(tsch) Erhabene Richter, bissige Ankläger, wortgewandte Verteidiger - Gerichtsfilme haben eine lange Tradition im US-Kino. Ein altbewährtes Genre, dem immer neue Variationsmöglichkeiten abgewonnen werden. Doch es sind meist auch Schauspielerfilme, in denen die Darsteller ihr Talent unter Beweis stellen können. Auch Regisseur Rob Reiner ("Harry und Sally") griff für seinen Thriller "Eine Frage der Ehre" (1992) auf dieses Muster zurück. Er verknüpfte Justiz- und Militärmilieu und machte daraus perfektes Starkino. In den Hauptrollen: Sonnyboy Tom Cruise, Powerfrau Demi Moore und Zyniker Jack Nicholson, der zwar nur drei Auftritte hat, sich in diesen aber grandios in Szene setzt.
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Im Zentrum der Handlung steht der junge Marineanwalt Leutnant J. G. Daniel Kaffee (Cruise, momentan in Berlin mit dem Dreh zu "Valkyrie", seiner Interpretation des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler, beschäftigt). Er gilt als Shootingstar der Militärjustiz, verkörpert den smarten Aufsteiger, der aber eigentlich nur Baseball im Kopf hat. Sein Spezialgebiet sind abgesprochene Deals, bei denen es gar nicht erst zur Verhandlung kommt. Entsprechend gelangweilt reagiert Kaffee, als er die Verteidigung zweier Marine-Infanteristen übernehmen soll, die einen Kameraden geknebelt und brutal zusammengeschlagen haben. Der Soldat starb an den Folgen dieser "Spezialbehandlung", die im Fachjargon "Code Red" genannt wird.
Für Kaffee deutet alles auf einen Routinefall hin. Doch seine Kollegin, Leutnant JoAnne Galloway (Demi Moore, jüngst überzeugend als alkoholkranke Sängerin im Episodenfilm "Bobby"), glaubt nicht an einen einfachen Mord. Ihre beharrliche Suche nach der Wahrheit fasziniert schließlich auch den Sonnyboy. Der wächst am Ende über sich hinaus und wagt es, den einflussreichen Marinekommandanten Colonel Nathan R. Jessep (Jack Nicholson) in den Zeugenstand zu rufen.
"Eine Frage der Ehre" überzeugt durch eine spannende und stilvolle Inszenierung, handwerkliche Perfektion und herausragende Darsteller. Einziges Manko: die oberflächliche Analyse des militärischen Ehrenkodex'. Regisseur Rob Reiners völlig zutreffender Kommentar zu diesem Vorwurf: "Es ist doch nur ein verdammt gutes, altmodisches Gerichtsdrama." - Jack Nicholson, der in der Rolle des selbstherrlichen Jessep einmal mehr brilliert, konnte sich Anfang dieses Jahres mit dem Ensemble von "Departed - Unter Feinden" über den Oscar als bester Film freuen. Dabei bekam auch der Regisseur des Films, Altmeister Martin Scorsese, seine erste (längst überfällige) goldene Statue für die beste Regie.
Jochen Overbeck
Jack Nicholson brilliert als bis ins Mark überzeugter Militarist Colonel Nathan R. Jessep, der die Meinung vertritt, dass die Anwendung des "Code Red" moralisch vertretbar sei. (kabel eins / Columbia Pictures)
Tom Cruise geht vor Gericht als Leutnant J. G. Daniel Kaffee aufs Ganze, als er Colonel Nathan R. Jessep alias Jack Nicholson in den Zeugenstand ruft. (kabel eins / Columbia Pictures)
Demi Moore überzeugt in der Rolle als engagierte Juristin Lieutenant JoAnne Galloway. (kabel eins / Columbia Pictures)
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