logo
Anzeige
Three Burials

Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

(tsch) Wer könnte es ihm verübeln? Wenn Tommy Lee Jones auf seine alten Tage schon ein Regiedebüt startet, dann übernimmt er auch gleich die Rolle des Guten. Sein kleines, formal und optisch beeindruckendes Epos über Vergeltung und Loyalität spielt in einer rauen Gegend. Die erhabenen Naturaufnahmen blicken herab auf die Niedertracht der Menschen, die sich unbelehrbar im Sumpf der Missverständnisse suhlen.

Anzeige

 

Schon für "Babel" setzte sich Drehbuchautor Guillermo Arriaga mit der menschlichen Seite der Einwandererproblematik zwischen Mexiko und den USA auseinander. Dass er für Regisseur Alejandro González Iñárritu außerdem "21 Gramm" und "Amores Perros" entwarf, merkt man an der Struktur der "Drei Begräbnisse". Wenngleich die Zufälligkeiten hier weniger überraschend sind und vor allem moralische Beweggründe haben.

Dem Texaner Jones ging es um den sozialen Kontrast der beiden Länder, als er 2001 das Drehbuch in Auftrag gab, in dem es Ungerechtigkeit geht und die Frage, ob man sie aus dem Weg schaffen kann. Dafür inszenierte er, produzierte mit und spielte auch selbst die Hauptrolle. Außer ihm selbst steckte auch Luc Besson Geld in diesen Film. Für die Kamera verpflichteten sie Chris Menges, seit über 30 Jahren ein Hochkaräter ("Killing Fields", "Tagebuch eines Skandals"). Dieses Debüt einen kleinen Film zu nennen, wäre dann wohl doch untertrieben.

Das erste der Begräbnisse des freundlichen, eher wortkargen Melquiades Estrada (Julio César Cedillo) ist ein Erdloch, in das er verscharrt wird, nachdem ihn Kojoten angefressen haben. Eigentlich interessiert in der Kleinstadt mit den vielen offenen Geheimnissen niemanden, wer da aus Versehen erschossen wurde. Wäre da nicht Pete, von Tommy Lee Jones als sympathischer, bärtiger Haudegen dargestellt, der alte Chef und Freund von Melquiades. Er findet heraus, wer für den sinnlosen Tod verantwortlich ist und lässt ihn die Leiche ausbuddeln, um sie in Estradas Heimat ordentlich beizusetzen. Auf einem langen Ritt Richtung Mexiko, der den größten Teil des zweistündigen Films einnimmt, stellt der Cowboy wieder Gerechtigkeit her. Zumindest hat er das vor. Doch allzu leicht machen es ihm weder die Menschen, denen er begegnet, noch das zerklüftete Grenzgebiet rund um den Rio Grande.

Auch wenn man ahnt, wo das Drama hinführt, überrascht der 61-Jährige vor und hinter der Kamera. Das Kauzige des Charakters täuscht über die Brutalität hinweg, mit der er vorgeht.

Skurrile Nebenfiguren, verschiedene Zeitebenen und Wechsel der Perspektive halten den Zuschauer bei Laune, wenngleich es keinen wirklichen Spannungsbogen gibt. Doch der ist gar nicht notwendig, der Weg schließlich längst das Ziel.

Die atemraubenden Bilder, die Menges von der weiten Landschaft macht, bilden einen wichtigen Part im Konstrukt. Daneben gibt es einige wenige, aber spektakuläre Actionszenen und vor allem eine inhaltliche Fülle an nachdenkenswerten Thesen und Behauptungen. Wie auch in "Babel" oder Marco Kreuzpaintners "Trade" erschließen sich plötzlich Zusammenhänge. Allerdings steht bei Tommy Lee Jones weniger Tragik und Betroffenheit im Vordergrund. Er bietet kleine Lösungen an und arbeitet tatsächlich immer wieder mit Humor.

Herausgekommen ist ein sehr versöhnliches Epos, das auf dem Pfad der Selbstjustiz "Master and Servant" spielt. Aber das will man aus Respekt vor dem von Jones so überzeugend dargestellten Charakter irgendwann selbst nicht mehr wahrhaben.

Es ist und bleibt wohl ein befriedigendes Gefühl, wenn Menschen, die Unrecht tun, dafür bezahlen. Wenigstens im Kino.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Salzgeber, USA/F 2005, R: Tommy Lee Jones, D: Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Dwight Yoakam u.a.

Laufzeit: 120 Min.

Kinostart:
08. November 2007


Pete Perkins (Tommy Lee Jones, links) nimmt sich den jungen Grenzschützer Mike Norton (Barry Pepper) vor.
Pete Perkins (Tommy Lee Jones, links) nimmt sich den jungen Grenzschützer Mike Norton (Barry Pepper) vor. (Salzgeber)

Zwischen Pete (Tommy Lee Jones, rechts) und Melquiades (Julio César Cedillo) hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Zwischen Pete (Tommy Lee Jones, rechts) und Melquiades (Julio César Cedillo) hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt. (Salzgeber)

Pete (Tommy Lee Jones, links) zwingt Mike (Barry Pepper), den getöteten Melquiades Estrada wieder auszugraben.
Pete (Tommy Lee Jones, links) zwingt Mike (Barry Pepper), den getöteten Melquiades Estrada wieder auszugraben. (Salzgeber)

Datum: 07.11.2007

Facebook aktivieren

Diskussion: "Three Burials"

Um eine Diskussion zu "Three Burials" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 192454

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Notting Hill
    Obwohl der Film "Notting Hill" (1999), den SAT.1 nun erneut aus dem Archiv geholt hat, bereits vor sieben Jahren weltweit in den Kinos lief, stößt auch heute noch manch alteingesessener Bewohner des gleichnamigen ...

    Whale Rider
    Am Rand der Welt gibt es nicht viel, woran man sich festhalten kann. Nur die Tradition, das Wissen und die Bräuche der Vorfahren. Koro (Rawiri Paratene), Führer eines kleinen Maori-Stammes an der neuseeländischen ...

    Dreizehn
    Es scheint unausweichlich: Eben war der Nachwuchs noch süß und für vieles zu begeistern, schon mutiert er zu einem unausstehlichen, rebellischen Monster, genannt Teenager. Die Pubertät zu überstehen, gestaltet ...

    Die Zeit die bleibt
    Die Kompromisslosigkeit bleibt, und auch die formale Brillanz. Alles andere hat sich mal wieder verändert. Aber das ist man von François Ozon ja schon gewöhnt. Der französische Regisseur hat sich bisher ...

    Criminal Lovers
    Das arme Kaninchen kann Alice nun gar nicht mehr ins Wunderland bringen. Der französische Vorstadt-Teenager, ein ausnehmend hübsches Mädchen, hatte gerade zusammen mit ihrem Freund Luc einen anderen Liebhaber ...

    Der letzte Zug
    Es war die TV-Serie "Holocaust", die 1979 den Massenmord an den Juden vor ein Millionenpublikum brachte. Dass eine fiktionale Story wie jene um die jüdische Familie Weiß der Shoah gerecht werden könnte, ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 3717 - task = view - option = com_content - limitstart= 0