(tsch) Texanische Frömmigkeit: Sie durfte zu Hause weder fluchen noch den Namen des Herrn missbrauchen. Und Werte wie Mitgefühl, Respekt und Ehrfurcht vor dem Leben vermittelt sie heute ihren eigenen Kindern. Reese Witherspoon passt so gar nicht in das Klischee der affektierten, blonden Hollywood-Diva, die mehr durch strapaziöses Verhalten als durch wirkliches Können auffällt. "Traurig und merkwürdig" findet sie das ständige Posieren und "nach Aufmerksamkeit lechzen" der zahlreichen It-Girls. Erfolg hat die Aktrice auch ohne Star-Allüren und Schönheitsoperationen: mit ihrer eigenen Produktionsfirma "Type A Films" und vor allem mit ihrem großen Talent. Das kann sie auch in ihrem aktuellen Thriller "Machtlos" (Kinostart: 22.11.) an der Seite ihres Filmpartners Jake Gyllenhaal unter Beweis stellen.
Anzeige
Jake Gyllenhaal - war da nicht was? Immer wieder werden die beiden Schauspieler turtelnd beobachtet, dementieren aber fleißig eine feste Beziehung. Rein platonisch sei ihr Verhältnis, erzählt Witherspoon, die ihren Kollegen als "freundlich, großzügig und lustig" charakterisiert. Eine verfrühte Bekanntgabe wäre auch pikant. Immerhin handelt es sich bei Gyllenhaal um den (ehemaligen) besten Freund ihres Ex-Mannes Ryan Phillippe, von dem sie sich im Oktober 2007 im verflixten siebten Jahr scheiden ließ. Dabei begann ihre Liaison ebenso kurios wie vielversprechend: Durch Zufall war Phillippe auf ihrem 21. Geburtstag gelandet. Als ihm die hübsche Blondine vorgestellt wurde, war es für beide die berühmte "Liebe auf den ersten Blick".
Es folgte ein Happy End: Beziehung, Heirat, zwei Kinder, Traumpaar-Status. Bis die hübsche Reese dem Vernehmen nach schlüpfrige Mails der Schauspielkollegin Abbie Cornish auf dem Blackberry ihres Mannes fand. Zu viel für die prinzipientreue Mimin: Trennung, Scheidung, Neuanfang. Für Phillippe brach eine Welt zusammen, er dachte - laut dem Magazin "Man About Town"- sogar an Selbstmord: "Nach der Trennung war ich ein Wrack. Ich wollte sterben. Ich war so weit, mich umzubringen." Auch für Reese Witherspoon keine leichte Zeit, die sie mit Schweigen oder resignierenden Aussagen wie "Liebe ist etwas Wunderbares! Aber manchmal bleibt sie im Alltag auf der Strecke" überbrückte. Kein schlechtes Wort über ihren Ex. Das empfände sie als stillos. Und die Frau hat unglaublich viel Stil.
Die Karriere der Südstaatenschönheit begann schon im zarten Alter von sieben Jahren, als sie einige Fernsehspots drehte und nebenher modelte. Mit 14 bekam sie dann ihre erste Hauptrolle in dem Drama "Der Mann im Mond" - für eine Statistenrolle hatte sie vorgesprochen. Es folgte eine Reihe mehr oder weniger bedeutender Filme (1996: "Fear", 1998: "Pleasantville", "Im Zwielicht", 1999: "Eiskalte Engel"), bis sie 1999 für ihre Darstellung in der Satire "Election" eine Golden-Globe-Nominierung erhielt. Zwei Jahre später kam dann mit der Komödie "Natürlich blond" der endgültige Durchbruch. Seitdem gehört Reese Witherspoon zu den bestbezahltesten Schauspielerinnen der Traumfabrik. Den zweiten Teil der Geschichte um das naive Blondchen produzierte sie gleich selbst. 2006 brillierte die Schauspielerin dann als June Carter im Johnny-Cash-Biopic "Walk the Line". Der Lohn: Sie gewann einfach alles. BAFTA-Award, Golden Globe, Oscar.
Der kleine, goldene Mann darf von jedem, der sie besucht, berührt werden - unter der Voraussetzung, dass der Glückliche dann eine Rede hält. Das komische Talent hat sie nicht nur vor der Kamera. Und ganz uneitel bekannte sie gegenüber dem "New! Magazin!": "Ich habe am ganzen Körper Schwangerschaftsstreifen und Cellulite, aber das ist mir total egal. Meine Figur wird nie wieder so straff wie früher sein, aber es gibt wirklich Wichtigeres im Leben." Diese Schönheitsmakel seien schließlich das Ergebnis ihrer wundervollen Kinder Ava (8) und Deacon (4), um die sich die viel beschäftigte Witherspoon (momentan produziert ihre Firma die Weihnachtskomödie "Four Christmases" mit Vince Vaughn) alleine kümmert. Eine Nanny brauche sie nicht. Das Sorgerecht teilt sich die Schauspielerin mit ihrem Ex-Mann.
Zurzeit promotet Reese Witherspoon das Polit-Drama "Machtlos" (Kinostart: 22. November), in dem sie die amerikanische Frau eines Ägypters spielt, der nach einem Selbstmordanschlag als vermeintlich Verdächtiger auf einem Flug nach Amerika von der Behörde "Homeland Security" "einkassiert" und ohne Anklage oder Anwalt in ein Foltergefängnis gebracht wird. "Extraordinary Rendition" - "außerordentliche Auslieferung" heißt dieses Procedere, das in den Staaten seit den 90er-Jahren praktiziert wird. Witherspoon, die bisher davon nichts wusste, äußerte sich besorgt über das Thema: "Es ist schockierend, dass die Menschen, die eine derartige Folter erleben mussten, keinerlei Chance zur Regressklage bekommen. Ich bin wirklich stolz darauf, an einem Projekt mitzuwirken, dass diese Praxis ans Licht der Öffentlichkeit bringen will." - Eine ambitionierte Frau, die gerade einen Vertrag mit der Kosmetikfima "Avon" abgeschlossen hat, um sich als Botschafterin für wohltätige Projekte zu engagieren. Vielleicht wird sie dabei von ihrem Filmpartner Jake Gyllenhaal begleitet, der sich kürzlich in der Zeitschrift "Gala" zumindest zu folgendem Bekenntnis hinreißen ließ: "Sie ist eine wunderbare Frau und eine wunderbare Schauspielerin". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Jana Große
Reese Witherspoon spielt die Hauptrolle in dem Politthriller "Machtlos". (2007 Warner Bros. Ent.)
In ihrem neuesten Film "Machtlos" spielt Reese Witherspoon die besorgte Ehefrau Isabella Fields El-Ibrahim. (2007 Warner Bros. Ent.)
Der Oscar als verdienter Lohn: Reese Witherspoon als June Carter im Biopic "Walk the Line". (2005 Twentieth Century Fox)