denjenigen heiraten, mit dem man lachen kann. Nichts ist wichtiger. Innerhalb der ersten fünf Minuten, nachdem wir uns kennengelernt hatten, wusste ich, dass wir zusammengehören. Man muss aber auch über den jeweils anderen lachen können, nicht nur mit ihm. Schließlich sollte man sich selbst nicht zu ernst nehmen, erst recht nicht in einer Beziehung. Seit sieben Jahren kennen wir uns nun. Und es ist für mich noch genauso wie ganz am Anfang.

teleschau: Haben Sie eigentlich gezögert, die Rolle bei den Farrellys anzunehmen, als Sie von dem teils kruden Humor hörten. Es gibt eine Vergewaltigungsszene mit einem Esel ...

Michelle Monaghan: Mir war schon klar, was mich erwarten würde. Solch ein Humor gefällt mir. Das sind typische Farrelly-Momente. In den Händen anderer Filmemacher würde so etwas mit Sicherheit nach hinten losgehen. Aber die Farrellys besitzen das Talent, heillose Übertreibungen und vielleicht schockierende Szenen mit viel Herz und Liebenswürdigkeit auszubalancieren. Außerdem passiert all das, was gezeigt wird, ja allen möglichen Paaren im realen Leben. Gut, mit Ausnahme der Eselsszene ...

teleschau: Der Film ist ein Remake von "Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht" aus dem Jahr 1972. Haben Sie das Original gesehen?

Michelle Monaghan: Habe ich. Es hat einen eher ernsten Unterton. Es macht daher Sinn, dass die Farrellys jede Menge inhaltlich geändert haben. Der direkte Vergleich zwischen dem Original und der jetzigen Version zeigt auch einen interessanten Wandel im sozialen Moralverständnis: Eddie, also Ben Stillers Figur, ist ja verheiratet und trifft bei der Hochzeitsreise eine neue Liebe. Im Original wusste sie von Eddies Ehe, was offenbar mit der gesellschaftlichen Moral damals im Einklang war. Heutzutage können wir das nicht zeigen, weil die Amerikaner ausrasten würden.

teleschau: Sehen Sie in dem Film auch hinsichtlich des freizügigen Umgangs mit Nacktheit ein gesellschaftspolitisches Statement?

Michelle Monaghan: Ich glaube nicht, dass die Farrellys politische Intentionen damit haben. Aber mein Eindruck ist, dass sich Hollywood generell viel zu ernst nimmt, gerade in Bezug auf Nacktheit. Die einzige Möglichkeit, in einem Hollywoodfilm nackte Menschen zu sehen, ist im Zusammenhang mit sehr romantisch-verklärten Liebesszenen. Aber ich finde, lasst uns doch lieber auch mal darüber lachen. Deswegen bin ich froh, dass die Farrellys sich dafür entschieden haben, mal wieder eine nicht jugendfreie Komödie zu drehen.

teleschau: Sie starteten im Alter von 25 Jahren recht spät ins Filmgeschäft. Doch mittlerweile sind Sie sehr gefragt. Sprudeln schon Millionengagen?

Michelle Monaghan: Ach, nein! Gerade habe ich ein Herzensprojekt abgedreht: "Trucker", ein Film über eine Truckerin, die ihre Verantwortung für ihren elfjährigen Sohn entdeckt. Der Charakter ist nicht unbedingt liebenswert, was mir besonders gefiel. Der Film hatte ein Produktionsvolumen von gerade einmal anderthalb Millionen Dollar. Ich möchte aber mehr in diese Richtung arbeiten: Mehr kleine Filme produzieren, bei denen ich mehr Einfluss habe als bei Großproduktionen. Natürlich möchte und kann ich nicht auf Blockbuster verzichten, aber "Trucker" hat mir gezeigt, welch kreativen Einfluss ich haben kann. Ich träume auch schon eine halbe Ewigkeit davon, einmal in New York auf der Theaterbühne zu stehen. Es muss ja nicht der Broadway sein, vielleicht ein kleines Stück irgendwo am Rande der Stadt, bei dem nur ein Zuschauer im Publikum sitzt.

teleschau: Was fasziniert Sie so sehr daran?

Michelle Monaghan: Ich kann mir nichts Anspruchsvolleres und Erfüllenderes vorstellen. Schauspieler gehören auf die Bühne. In der Schule habe ich erste Erfahrungen sammeln können. Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern: Die Zeit stand still, ich war in einer anderen Welt, alles verschwamm. Und plötzlich klatschten die Menschen, und ich merkte, dass es vorüber war. Es war wie ein Traum. Seitdem verfolgt mich der Wunsch, jeden Abend wieder auf die Bühne zu gehen und etwas Frisches und Neues zu präsentieren, obwohl es dieselbe Geschichte ist. Ich bin da sehr emotional, selbst wenn ich im Publikum sitze, kommen mir manchmal die Tränen am Ende.

teleschau: Denken Sie eher an klassisches oder modernes Theater?

Michelle Monaghan: Ich stelle mir da eher aktuelle Stoffe vor, im besten Fall etwas Dramatisches. Aber ich muss mich wohl noch gedulden. Außerdem würde mich mein Mann daheim sicherlich rauswerfen, weil ich ein nervöses Wrack wäre.

Leif Kramp

Michelle Monaghan kam nach Berlin, um ihren neuen Film "Nach 7 Tagen - Ausgeflittert" vorzustellen.
Michelle Monaghan kam nach Berlin, um ihren neuen Film "Nach 7 Tagen - Ausgeflittert" vorzustellen. (Norbert Kesten / Paramount Pictures)
Michelle Monaghan träumt davon, eines Tages in New York Theater zu spielen.
Michelle Monaghan träumt davon, eines Tages in New York Theater zu spielen. (2007 by Paramount Pictures)
Michelle Monaghan schätzte die Arbeit der Regisseure Peter und Bobby Farrelly: "Das Tolle an ihnen ist, dass sie viel Raum für Spontaneität lassen."
Michelle Monaghan schätzte die Arbeit der Regisseure Peter und Bobby Farrelly: "Das Tolle an ihnen ist, dass sie viel Raum für Spontaneität lassen." (Norbert Kesten / Paramount Pictures)

Datum: 29.10.2007

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