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Duran Duran

"Sex gehört auf die Tanzfläche"

Band Duran Duran

(tsch) Das Gore Hotel in London sah schon viele Größen des Musikgeschäfts. Robbie Williams hält hier gerne mal einen Plausch mit der Presse, genau wie Celine Dion. In den schmalen Gängen und den kleinen Zimmern fühlt sich der Besucher eher wie in einer Pension als in einer Luxusabsteige. Auch Nick Rhodes und Roger Taylor entschieden sich diesmal für den traditionellen Charme des Understatements. Der Keyboarder und der Schlagzeuger vertreten "Duran Duran", jene Band, die Ende der 70er-Jahre Musikgeschichte schrieb und wohl wie keine andere Kombo für den Discosound der 80-er steht. Nach dem gelungenen Comeback 2001 veröffentlichen die Briten nun das beatlastige Tanzalbum "Red Carpet Massacre", für das sie unter anderem mit Erfolgsproduzent Timbaland zusammenarbeiteten. Anlass genug, im exklusiven Interview über alte Zeiten und neue Herausforderungen zu sprechen.

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teleschau: Euer neues Album klingt nicht gerade nach Nostalgie. Ihr scheint die 80-er nicht zu vermissen.

Nick Rhodes: Wieso auch? Wir waren doch hautnah dabei. So was muss man nicht noch mal durchmachen, auch wenn's schön war.

Roger Taylor: Unser Motto ist: Spaß haben, weitermachen, bloß nicht stehen bleiben. Das ist das Geheimnis, warum wir längst noch nicht von der Bildfläche verschwunden sind. Wenn wir uns mit nostalgischen Erinnerungen aufhalten würden, könnten wir uns nicht entwickeln.

teleschau: Verlasst Ihr Euch dabei nicht allzu sehr auf markerschütternde Groove-Rhythmen?

Taylor: Es geht nicht nur um Grooves, sondern um eine starke sexuelle Energie. Das kommt nicht von ungefähr: Wenn fünf Männer zusammensitzen, dann gibt es immer einen sexuellen Subtext.

Rhodes: Sex gehört auf die Tanzfläche, also auch in die Musik, um die Leute zum Tanzen zu bringen.

teleschau: Seid Ihr selbst gute Tänzer?

Taylor: Dazu muss ich schon einige Drinks intus haben, sonst geht bei mir gar nichts.

teleschau: Gehört Ihr jetzt zur alten Garde?

Rhodes: Es ist albern, zu glauben, dass Menschen ab einem bestimmten Alter keine Popmusik mehr mögen. Wir arbeiteten mit Justin Timberlake, Nate Hill und Timbaland zusammen. Das sind Musiker einer ganz anderen Generation. Trotzdem haben wir im Studio keinen Altersunterschied gespürt.

teleschau: Fühlt Ihr Euch als Trendsetter?

Rhodes: Das sollen andere beurteilen. Was ich aber selbst im Rückblick bemerke, ist, dass wir einige musikalische Gefilde erkundet haben und andere damit in dieselbe Richtung stupsen konnten.

Taylor: Mit unseren Konzerten haben wir schon Trends gesetzt. Das wollen wir fortsetzen. Wir präsentieren als erste Band überhaupt unser Album auf dem New Yorker Broadway - eine große Ehre.

teleschau: In "Zoom In" singt Ihr über die Internetplattform Second Life.

Rhodes: Im Laufe dieses Jahres noch wollen wir das Duran-Duran-Universum in Second Life zum Leben erwecken. Es ist unglaublich komplex, umfasst viele Gebäude, spezielle Areale wie Chill Out-Zonen, Bars, sogar ein Casino, wo es aber kein Glücksspiel gibt. Zahllose Leute können in Form ihres zweiten Ichs als Avatare dort hingehen und miteinander ins Gespräch kommen.

teleschau: Im Internet finden sich schon jetzt über 100.000 Fan-Webseiten zu Duran Duran. Ist Euer anhaltender Erfolg ohne das Internet überhaupt vorstellbar?

Rhodes: Es dürfte allen Musikern klar sein, dass das Internet für sie mittlerweile zum wirksamsten Werkzeug geworden ist, wenn es darum geht, mit den Fans in Kontakt zu treten und in Kontakt zu bleiben. Wer seine Zuhörer ernst nimmt, geht nach einem Konzert online und schaut, was das Publikum über die Performance in den Pinboards und Chaträumen schreibt. Die Diskussionen gehen sofort nach dem Schlussakkord los.

Taylor: Was wir auf unseren Konzerten spielen, bestimmen im Endeffekt die Fans, indem sie uns über E-Mails Vorschläge schicken.

teleschau: Wieso kritisiert Ihr dann mit "Red Carpet Massacre" die schöne neue Medienwelt?

Taylor: Was wir uns erarbeitet haben, ist mehr als der 15-Minuten-Ruhm, den man heutzutage überall beobachten kann. Wir können uns also durchaus eine Meinung über den Starzirkus erlauben.

Rhodes: Heute geht es nur noch ums Berühmtsein. Das hängt uns zum Hals raus.

teleschau: Was hat den Impuls gegeben, ein ganzes Album unter dieses Thema zu stellen?

Rhodes: In mir hat sich die Wut auf diese Promi-Kultur schon lange aufgestaut. Es musste jetzt einfach mal raus.

teleschau: Während der Produktion verließ Gitarrist Andy Taylor die Band.

Rhodes: Zweifellos gab es einige einschneidende Veränderungen, was die Bandmitglieder anging. Im Laufe der Zeit war es ein Kommen und Gehen. Aber wir sind jetzt schon in unserem dritten Jahrzehnt. Das beweist doch eine gewisse Funktionalität, vor allem heute: Wir arbeiten konzentrierter als jemals zuvor. Niemand nimmt Drogen oder unternimmt Selbstmordversuche.

teleschau: Kann man sich darauf verlassen, dass jetzt alle Mitglieder ihre Mitte gefunden haben und endlich zusammenhalten?

Rhodes: Das hängt nicht nur von uns ab. Voraussetzung ist zwar, dass wir mit unserer Arbeit zufrieden sind, doch muss sie auch gekauft werden. Unsere Band manifestiert sich an einem gewissen Erfolgsniveau. Darunter läuft nichts.

teleschau: Wie nötig war der Input aus Übersee, um sich neu erfinden zu können?

Rhodes: Jeder von uns hat sich mittlerweile selbst bewiesen, dass er aus eigener Kraft Songs schreiben, produzieren und vermarkten kann. Doch wir alle wollten einen Wandel. Und wer könnte da besser helfen als ein Kreativteam wie das um Timbaland? Er ist der einzige Produzent, auf den wir uns sofort einigen konnten. Er macht die modernste Musik und ist an sich schon ein interessanter Typ, der es liebt zu experimentieren und förmlich darauf brannte, erstmals mit einer Band zusammenzuarbeiten.

teleschau: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Justin Timberlake?

Taylor: Justin lernten wir während der Brit-Awards 2003 kennen, als er uns eine der Auszeichnungen überreichte. Er outete sich als großer Fan, der mit Songs wie "Ordinary World" und "Come Undone" aufgewachsen ist. Es war also eher die Faszination von seiner Seite, die uns neugierig machte. Als wir dann seine Alben hörten, sahen wir Potenzial.

teleschau: Euer neues Album klingt mehr nach New York als nach Birmingham. Habt Ihr Eure britische Seele verkauft?

Rhodes: Ich hoffe, das Publikum wird es uns nachsehen. Wir brachten schon immer viele Eindrücke aus New York in unsere Arbeit ein. In den 90-ern verbrachten wir mehr Zeit drüben als in der guten alten Heimat. "Red Carpet Massacre" ist etwas ganz Neues, aber dennoch als typisch Duran Duran zu identifizieren.

teleschau: Was macht New York für Musiker so besonders?

Rhodes: Es ist eine Metropole, die eine beispiellose Energie ausstrahlt und jeden erfasst, der sie besucht, sie bewohnt. New York ist voll von Ideen. Es ist schnell, effektiv, kreativ. Wenn man etwas umsetzen will, sollte man keinen Moment warten, sich ins Flugzeug zu setzen und dorthin fliegen. Ich fühle mich immer zwischen meiner Heimat London und New York hin und hergerissen.

teleschau: Wie messt Ihr Erfolg?

Rhodes: Ein Song muss die öffentliche Aufmerksamkeit erregen, sich in das kollektive Bewusstsein drängen, damit Konzerte auch in Zukunft ihre magische Wirkung entfalten. Radiosender und Nachtklubs müssen unsere Musik spielen. Aber auch Plattenkritiken sind wichtig. Das ist Erfolg - und Grundvoraussetzungen für eine gelungene Konzerttournee.

teleschau: Wieso kommt Ihr so selten nach Deutschland?

Rhodes: Wir hatten es nie leicht in Deutschland. Wenn eine Platte gut ankam, fuhren wir mit der nächsten einen Misserfolg ein. Mal spielten uns die Radiosender, mal nicht. Man muss also verstehen, wenn wir mehr Zeit in den USA, Großbritannien oder Japan und Australien verbringen. Wir gehen zuerst dorthin, wo wir genau wissen, dass es funktioniert.

Taylor: Dabei ist der deutsche Markt für uns enorm wichtig. Wir hatten eine solch tolle Zeit dort in den 80-ern. Es wäre schön, wenn wir wieder häufiger zu Euch kommen könnten. Zuerst müsst Ihr aber das Album kaufen.

Leif Kramp


"Es ist albern zu glauben, dass Menschen ab einem bestimmten Alter keine Popmusik mehr mögen", sagt Nick Rhodes, Keyboarder von Duran Duran (Zweiter von links).
"Es ist albern zu glauben, dass Menschen ab einem bestimmten Alter keine Popmusik mehr mögen", sagt Nick Rhodes, Keyboarder von Duran Duran (Zweiter von links). (SONY BMG)

Duran Duran sind nicht wegzudenken aus dem Musikgeschäft. Damit das so bleibt, machen sie mit "Red Carpet Massacre" erneut deutlich, wo sie stehen: nämlich oben.
Duran Duran sind nicht wegzudenken aus dem Musikgeschäft. Damit das so bleibt, machen sie mit "Red Carpet Massacre" erneut deutlich, wo sie stehen: nämlich oben. (SONY BMG)

Duran Duran halten engen Kontak zu ihren Fans. "Was wir auf unseren Konzerten spielen, bestimmen im Endeffekt die Fans, indem sie uns über E-Mails Vorschläge schicken", sagt Schlagzeuger Roger Taylor (Zweiter von links).
Duran Duran halten engen Kontak zu ihren Fans. "Was wir auf unseren Konzerten spielen, bestimmen im Endeffekt die Fans, indem sie uns über E-Mails Vorschläge schicken", sagt Schlagzeuger Roger Taylor (Zweiter von links). (SONY BMG)

Datum: 20.11.2007

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