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Maria Schrader

Die Romantik der Langsamkeit

Regisseurin, Schauspielerin Maria Schrader

(tsch) Maria Schrader wirkt wirklich sehr filigran. Doch ihre schmalen Schultern hielten sie nicht von einem großen und sehr mutigen Schritt ab: Nach diversen Vorübungen an der Seite von Dani Levy führte die Schauspielerin das erste Mal alleine Regie. Dreieinhalb Monate lebte sie deswegen in Israel, wo das Gros der Bestsellerverfilmung von Zeruya Shalevs "Liebesleben" (Bundesstart: 08.11.) passierte. Doch das war längst nicht der größte Aufwand für dieses Projekt. Der Bundesfilmpreis 1999 für ihre Leistung in "Meschugge" war Lohn für acht Jahre Arbeit. Mit ihrem damaligen Lebensgefährten Dani Levy schrieb sie das Drehbuch, führte Regie und stand, wiederum mit ihm, vor der Kamera. Die erste Begegnung mit "Liebesleben", dem Roman der israelischen Autorin, ist bereits sieben Jahre her. Gut Ding braucht wirklich Weile. Einfach war es nicht, die scheinbar destruktive Affäre zwischen der mädchenhaften Jara und dem sehr viel älteren Freund ihres Vaters zu bebildern. Leicht hätte der schwierige Stoff entgleiten können, zu erotisch oder einfach albern gewirkt. Es dauerte einige Drehbuchfassungen, bis sich Maria Schrader vom Buch entfernte und dem Film seinen eigenen Raum gab. So entstand die gut austarierte, mehr private denn politische Geschichte einer jungen Frau. Die überdies außerordentlich spannend anzuschauen ist. Und eine andere Frau, 42, und seit 15 Jahren erfolgreiche Schauspielerin, mit stillem Stolz erfüllt.

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teleschau: Eigentlich wollten Sie das Buch von Zeruya Shalev nicht mal lesen.

Maria Schrader: Ursprünglich hatte ich die Anfrage zu einer gemeinsamen Lesereise unbesehen abgesagt, weil ich keine Erfahrung damit hatte und es sich anstrengend anhörte. Dann aber lag das Buch in meinem Briefkasten, und ich wollte die Frau kennenlernen, die diese Geschichte geschrieben hatte, die mich so berührte, mit der ich mich identifizieren konnte.

teleschau: Aber man kann ja ein Buch genießen, ohne sich gleich die wirklich schwierige Aufgabe seiner Verfilmung aufzuhalsen.

Maria Schrader: Ja, aber wer weiß, was schon alles an mir vorbeigezogen ist. Das Romantische war, wie sich dieses Projekt nach und nach entwickelte. Wir haben während dieser ersten Lesereise über einen Film nachgedacht - und so fing ich an, das Drehbuch zu schreiben. Damit hatte ich ja Erfahrung. Aber die Entscheidung, Regie zu führen, fiel erst viel später.

teleschau: Warum haben Sie sich gegen die Rolle vor der Kamera entschieden?

Maria Schrader (nach langer Pause): Ich habe schon so lange mit einer Regiearbeit geliebäugelt. Die Rolle wäre großartig gewesen. Aber eine Frau zu spielen, die die Kontrolle verliert und gleichzeitig der Chef des Ganzen zu sein, passte nicht zueinander.

teleschau: Sie wollten also nicht in den gleichen Strudel wie Jara geraten?

Maria Schrader: Ja genau, denn in den gerät man sowieso genug. Wobei viele meiner Sorgen, die ich mir gemacht habe, im Nachhinein betrachtet, unnötig waren. Denn es gibt ja auch noch ein Team, das mit einem arbeitet.

teleschau: Als Schauspielerin sprachen Sie davon, dass man bei einem Projekt manchmal merkt, dass der Regisseur eine andere Vorstellung hat als man selbst. Scheuten Sie in ihrer neuen Rolle die Konfrontation?

Maria Schrader: Ich wollte, dass es allen gut geht, und war auf Harmonie bedacht. Aber Angst vor den Schauspielern hatte ich nicht, dafür bin ich zu nah dran.

teleschau: Sie sprachen von 15 bis 1.000 Möglichkeiten, diesen Film zu drehen. Wer half Ihnen bei Entscheidungen?

Maria Schrader: Wenn man das erste Mal Regie führt, reizt einen die Erfahrung mit sich selbst: alleine entscheiden zu müssen, den eigenen Weg der Umsetzung zu finden. Partnerschaftliches Arbeiten mit Dani (Levy, Anm. d. Red.) war ich gewohnt, da gab es einen steten Dialog. Dafür stand jetzt die Chance, etwas selbstständig gestalten zu können. Natürlich war ich manchmal unsicher, und natürlich bekamen Menschen meines Vertrauens die verschiedenen Fassungen. Dani war die Nummer 1, wie ich auch die Erste war, die "Mein Führer" gelesen hat. In dem Punkt sind wir uns erhalten geblieben.

teleschau: Wie viel Kraft hat das gekostet?

Maria Schrader: Es gab eine riesige Krise kurz vor Drehbeginn, auch in dem Fall habe ich zuerst Dani angerufen, obwohl er Tausende Kilometer weit weg war. Es tat gut, jemanden da zu wissen, der einem vertraut ist und helfen kann. Überhaupt ist am Ende des Tages Film ein Miteinander. Einfach Live-Momente mit vielen Beteiligten, die man gar nicht alleine in der Hand hat. Genau das interessiert mich und ist auch der Grund, warum ich Schauspielerin geworden bin.

teleschau: Auch die Autorin war mit am Set.

Maria Schrader: Das muss für sie im Grunde ein Schock gewesen sein. Ihre Figuren leben in der Fantasie, das ging ja selbst mir so. Ich hatte so genaue Vorstellungen von den Charakteren, dass ich zuerst überfordert war, beim Casting richtigen Menschen gegenüberzusitzen, auf die ich mich einlassen sollte.

teleschau: Sie haben selbst schon gesagt, dass man unmöglich die Erwartungen der Leser erfüllen kann.

Schrader: Ich konnte sehr starke Szenen aus dem Buch nicht in den Film retten, denn der entwickelt eine Eigendynamik. Das bedeutet, ich konnte nicht einfach alles, was mir an der Vorlage gefällt, zusammenklauben.

teleschau: Wenn wir uns in zehn Jahren wieder treffen, wie viele Filme sind dann mit ihnen als Regisseurin entstanden?

Schrader (lacht, schweigt): Ich hatte keine Ahnung, auf welche Reise ich mich begebe ... Ich hoffe, dass ich in einigen Jahren noch einmal Regie geführt haben werde, vielleicht sogar mehrmals.

teleschau: Vielleicht ein weiteres Buch von Zeruya Shalev?

Schrader: Wenn ich "Liebesleben" nicht gemacht hätte, hätte ich vielleicht ein ähnliches Erlebnis mit "Späte Familie" gehabt. Und ich möchte das für die Zukunft auch gar nicht ausschließen. Aber nicht als Nächstes.

Claudia Nitsche


Maria Schrader, 42, liebäugelte schon lange mit einer Regiearbeit.
Maria Schrader, 42, liebäugelte schon lange mit einer Regiearbeit. (X Verleih)

Die Autorin der Buchvorlage, Zeruya Shalev (links), und Regisseurin Maria Schrader trafen sich am Set. "Das muss für sie im Grunde ein Schock gewesen sein. Ihre Figuren leben in der Fantasie", sagt Maria Schrader.
Die Autorin der Buchvorlage, Zeruya Shalev (links), und Regisseurin Maria Schrader trafen sich am Set. "Das muss für sie im Grunde ein Schock gewesen sein. Ihre Figuren leben in der Fantasie", sagt Maria Schrader. (X Verleih)

Beim Dreh von "Liebesleben", von links: Zeruya Shalev, Maria Schrader und Kameramann Benedict Neuenfels.
Beim Dreh von "Liebesleben", von links: Zeruya Shalev, Maria Schrader und Kameramann Benedict Neuenfels. (X Verleih)

Datum: 12.11.2007

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Artikel ID 192638

 
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