(tsch) Tim Burton hat seinen Lieblingsdarsteller Johnny Depp, Ron Howard mag Russell Crowe. Und so wenig wie Burton ohne sein kongeniales Leinwand-Alter-Ego Depp mit Werken wie "Big Fish" an die Klasse früherer Arbeiten, etwa "Edward mit den Scherenhänden", heranreichte, so wenig gelang Ron Howard zuletzt ohne Russell Crowe mit "The Missing". Jetzt aber haben sie sich wieder, die beiden erfolgsverwöhnten Oscar-Gewinner - und präsentieren mit dem deutsch etwas unglücklich betitelten Boxerdrama "Das Comeback" großes Kino mit in jeglicher Hinsicht sensationellen Leistungen. Wie schon in "The Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" gehen die beiden zurück in die Vergangenheit, diesmal ins New York der späten 20er-Jahre.
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Als disziplinierter Boxer feiert James "Jim" Braddock (Crowe) Erfolge, unterstützt von seiner hingebungsvollen Gattin Mae (Renée Zellweger) und dem harten, aber einfühlsamen Coach Joe Gould - Paul Giamatti empfiehlt sich für eine weitere Oscar-Nominierung. Da bricht er sich die starke rechte Hand und verliert seine Boxlizenz. Ende 1933 ist er am Ende - finanziell und emotional, wie die USA, die unter der Depression leidet.
Doch der ehrliche Familienvater gibt nicht auf, trainiert statt der kaputten Rechten beim Arbeiten in den Docks eben die Linke, lässt weder die Frau noch die drei Kinder im Stich und glaubt an das Gute. Was ihm denn auch widerfährt, als es Gould gelingt, für Braddock am 14. Juni 1934 einen Kampf im Vorprogramm des WM-Titelfights zu arrangieren.
Obwohl nicht austrainiert, hungrig und quasi chancenlos, steigt er in den Ring - und schlägt seinen Gegner mit der erstarkten Linken zu Boden. Ein Comeback, das ihm von Sportreporter Damon Runyan den Spitznamen "Cinderella Man" (so der Originaltitel des Films) einbringt. Dank Goulds Verhandlungsgeschick bleibt es nicht bei diesem einen Kampf. Jim boxt weiter und steht schließlich vor der größten - und gefährlichsten - Herausforderung seiner Karriere: dem Titelkampf gegen den amtierenden Weltmeister Max Baer (Craig Bierko), der bereits zwei seiner Gegner im Ring getötet hat. Das Publikum steht auf der Seite des Stehaufmännchens Braddock. Doch erstmals stärkt Jims Ehefrau, die um sein Leben fürchtet, ihrem Mann nicht den Rücken ...
Ohne Zweifel, sowohl Russell Crowe als auch Ron Howard legen mit diesem packenden Biopic die beste Arbeit ihrer Karriere vor. Crowe vereint Einfühlungsvermögen und Härte, Stolz und absolute Hingabe, Verletzlichkeit, aber auch Verbissenheit in seinem Porträt dieses herausragenden Boxers, das nur in wenigen, von Thomas Newmans emotionalem Score ertränkten Momenten nicht völlig aufgeht. Nach dem Drehbuch von Cliff Hollingsworth und Akiva Goldsman (Oscar für "A Beautiful Mind") treffen die intensiv, aber zurückhaltend agierende Renée Zellweger ebenso wie die toll aufspielenden Nebendarsteller Paddy Considine ("In America") und Ausnahmemime Paul Giamatti ("Sideways") hingegen jeden Ton, jede Nuance.
In den stimmigen Sets von Produktionsdesigner Wynn Thomas entfaltet sich unter Howards gekonnter Hand ein spannender Mix aus Historienfilm, Sportlerdrama und Liebesfilm, der insbesondere in den ausgezeichnet choreografierten und exzellent geschnittenen Kampfszenen für schweißnasse Hände sorgt und das Schicksal Amerikas exzellent in der Biografie Braddocks widerspiegelt. Nicht umsonst eignete sich Russell Crowe den Sport unter Aufsicht von Muhammad Alis ehemaligem Trainer Angelo Dundee von der Pike auf an, studierte detailversessen Aufzeichnungen von Braddocks Kämpfen und nahm 23 Kilo ab, um den hungrigen Champion glaubhaft zu verkörpern. Die Mühe hat sich gelohnt, und man sieht schließlich zwei große Männer vor sich: den unermüdlichen Weltmeister und das Schauspiel-Chamäleon aus Down Under. Bravo!
Barbara Negele
Credits: V:Buena Vista, USA 2005, R: Ron Howard, D: Russell Crowe, Renée Zellweger, Paul Giamatti u.a.
Der ehrgeizige Kämpfer James "Jim" Braddock (Russell Crowe) gibt so schnell nicht auf. (Universal Pictures-Miramax Films-Imagine Entertainment)
Beim Kampf um den Schwergewichtstitel ist James (Russell Crowe) sehr auf die Unterstützung seiner Frau Mae (Renée Zellweger) angewiesen. (Universal Pictures-Miramax Films-Imagine Entertainment)
Manager Joe Gould (Paul Giamatti) ist sich sicher, dass "Jim" wieder in das Boxgeschäft einsteigen kann. (Universal Pictures-Miramax Films-Imagine Entertainment)