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Von Löwen und Lämmern

Von Löwen und Lämmern

(tsch) Engagiert, kritisch, messerscharf analysierend: Robert Redford betrachtet mit "Von Löwen und Lämmern" die aktuelle politische Situation der USA und hinterfragt den Militäreinsatz der Regierung Bush im Nahen Osten. Als Regisseur und Hauptdarsteller liefert Redford dabei ein Stück politisches Kino ab, ohne polemisierend zu sein oder gar den Zeigefinger zu heben. Sein neuer Film zeigt ganz schlicht, wie Medien, Politik und Afghanistan-Krieg miteinander verknüpft sind. Wer wen in welchem Maße beeinflusst, darf der Zuschauer selbst entscheiden. Allzu schwer ist das allerdings nicht.

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Mit einem in den letzten Jahren oft gesehenen, aber sehr geschickten Kniff entzerrte Robert Redford gleich zu Beginn die Erzählstruktur. Er macht drei Schauplätze auf, die voneinander scheinbar unabhängig sind, aber doch in Verbindung miteinander stehen. In seinem Washingtoner Büro empfängt der allglatte Senator Japer Irving (Tom Cruise) die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep), um mit ihrer Hilfe die Öffentlichkeit von seiner neuen taktischen Kriegsvariante im Hindukusch zu überzeugen.

Währenddessen läuft die militärische Operation im Nahen Osten bereits an. Die Taliban lassen sich allerdings nicht so einfach überrumpeln, wie es Irving vorhersagt, und die beiden GIs Arian (Derek Luke) und Ernest (Michael Pena) müssen schwer verwundet auf einem Bergplateau zurückgelassen werden. Während die Army eine dramatische Rettungsaktion startet, kommen die Gotteskrieger immer näher. Unterdessen bittet Politik-Professor Dr. Malley (Redford) seinen talentiertesten, aber völlig arroganten und desillusionierten Studenten Todd (Andrew Garfield) zu einem Gespräch, in dem er ihn von der Verantwortung der Menschen für die Welt überzeugen will. Verantwortung, wie sie die beiden Soldaten, zwei ehemalige Studenten Malleys, übernommen haben.

Trotz der drei mehr oder weniger statischen Situationen - es sind jeweils zwei Menschen in einem geschlossenen Raum - fehlt es "Von Löwen und Lämmern" nicht an einer hochgradig fesselnden Dynamik. Dafür sorgen natürlich nicht zuletzt die Oscar-verdächtigen Darsteller-Leistungen. Vor allem Meryl Streep und Tom Cruise liefern sich ein packendes Duell. Cruise stattet seinen Senator mit einer Art moralischem Teflon-Panzer aus, an dem nichts haften bleiben kann.

Der Politiker ist glatt, schlangenhaft und ein Meister der rhetorischen Manipulation. Der clevere Karrierist bedient sich aber nicht nur patriotischer Argumente, um die einflussreiche Journalistin von seiner neuen Militärstrategie zu überzeugen. Auch wenn Janine Roth das Spiel durchschaut, hat Jasper Irving in dem geschliffenen Rededuell der beiden immer einen leichten offensiven Vorteil. Er erinnert Roth, die der neuerlichen Offensive der Streitkräfte kritisch gegenübersteht und den Abzug der Truppen verlangt, an die Rolle der Medien bei Kriegsbeginn. Damals hatte sich gerade ihr Sender hinter die Regierung gestellt und somit geholfen, die öffentliche Meinung im Land pro Afghanistan-Einsatz zu verschieben.

"Die Geister, die ich rief" wird Roth nun nicht mehr los, und Redford zeigt eindrucksvoll und fern jeglicher Polemik, wie das Spiel zwischen Politik und Medien funktioniert. Auch wenn Janine Roth ihre Meinung mittlerweile geändert hat, sind ihr doch die Hände gebunden. Solange zumindest, bis die US-Bevölkerung wieder selbst anfängt zu denken, und sich dagegen wehrt, bloßer Empfänger politischer Entscheidungen zu sein. Von dieser Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen, will der College-Professor auch seinen Schüler überzeugen. Der brillante Student hat sich auf eine allzu bequeme Position zurückgezogen: Ein Einzelner kann ohnehin nichts ändern, warum sollte man also Engagement zeigen?

Auch dieses Rededuell ist ein intelligenter Schlagabtausch, der in kurzer Zeit eine Menge Themen anschneidet und die Komplexität der Welt und unseres Handelns in ihr zeigt. Es wird also vor allem geredet in Robert Redfords Film, der es tatsächlich schafft, in erfrischend kurzen 94 Minuten sehr prägnant und verständlich die innere Logik der Interaktion und gegenseitigen Einflussnahme von Politik und Medien zu zeigen. Aber viel mehr noch ist der Film ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit. Damit ist "Von Löwen und Lämmern" trotz aller kritischen Töne sogar ein außerordentlich patriotischer Film. Denn welches Land, welche Gesellschaft kann auf mündige Bürger verzichten, die kritisch Entscheidungszusammenhänge hinterfragen und auch in schwierigen Zeiten Rückgrat zeigen.

Andreas Fischer

Credits:
V:Fox, USA 2007, R: Robert Redford, D: Tom Cruise, Meryl Streep, Robert Redford u.a.

Laufzeit: 94 Min.

Kinostart:
08. November 2007


Die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) will Senator Jasper Irving (Tom Cruise) in Sachen Afghanistan-Einsatz der US-Truppen auf den Zahn fühlen.
Die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) will Senator Jasper Irving (Tom Cruise) in Sachen Afghanistan-Einsatz der US-Truppen auf den Zahn fühlen. (Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. / Twentieth Century Fox)

Senator Jasper Irving (Tom Cruise) versucht die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) für seine Politik einzuspannen.
Senator Jasper Irving (Tom Cruise) versucht die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) für seine Politik einzuspannen. (Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. / Twentieth Century Fox)

Regisseur Robert Redford (Mitte) diskutiert mit seinen Hauptdarstellern Meryl Streep und Tom Cruise.
Regisseur Robert Redford (Mitte) diskutiert mit seinen Hauptdarstellern Meryl Streep und Tom Cruise. (Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. / Twentieth Century Fox)

Datum: 04.11.2007

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