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Cineastentreff Kino Film In Produktion - Filmvorschau Kino Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Liebelei zwischen den Generationen

(tsch) Tom Schilling steht der Schweiß auf der Stirn. Gerade hat er vier Mal hintereinander die um fast 15 Jahre ältere Monika als seine Freundin verteidigen müssen. Seine Arbeitskollegen hielten sie für seine Mutter. Im Hamburger Club "Hafenklang" nahe des Altonaer Bahnhofs wurde gerade diese Schlüsselszene des neuen Films von Leander Haußmann gedreht. In "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" spielt Schilling den Titelhelden: einen trendigen Mittzwanziger, der in seinem Job Computerspiele der Sorte Egoshooter entwickelt, privat aber eher auf "Retro" steht, wie seine blonde Ex-Freundin bissig feststellt. Robert liebt eine Frau über 40 - auch in der heutigen Gesellschaft offenbar noch eine höchst ungewöhnliche Beziehungskonstellation.

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"Nach der Hälfte eines Drehtages habe ich immer einen Durchhänger", sagt Schilling, doch bewahrt er trotz abgestandener, kalter Discoluft und einer lärmenden Heerschar von 80 Komparsen die Contenance. Mit den Statisten hat er wenig Kontakt: "Ich ziehe mich lieber zurück und denke über meine Rolle nach. Das sieht hier zwar aus wie eine Party, ist aber keine, jedenfalls nicht für mich." Während er von einer Mitarbeiterin mit Haarspray behandelt wird, trinkt und raucht er mit einer Hand.

Der Film selbst scheint ganz auf seiner Wellenlänge zu liegen: "Eine Liebesbeziehung mit einer älteren Frau: Darüber hat jeder Junge doch schon mal nachgedacht", sagt's und verrät ein Geheimnis: "Ich war mal richtig in meine Deutschlehrerin verliebt. Aber das ist lange her."

Wenn Maruschka Detmers als Monika auf der Game-Release-Party des neuesten Ballerspiels aus Roberts Softwareschmiede erscheint, wirkt sie nicht nur wegen ihres violett glitzernden Abendkleids deplatziert. Regisseur Haußmann scheint vor allem Komparsen ausgewählt zu haben, die allenfalls knapp die Volljährigkeit erreicht haben. Alles soll hip und frisch aussehen. Die meisten tragen weiße Malerüberzüge, andere haben sich in aufreizende Krankenschwesterkostüme gekleidet. Sie alle tanzen, zucken, albern zu House-Rhythmen, die sie sich einbilden müssen, weil sie erst später im Schneideraum eingespielt werden.

Eigentlich wollte Autor Gernot Gricksch, der Romanvorlage und Drehbuch schrieb, Robert mit Ken Duken und Monika mit Martina Gedeck besetzen. Doch die Wahl Schilling/Detmers blieb nicht die einzige Änderung von Leander Haußmann, der die Spannung zwischen Alt und Jung zum Knistern bringen wollte und dies im blutjungen Äußeren des 25-jährigen Schillings und der reifen Ausstrahlung der 44-jährigen Detmers gefunden zu haben scheint. Die gebürtige Niederländerin war die vergangenen sieben Jahre fast ausschließlich in französischen Produktionen zu sehen. Auch Robert Stadlober ging ins Rennen um die Rolle des Robert, doch den Zuschlag bekam letztlich sein Freund Tom Schilling. Stadlober hätte eher dem ehrgeizigen, selbstsicheren und abgeklärten Yuppie entsprochen, der Robert im Roman ist. Der Filmheld dagegen soll ein zurückhaltender Jüngling sein, der erst noch lernen muss, was Liebe ist: Die "Reifeprüfung" lässt grüßen.

Auch am Set müssen Generationengrenzen überwunden werden: Wenn Leander Haußmann mitten in einer Traube junger Darsteller steht, wirkt er - ohne es zu wollen - wie ein Oberlehrer, der seine Eleven zu besseren Schulleistungen animieren möchte. Doch der Unterschied liegt im Detail: "Energie brauche ich", ruft er. Er fuchtelt mit den Armen, rauft sich in den Haaren, greift zu den Getränkepistolen, mit denen einige Komparsen die Plastikbecher der Partygänger füllen. Die Stimmung lockert sich, auch weil Haußmann beherzt selbst zum Schauspieler wird, wenn er zeigen möchte, wie es richtig geht. Ein Komparse ruft: "In der VIP-Lounge wären ein paar hübsche Krankenschwestern nicht schlecht." Haußmann entgegnet augenzwinkernd lakonisch: "Dann nimm dir doch welche." Ein Nebendarsteller spricht seine Zeilen nicht begeistert genug: "Das Game ist der Hammer", schreit Haußmann. "Alles supergeil", schallt es zurück.

Haußmann jagt die perfekte Szene, den perfekten Film: "Jeden Morgen wache ich um 6 Uhr auf, und bin sofort mit dem Kopf dabei, bis ich abends im Bett liege - und auch dann schalte ich nicht ab", sagt er und vergleicht die Dreharbeiten mit einer Schulprüfung: "Ich bin extrem konzentriert, so wie früher bei einer vierstündigen Matheklausur."

Robert Zimmermanns Liebesabenteuer ist für Leander Haußmann das genaue Gegenteil seiner Anfang Dezember in die Kinos kommenden Geschlechtersatire "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken", mit der in Screwball-Manier frei und fröhlich unterhalten werden soll. In seinem neuen Film möchte er aber tiefer schürfen: "Da trifft Tragödie auf Komödie auf Farce, eine Achterbahn der Gefühle. Ich möchte zeigen, wie arm die junge Generation dran ist, die nicht nur die Musik, sondern auch die Erfahrung ihrer Eltern im Genick sitzen hat und dadurch Schwierigkeiten bekommt, ihre eigene Identität zu finden. Der Protagonist heißt ja nicht ohne Grund Robert Zimmermann, der bürgerliche Name Bob Dylans: Robert hat schwer an der Last seiner Vätergeneration zu tragen. Die Zeiten des Experimentierens sind vorbei. Alles ist schon einmal da gewesen. Wir sind gefangen in einem Zeitalter des Reproduzierens. Da spüre ich eine Sehnsucht nach etwas Neuem. Und Robert findet dies in seiner Liebe zu einer alternden Hippie-Frau."

Haußmanns nächster Film, der 2008 gedreht werden soll, wird sich folgerichtig mit der Liebe älterer Paare beschäftigen; und schon wird sie komplett sein: eine Filmtrilogie über die schönen und schwierigen Seiten der unendlichen Geschichte(n) von Mann-Frau-Beziehungen.

Leif Kramp


Regisseur Leander Haußmann (links) setzt auf die Ausstrahlung seines Hauptdarstellers Tom Schilling
Regisseur Leander Haußmann (links) setzt auf die Ausstrahlung seines Hauptdarstellers Tom Schilling (Boje / Buck Produktion)

Bei der Wahl seiner Hauptdarstellerin entschied sich Regisseur Leander Haußmann für Maurschka Detmers.
Bei der Wahl seiner Hauptdarstellerin entschied sich Regisseur Leander Haußmann für Maurschka Detmers. (Boje / Buck Produktion)

Regisseur Leander Haußmanns (rechts) nächster Film "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" startet am 06.12. in den deutschen Kinos. Links Jessica Schwarz und Benno Fürmann.
Regisseur Leander Haußmanns (rechts) nächster Film "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" startet am 06.12. in den deutschen Kinos. Links Jessica Schwarz und Benno Fürmann. (2007 Constantin Film / München)

Datum: 11.11.2007

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