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Duran Duran - Red Carpet Massacre

Duran Duran Red Carpet Massacre

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Ein Kollege stellte unlängst die kühne Behauptung auf, die Musiker von Duran Duran würden gar nicht wissen, dass sie ein neues Album aufgenommen haben. Das ist natürlich Unsinn, denn sie haben ja Interviews zu der Platte gegeben. Aber es ist ein Ansatz, der durchaus erklärbar ist. "Red Carpet Massacre" klingt nach denen, die es produzierten: nach Timbaland, nach Justin Timberlake, nach Nate Hills. Alles Bescheidwisser aus Amerika, die dafür sorgten, dass der eher fantasielose Radio-Pop der letzten Studioalben "Pop Trash" (2000) und "Astronaut" (2004) radikal erneuert wurde.

2007 klingen Simon LeBon, Nick Rhodes, John Taylor und Roger Taylor nach New York. So, als hätte man sie einmal quer durch die Stadt gejagt und die Zeit genutzt, das Haus Duran Duran mit der Abrissbirne zu bearbeiten. Jeder Schuss ein Treffer, weg mit dem letzten Jahrtausend und diesem gnadenlos ambivalenten Herumgeeiere des Genres.

Zu diesem Zeitpunkt muss dann "Nite-Runner" entstanden sein, diese Zusammenarbeit mit Justin Timberlake und Timbaland. Futuristischer Groß-Pop mit einer Hook, die alles wegbläst. Das Heft aus der Hand geben, nur noch so etwas wie der Honorarkonsul der eigenen Laufbahn sein: vielleicht die einzige Lösung für eine in die Jahre gekommene Band. Zumindest zeigt das auch der Rest der Platte, denn auch die beiden anderen Höhepunkte sind die, bei denen die Bestverdiener des US-Pops mitmischten. "Falling Down", etwas traditionalistischer, schafft den Spagat, ist Pop in einem kulturhistorischen Sinne und R'n'B, was die Beats angeht. Oder auch: das Beste zweier Welten, James Brown und die Beatles gleichzeitig, hochgerechnet auf die Moderne. Und "Skin Divers" kommt mit einem unfassbaren Timbaland-Rap. Hätte man so vor drei Jahren auch nicht von einem Duran-Duran-Song erwartet.

Natürlich halten nicht alle Songs dieses Niveau. Aber Duran Duran arbeiten stringent. Auch "Tempted" oder "Zoom In" funktionieren eher über den Klang als über irgendwelche Melodiebögen, sind eher Tanzfläche als Wohnzimmer. So entsteht ein Bogen zurück zu den Ursprüngen der Band, zur kühlen Ästhetik der 80er-Jahre, was ja auch Sinn dieser Neudefinition gewesen sein dürfte. Alles hervorragend gelungen - Höchstnote und für Duran Duran die Schubrakete zurück in die Relevanz.

Jochen Overbeck


Datum: 26.11.2007

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