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Eagles - Long Road Out Of Eden

Eagles Long Road Out Of Eden

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Sie haben sich Zeit gelassen. Satte 28 Jahre ist es her, dass ein Studioalbum der Eagles erschien. Natürlich, es gab Konzerte. Irgendwann, ab den 90er-Jahren, sogar mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Doch Fragen zu der Zukunft der Band beantworteten die zwischenzeitlich angeblich hoffnungslos zerstrittenen Herren teilweise in einer Definitivität, die Fans alle Hoffnung hätte nehmen können. "Eher friert die Hölle zu", hieß es einmal, "Hell Freezes Over", hießen schon 1994 konsequenterweise ein Konzert für MTV und der dazu gehörende Live-Mitschnitt. Bleibt man in dieser Metapher, hat sich die Hölle jetzt in einen Eisblock verwandelt. "Long Road Out Of Eden" ist ein Comeback, das die eigene Unmöglichkeit frech zur Seite schiebt und gleichzeitig etwa 30 Jahre Musikgeschichte geflissentlich ignoriert.

Natürlich ist es nicht so, dass man von den Eagles eine besonders moderne Platte erwartet hätte. Aber die Chuzpe, mit der die Band sich gleich auf zwei CDs mit ihren eigenen Wurzen auseinandersetzt, ist schon bemerkenswert und wird sehr früh unter Beweis gestellt. "How Long", die erste Single aus "Long Road Out Of Eden", mag mit ihrem Rock'n'Roll-Boogie-Rythmus und ihrer tatsächlich an Bands wie Status Quo erinnernde Gitarrenarbeit zunächst hoffnungslos anachronistisch wirken, entwickelt sich aber spätestens beim dritten Hördurchlauf zu einem der Höhepunkte der Platte - weil es, Achtung Bombe, eben 1972 geschrieben wurde und damals schon ziemlich alle Kernkompetenzen festzurrte. Große Hookline. Ausgefeilte Vokalarrangements mit vielen Uuh-Uuhs. Und dieses perfekte Rythmusgerüst, dessen Stringenz wohl bester Beweis für den Perfektionssinn der Hitmaschine Eagles ist. Das folgende und nicht unbittere "Busy Being Fabolous" ist näher dran an der Westcoast und spielt seine Trümpfe vor allem im Refrain aus, wenn die Instrumentierung und die Melodieführung an den großen Hit "Take It Easy" erinnern lassen. Das folgende, von Glenn Frey im Alleingang geschriebene "What Do I Do With My Heart" ist dann freilich der erste Dämpfer: Aus Eingängigkeit wird hier Glätte, aus Gefühl Gefühligkeit. Bei aller Wertschätzung: Da steckt eine Routine drin, die schnell gefährlich wird, die den Song fast lähmt.

Dass "Long Road Out Of Eden" von dieser Glätte und der die ganze Platte durchziehenden Kalkulation nicht an die Wand gefahren wird, liegt schließlich noch an anderen Sachen. Erstens nimmt die zweite CD doch an Fahrt auf, erlaubt sich mit dem Titeltrack beispielsweise einen Ausflug in den balladesken Rock der Mittsiebziger und jenseits der Zehn-Minuten-Grenze und mit "Somebody" einen veritablen Rocker, bei dem Freys Vokalkünste verblüffend agil anmuten. Und dann sind da eben, man mag's nicht glauben, zumal die CD in den USA zunächst ausschließlich über die als eher konservativ geltende Ladenkette Wal-Mart vertrieben wurde, Inhalte, für die der erklärte Gore-Unterstützer Don Henley verantwortlich zeichnet. "We've got the prettiest white house that money can buy", heißt es in "Business As Usual", "and we pray to our lord who we know is american" in "Frail Grasp On The Big Picture". Und das einzige Instrumental der Platte wurde "I Dreamed That There Was No War" betitelt. Dass alles musikalisch zuhöchst traditionell abläuft, kann man schon kritisieren. Das, was die Eagles sagen, passt aber sehr gut zum Jahr 2007.

Jochen Overbeck


Datum: 07.11.2007

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