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Seal - System

Seal System

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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und große Männer werfen große Schatten. Aber ob das neue Seal-Album "System" wirklich ein großes Ereignis ist, oder ob der Schmusebarde dank seiner werbewirksam wirbelnden Frau, Heidi Klum, bald nur noch in Katjes-Bonbons badend VW fährt, während er in Hamburger beißt, das wird das kommende Album zeigen müssen. Denn Seals letztes Werk, die Live-DVD "One Night To Remember" (Platz 88 in Deutschland) war ein relativer Flop, und es könnte sein, dass sich "System" nun als eine Art letzte Chance beweisen muss.

Seal versucht, sich ein neues Publikum zu erspielen. Er bewegt sich ein bisschen weg vom unerschütterlichen Pop-Heroen, buchte den House-Producer Stuart Price und rührt den lockeren Teig flockiger Dance-Bisquits - natürlich nicht ohne zumindest melodisch und stimmlich noch an seinen früheren melancholischen Personalstil gebunden zu sein.

So kommt es, dass sich Seal gleich in den ersten Takten des Openers "If It's In My Mind, It's On My Face" jener "ufz ufz"-Dancerhythmen bedient, der ihn mit seinem Erstling "Killer" (gemeinsam mit Adamski) so in das Licht des öffentlichen Interesses katapultierte. Auch die Single "Amazing" und fast alle anderen Tracks, besonders "The Right Life" (sehr schön!) blubbern im Sophie-Ellis-Bextor-Hybridklang zwischen Pop, Club und House. Die tanzbaren Beats weichen konservigen Sounds, und die Anwesenheit vereinzelter, einsamer Analogklänge dürften dem Co-Komponisten Eric Schermerhorn (The The) zu verdanken sein. Stuart Price produzierte übrigens das Madonna-Album "Confessions On A Dance Floor", gilt also als Mann für gewagte Karriere-Rettungsaktionen. Was fehlt am Seal-Album? Oder fehlt nichts? Passt Seal einfach nicht mehr in die Zeit? Passt House nicht zu Seal? Das Album ist an sich angenehm, lässig, dubby. Seals soulige, leicht heisere Stimme ist so sexy und doch distanziert wie immer. Kreativ ist er auch. "Dumb" erinnert gar an Jethro Tull, "Immaculate" ist ein hochspannendes Experiment mit Harmonien, und dass Seal auf "Wedding Day" seine Frau mit aufs Album nahm, lässt sich mit der rosa Brille des dauer-frischen Liebestaumels erklären.

Aber Seal fehlt der Biss, der Pathos von früher, dieses einsame-Wolf-Ding. Klar, andere schaffen es mit drei kleinen Kindern noch nicht einmal mehr, morgens zu duschen, aber dass sich Seal nun als Hausmann und House-Mann beweisen möchte, war wohl ein wenig zu viel für ihn.

Kati Hofacker


Datum: 26.11.2007

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Diskussion: "Seal - System"

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