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Youssou N'Dour

Zurück zur den wichtigen Dingen

Sänger Youssou N'Dour

(tsch) Peter Gabriel hat ihn im Rahmen seines Real-World-Konzepts bekannt gemacht, seine Zusammenarbeit mit HipHop-Ikone Neneh Cherry zum Smash-Hit "Seven Seconds" ist berühmt. Inzwischen ist der freundliche, bescheidene Mann aus dem Senegal Botschafter für UNICEF, engagiert sich für Amnesty International und hat einen eigenen Hilfsfund für Kinder ins Leben gerufen. Nun kehrt er musikalisch zurück zu den eigenen Wurzeln. Mit seinem neuen Album "Rokku Mi Rokka" - was so viel wie "Geben und nehmen" bedeutet - lädt Afrikas erfolgreichster Kulturexport zur dritten musikalischen Dokumentation über sein Heimatland und gibt der westlichen Welt Einblick in den Ursprung seiner Musik.

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teleschau: Dies ist das dritte Album, das Deine Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln des Senegals thematisiert. Darin beziehst Du Dich auf die Wüstenmusik aus dem Norden Deines Landes. Was hast Du dort gefunden?

Youssou N'Dour: Eine Seele, denn diese Musik ist grenzübergreifend. Du findest sie in Mali, Mauretanien und dem Senegal. Es ist ein Gebiet mit einem Menschenschlag, der gleich spricht, denkt und fühlt - unabhängig von jenen, die einst die Grenzen gezogen haben.

teleschau: Was macht die Seele dieser Musik aus?

N'Dour: Wenn Du die Musik des Nordens hörst, wirst Du verstehen, warum uns Afrikaner Blues, kubanische Musik und Reggae so berühren.

teleschau: Du verwebst diese Traditionen mit Mbalax, jener rhythmischen, neuen Pop-Musik aus dem Senegal, die Elemente aus karibischer Musik eigenständig weiterführt.

N'Dour: Wer genau hinhört, wird an vielen Stellen diese Einflüsse hören, aus der Karibik, auch aus dem Blues. Ihr Ursprung liegt in Afrika. Man muss allerdings verstehen, dass ich diese Stile keinesfalls kopiere, sondern ganz natürlich Musik mache. Die senegalesische Musik hat sich verändert, ist eigenständig geworden.

teleschau: Du singst in Wolof, deinem Heimatidiom. Worum geht es in den Texten dieses Albums?

N'Dour: Die Platte ist einerseits an uns Afrikaner gerichtet. Wir müssen aufwachen, uns selbst bewusst werden und die Grenzen zwischen uns abbauen. Zum anderen erzählt sie die Geschichte der Menschen im Norden, die dort sehr einfach leben, ohne Elektrizität, ohne Komfort, ohne Technik. Die Menschen leben in sehr engen Beziehungen zusammen, was sehr wichtig, schön und kraftvoll ist. Das Album bezieht sich auf diese Form der Gesellschaft, die einfachen Menschen auf dem Land.

teleschau: Sie wirken trotz des kargen Lebens oft viel glücklicher, als die Menschen der luxuriösen, wohlhabenden, technologisierten westlichen Welt.

N'Dour: Als ich mich mit den Menschen im Norden Senegals traf, spürte ich, wie zufrieden sie trotz aller Entbehrungen sind.

teleschau: Wir dagegen haben nie Zeit und klagen über Zivilisationskrankheiten. Viele Menschen verlieren den Draht zu sich selbst.

N'Dour: Dabei ist der einfache der richtige Weg. Doch diese innere Stimme zu hören, ist schwierig, weil die westliche Welt inzwischen so abhängig von ihrem eigenen System geworden ist. Der beste Weg, ein glücklicher Mensch zu werden, ist, ein einfaches Leben zu führen.

teleschau: Du meinst, statt nach Statussymbolen zu jagen, sollten wir wieder die kleinen Dinge schätzen lernen?

N'Dour: Wenn Du die kleinen Dinge schätzt, wenn Du nur ein einziges Mal erkennst, wie kraftvoll und schön sie sind, dann ist es Deine Pflicht, Dein Leben zu ändern. Aus dieser Perspektive erkennst Du den Sinn des Lebens. Das versuche ich in meiner Musik auszudrücken, und das habe ich auch in einigen Kollaborationen mit verschiedensten Musikern getan, seit einiger Zeit auch im Senegal. Diese Musik war schon immer um mich herum. Ich habe nur nicht zugegriffen.

teleschau: Du verbindest traditionelle Instrumente wie Kora, Riti und Bolafon mit dem Kontext der modernen westlichen Popmusik. Du legst dabei aber großen Wert auf Authentizität.

N'Dour: Für mich ist der Ausdruck wichtiger, als das Instrument. Wenn Du ein afrikanisches Instrument spielst, Du aber nicht aus unserem Kulturkreis kommst, wird das nie "richtig" klingen. Das Wichtigste ist der Mensch, der das Instrument spielt. Nur sein Ausdruck bringt einen Song zum Leben.

teleschau: Der Albumtitel steht als Sinnbild des gegenseitigen Respekts und bedeutet "Geben und nehmen". Was meinst Du damit?

N'Dour: Menschen zu treffen, bedeutet zu geben und zu nehmen, im normalen Leben wie in der Musik. Afrika hat eine Menge zu geben. Die Musik ist sehr reichhaltig, sehr vielfältig und lebendig.

teleschau: Mit Neneh Cherry hattest Du 1994 mit "Seven Seconds" einen Welthit. Auf dem neuen Album hast Du erneut einen Song mit ihr aufgenommen. Wie kam es dazu?

N'Dour: "Seven Seconds" brachte mich damals auf ihren Stil der Popmusik. Diesmal wollte ich Neneh in meine Musik einbinden. Ihr gefiel der Gedanke.

teleschau: Wie war ihre Reaktion? Wie war es, sie wieder zu sehen und mit ihr zu arbeiten?

N'Dour: Sie ist großartig und unglaublich talentiert. Sie hat eine tolle Familie, ist sehr ausgeglichen, auch in ihrer Arbeit. Sie kommt ins Studio, ist sehr konzentriert und folgt ihrem Gefühl. Das ist großartig.

teleschau: Hast Du eine Erklärung, warum sich afrikanische Musik so schwer tut, in der westlichen Welt angenommen zu werden?

N'Dour: In den vergangenen 25 Jahren schotteten sich die einzelnen Kontinente kulturell ab und ließen kaum Einflüsse von außen zu. Sie schlossen ihre Türen und hörten nur noch, was sie selbst können, kennen und was sie selbst repräsentiert. Wenn du nach Afrika kommst, hörst du dort nur afrikanische Musik, in den USA HipHop und Rock, in Europa Pop. Das ist nicht gut. Was unsere Welt braucht, um musikalische Kreativität wieder zuzulassen, ist eine Öffnung und die Neugier, dem anderen zuzuhören.

teleschau: Bedeutet dies, dass Gwen Stefani, 50 Cent und Justin Timberlake nicht im senegalesischen Radio laufen?

N'Dour: (lacht) Nein, die spielen keine Rolle bei uns.

teleschau: Warum bist Du der erfolgreichste Musikexport Deines Landes? Was machst du anders als Deine Kollegen?

N'Dour: Das kommt natürlich durch die Möglichkeiten, die ich durch tolle Kollaborationen mit verschiedenen Künstlern hatte, zum Beispiel durch Paul Simons "Graceland", durch Peter Gabriels "So" oder auch durch Sting. Das führte zu einer veränderten Wahrnehmung dessen, was bei Euch gerne "Weltmusik" genannt wird. Und es führte dazu, dass die Leute hinhörten und Respekt gegenüber afrikanischer Musik bekamen. Ich arbeitete sehr hart daran, den Menschen meine Musik zu erklären.

teleschau: Nicht nur das. Du engagierst Dich mit der "United Nations Foundation Youssou N Dour" für die Kinder Deines Landes. Siehst Du Erfolge Deiner Arbeit?

N'Dour: Es sind nicht genügend, weil diese Probleme noch immer massiv vorhanden sind. Aber ich spreche mit Regierungsvertretern. Die Vereinten Nationen geben mir die Möglichkeit dazu, diese Dinge anzusprechen. Es bewegt sich schon etwas, nur leider viel zu langsam.

teleschau: Du bist im Juli 2005 beim Live-8-Konzert in London mit Dido aufgetreten. Welche Erinnerungen hast Du an dieses Event?

N'Dour: Ich war traurig, weil ich der einzige afrikanische Künstler war. Ich denke, die Organisatoren haben diesen Aspekt völlig unterschätzt. Sie hätten gerade bei diesem Event afrikanische Künstler einladen müssen. Aber es war toll, vor der Weltöffentlichkeit über Afrika reden zu können, Druck auf die Politiker auszuüben, um eine Menge dortiger Probleme anzusprechen.

Stefan Woldach


Auf "Rokku Mi Rokka" kehrt Youssou N'Dour zu seinen musikalischen Wurzeln zurück.
Auf "Rokku Mi Rokka" kehrt Youssou N'Dour zu seinen musikalischen Wurzeln zurück. (Warner Music)

Youssou N'Dour meldet sich mit dem Album "Rokku Mi Rokka" zurück.
Youssou N'Dour meldet sich mit dem Album "Rokku Mi Rokka" zurück. (Warner Music)

Youssou N'Dour ist der musikalische Botschafter aus dem Senegal: "Was unsere Welt braucht, ist eine Öffnung und die Neugier, dem anderen zuzuhören."
Youssou N'Dour ist der musikalische Botschafter aus dem Senegal: "Was unsere Welt braucht, ist eine Öffnung und die Neugier, dem anderen zuzuhören." (Warner Music)

Datum: 11.11.2007

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