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SO: Hotel Ruanda

Hotel Ruanda

(tsch) Mehr als eine halbe Million Menschen fielen den weltweit grausamsten Massakern der letzten Jahrzehnte zum Opfer. Die Macheten der Hutu machten weder vor Frauen noch vor Kindern und Säuglingen Halt. Und die internationale Gemeinschaft sah weg, verschloss die Augen vor dem Gemetzel. Zu spät kam die Erkenntnis, dass man hätte eingreifen müssen. Ebenfalls zu spät platziert die ARD die Erstausstrahlung des Dramas "Hotel Ruanda". Regisseur Terry George machte mit dem aufwühlenden und brillant inszenierten Film 2004 allein hierzulande knapp eine Million Kinobesucher auf den Völkermord aufmerksam. Ein Erfolg, mit dem die mitternächtliche Free-TV-Premiere kaum rechnen kann. Doch es ist wichtig, erneut auf die Lage des Landes aufmerksam zu machen. Denn in Darfur spielt sich derzeit ein ähnliches Drama ab, und wieder wird viel geredet und wenig gehandelt.

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Die authentische Geschichte eines ruandischen Hotel-Managers, der in den Wirren des Völkermords zum Retter von weit über 1.000 Menschen wird, war der Höhepunkt der Berlinale. Etwa 13 Jahre war es her, dass der afrikanische Staat von einer unmenschlichen Welle des Todes überrollt wurde. Grund dafür waren Neid und Missgunst. Die Anfänge hierfür lagen bei der belgischen Kolonialmacht, welche die Bevölkerung in zwei Gruppen aufgeteilt hatte: Die Tutsi waren mehr wert als die Hutus. Warum? Das wusste niemand so recht. Am Ende wurde aufgrund der Nasenform die Zugehörigkeit festgestellt.

Das Grauen begann mit lautem Gerassel - doch niemand wollte hören. Waffenhändler hetzten über das Radio gegen die Tutsi, sie hätten den Präsidenten ermordet, seien arrogant und verdienten den Tod. Das Offensichtliche wurde von der Öffentlichkeit zu spät wahrgenommen. Erst als das Morden auf offener Straße begann, erreichte der Konflikt auch Paul Rusesabagina im noblen Hotel Mille Collines, wo die feine Gesellschaft einen edlen Whiskey zu schätzen wusste. Don Cheadle (ab 7. Februar 2008 wieder mit einem biografischen Drama, "Talk to Me", im Kino) ist hier in seiner bisher beeindruckendsten Rolle zu sehen. Er spielt den Hoteldirektor Rusesabagina, selbst Hutu, der mit bescheidenem Erfolg gegen den Wahnsinn kämpfte: Das Hotel wurde ungewollt zur Auffangstation für Flüchtlinge, bewacht von einer Handvoll UN-Soldaten, denen es untersagt war zu schießen.

Auch wenn es im Film wie auch in der Wirklichkeit für Rusesabagina und seine Familie ein Happy End gab, täuscht der Ausgang im Kleinen nicht über die Gräuel insgesamt hinweg. Getötet wurden die Menschen mit primitivsten Waffen, meistens mit Macheten aus asiatischer Billigproduktion, günstig eingekaufte Massenware.

Es gibt viele starke Szenen in diesem von der ersten bis zur letzten Minute packenden Werk. Doch zwei prägen sich besonders ein: Wenn Nick Nolte als desillusionierter, aber beherzter UN-General an der Bar Rusesabagina die Wahrheit erzählt, dass keine der westlichen Großmächte den Völkermord stoppen wird. Und als Joaquin Phoenix als Kameramann, der als Weißer von den belgischen Einsatztruppen evakuiert wird, an seiner Verzweiflung über die eigene Gesellschaft fast zerbricht: "Die Menschen werden sich das im Fernsehen anschauen, sagen, das sei alles schrecklich, und weiter zu Abend essen."

Sein feines Gespür für dramatische Themen und deren intensive, aber nicht verkitschte Darstellung beweist Regisseur Terry George wieder im Frühjahr 2008. Am 13. März kommt dann sein neuester Film "Eine Sekunde nur" in die Kinos. Der Film erzählt die Geschichte eines verzweifelten Vaters (die Rolle übernahm Joaquin Phoenix), der den Mann sucht, der die Schuld am Tod seines Sohnes trägt.

Jasmin Herzog


Selbstlos und unter Lebensgefahr rettet Hotelmanager Paul Rusesabagina (Don Cheadle), Direktor des Hotels des Mille Collines, während des Bürgerkrieges in Ruanda 1.200 Menschen das Leben.
Selbstlos und unter Lebensgefahr rettet Hotelmanager Paul Rusesabagina (Don Cheadle), Direktor des Hotels des Mille Collines, während des Bürgerkrieges in Ruanda 1.200 Menschen das Leben. (ARD / Degeto)

Verzweifelt versucht UN-Colonel Oliver (Nick Nolte) die wütenden Menschenmassen zur Ruhe zu bringen.
Verzweifelt versucht UN-Colonel Oliver (Nick Nolte) die wütenden Menschenmassen zur Ruhe zu bringen. (ARD / Degeto)

Paul (Don Cheadle) bringt seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) und seine Kinder in seinem zum Flüchtlingslager umfunktionierten Hotel in Sicherheit.
Paul (Don Cheadle) bringt seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) und seine Kinder in seinem zum Flüchtlingslager umfunktionierten Hotel in Sicherheit. (ARD / Degeto)

Datum: 11.11.2007

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Artikel ID 191664

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