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Das Mädchen, das die Seiten umblättert

Das Mädchen, das die Seiten umblättert

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Die Spannung wird irgendwann unerträglich. Dabei hat Denis Dercourt seinen Psychothriller "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" (2006) sehr verhalten inszeniert. Hier gibt es keine oberflächlichen Schockeffekte, keine Tricks, keine falschen Fährten, die künstlich für Verwirrung sorgen. Aber es gibt diese nervenzerfetzende Spannung. Und den unbändigen Rachedurst einer jungen Frau, die sich ein perfides Spiel der Abhängigkeiten ausdenkt, um ihn zu stillen. Leise, kalt berechnend und unendlich grausam. Nach euphorischen Kritiken und 150.000 Kinozuschauern in Deutschland erscheint die Filmkunstperle nun auch auf DVD.

Zwei Frauen bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Die eine ist die Tochter einfacher Leute und will Klavierspielerin werden. Die andere, Ariane (Catherine Frot, zurzeit als "Odette Toulemonde" im Kino), ist eine gefeierte Pianistin und entscheidet über die Aufnahme am Konservatorium. Auf die Prüfung hat sich die außergewöhnlich begabte Mélanie akribisch vorbereitet. Doch sie fällt durch und gibt Ariane die Schuld. Da man sich immer zwei Mal im Leben sieht, schwört das kleine Mädchen sehr still und gefasst Rache.

Zehn Jahre nach der kühlen Prelude ist die Zeit dafür gekommen. Mélanie, jetzt von der geheimnisvoll und unterkühlt wirkenden Déborah François ("L'Enfant") mit minimaler Mimik gespielt, schleicht sich unerkannt in das Leben und Herz Arianes. Sie kommt als Kindermädchen ins Haus der Pianistin, gewinnt ihr Vertrauen und wird schließlich die Umblätterin der in einer Schaffenskrise steckenden Diva. Eine Position, von der Wohl und Wehe eines Konzertes abhängig sind.

Die Rache, so wiederholte die Braut in "Kill Bill" immer wieder, ist ein Gericht, dass am besten kalt serviert wird. Regisseur Denis Dercourt kommt nahe an den absoluten Nullpunkt. Dabei erzählt er vom Aufstieg und Fall zweier Frauen aus grundverschiedenen Milieus, deren vordergründige Gemeinsamkeit ihre Vorliebe für Bach ist. In Wahrheit sind sie sich ähnlicher als sie denken und können deshalb problemlos die Opfer- und Täterrollen tauschen. Begehren, Abhängigkeit und Hass sind die sorgfältig abgewogenen, giftigen Zutaten, die hier ziemlich geradlinig serviert werden.

Der perfide Mix entfaltet seine volle Wirkung zwar erst ganz zum Schluss, breitet sich aber - in gewollt plakativen Bildern und reduzierten Szenen - wie ein wohl dosiertes, schleichend wirkendes Gift aus. In aufmerksamen Blicken und verstohlenen Berührungen stecken Sehnsüchte und Verlangen bis hin zum erotischen Knistern. Subtil, aber mit berechnender Lust lässt Dercourt die Pianistin ins Verderben rennen. Das Unheil kommt hier zwar auf leisen Sohlen und anders als erwartet, ist dafür aber umso nachhaltiger, brutaler und von zerstörerischer Wucht.

Kontrastreich und scharf wurden die kühlen Bilder auf DVD bis ins Detail präzise transferiert. Auch der Ton überzeugt. Der 5.1-Mix weist glasklare Dialoge auf und gibt Bachs hier sogar hypnotisch wirkende Musik gut wieder. Als Extra wurde ein ausführliches Making Of auf die DVD gepackt.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Französisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Making Of
laufzeit 81 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 17 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(F 2005, R: Denis Dercourt, D: Déborah François, Catherine Frot, Pascal Greggory u.a.)


Auch wenn der Titel "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" unscheinbar klingt, ist die Rache einer gekränkten Klavierspielerin in diesem leise erzählten, aber sehr wirkungsvollen Psychothriller gnadenlos.
Auch wenn der Titel "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" unscheinbar klingt, ist die Rache einer gekränkten Klavierspielerin in diesem leise erzählten, aber sehr wirkungsvollen Psychothriller gnadenlos. (Alamode Film)

Die berechnende Mélanie (Déborah François, rechts) will sich an der verunsicherten Pianistin Ariane (Catherine Frot) für ein erlittenes Kindheitstrauma rächen.
Die berechnende Mélanie (Déborah François, rechts) will sich an der verunsicherten Pianistin Ariane (Catherine Frot) für ein erlittenes Kindheitstrauma rächen. (Alamode Film)

Mélanie (Déborah François) musste ihren Traum von einer Karriere als Pianistin aufgeben.
Mélanie (Déborah François) musste ihren Traum von einer Karriere als Pianistin aufgeben. (Alamode Film)

Datum: 13.11.2007

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