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30 Days of Night

30 Days of Night

(tsch) Und es gibt sie doch. Jahrtausende haben sie damit zugebracht, uns glauben zu machen, dass sie nur ein böser Albtraum seien. Doch das Gegenteil ist der Fall ... Es ist die perfekte Jahreszeit für einen Vampirfilm wie diesen. Jetzt, da die Tage wieder länger werden und es bei wolkenverhangenem Himmel bereits um 15 Uhr düster wird. Man stelle sich vor, die Dunkelheit würde einen ganzen Monat andauern. Perfekte Bedingungen für lichtscheue Jäger. Solche überfallen in David Slades Horrorfilm von 2007 nach einem Kultcomic von Steve Niles und Ben Templesmith ein kleines Städtchen in Alaska. Einmal im Jahr dauert dort die Nacht 30 Tage an - ein eigenwilliges Schauspiel der Natur, das die meisten Bewohner in Richtung Süden treibt. Alle, die sich zum Bleiben entscheiden oder den Flieger nicht mehr rechzeitig bekommen, erwartet das nackte Grauen. Für sie werden "30 Days Of Night" zu einem einmonatigen Überlebenskampf.

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David Slade, der mit seinem provokativen Debütwerk "Hard Candy" (2004) das Publikum zugleich schockte und begeisterte, definiert die Spezies Vampir neu. Seine Blutsauger haben nicht nur zwei spitze Eckzähne. Das ganze Gebiss ist eine einzige Waffe, die darauf ausgerichtet ist, Opfer zu reißen. Die Vampire um Anführer Marlow (gespenstisch: Danny Huston) mit den schrecklich toten Augen erinnern an Tiere, die ihre Beute umkreisen und mit ihr spielen, bevor sie sie töten. Noch unheimlicher als die äußere Erscheinung ist ihr markerschütterndes, unnatürliches Schreien.

Diese hochintelligenten, blitzschnellen Monster, denen man nicht einmal in einem rasenden Auto entkommen kann, lässt Slade auf ein kleines nordamerikanisches Städtchen los. Josh Hartnett hat dort als Sheriff Eben die Aufsicht über Recht und Ordnung. Doch die wird in der Einöde nahe am Polarkreis ohnehin selten verletzt. Als Eben plötzlich mit blutrünstigen Monstern konfrontiert wird, ist er zunächst völlig überfordert. Gemeinsam mit seiner Noch-Ehefrau Melissa (Stella Oleson) und einer winzigen Gruppe Überlebender versucht er, die Tage ohne Sonne möglichst unbeschadet zu überstehen.

Die Optik des Films, der von Sam Raimi ("The Grudge - Der Fluch", "Spider-Man") produziert wurde, ist für einen Horrorstreifen ungewohnt kunstvoll und faszinierend. Die Kamera fährt in luftigen Höhen über die eingeschneiten Straßen, die sich zunehmend rot färben, und gibt aus der Vogelperspektive einen Ausblick auf das stattfindende Grauen. Das Geschrei der Opfer vermischt sich mit der atmosphärischen Musik von Brian Reitzell - eine teils recht poppige Sinfonie des Grauens. Er hielt bereits die Stimmung von Sofia Coppolas Drama "Lost In Translation" in Noten fest.

Umso bedauerlicher ist es, dass sich Regisseur David Slade immer wieder in explizitem Gemetzel verliert, was der stilvollen Inszenierung ein wenig den Reiz raubt. Da werden Schädel schon mal in Nahaufnahme gespalten. Grenzwertig und unnötig ist die Szene, als ein Kleinkind, das bereits die Seite wechselte, einen Kopf kürzer gemacht wird. Auch wenn die Kamera im entscheidenden Moment wegschwenkt, bleibt hier ein arg flaues Gefühl zurück.

Auch die Logik hinkt an mancher Stelle. Irgendwann drängt sich die Frage auf: Warum nur scheuen sich die übernatürlich starken Blutsauger so sehr davor, dass der Rest der Menschheit die Wahrheit über ihre Existenz erfährt, wenn sie doch so unbesiegbar sind?

Doch alles in allem kann das der Atmosphäre des Films nichts anhaben. Die ist so frostig wie der Winter und beklemmend wie lange, tiefschwarze Novembernächte. Sie packt das Publikum - ob es will oder nicht - und lässt es bis zum Ende nicht mehr los. Wie die Vampire ihre Opfer aussaugen, saugt der Film sein Publikum in sich hinein - aber nur jenes, das auch gewillt ist, sich auf ein blutiges Spektakel wie dieses einzulassen. Wer glaubt, auf ihn warte ein "Interview mit einem Vampir" wie Lestat oder ein Betörer wie "Bram Stoker's Dracula", der sollte umkehren, bevor das Licht im Kinosaal ausgeht.

Nina Fischer

Credits:
V:Concorde, USA 2007, R: David Slade, D: Josh Hartnett, Melissa George, Ben Foster u.a.

Kinostart:
08. November 2007


Josh Hartnett spielt den Sheriff in einem kleinen Städtchen nahe des Polarkreises. Statt Kleinganoven zu schnappen, muss er sich schon bald vor Vampiren retten.
Josh Hartnett spielt den Sheriff in einem kleinen Städtchen nahe des Polarkreises. Statt Kleinganoven zu schnappen, muss er sich schon bald vor Vampiren retten. (Concorde)

Danny Huston ist ein äußerst charismatischer, aber auch furchterregender Vampiranführer.
Danny Huston ist ein äußerst charismatischer, aber auch furchterregender Vampiranführer. (Concorde)

Vampir Marlow (Danny Huston, links) und seine hungrige Gefolgschaft kennen keine Gnade mit den Opfern.
Vampir Marlow (Danny Huston, links) und seine hungrige Gefolgschaft kennen keine Gnade mit den Opfern. (Concorde)

Datum: 06.11.2007

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