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Manufacturing Dissent

Manufacturing Dissent

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Es gab einmal (und gibt noch) einen US-Amerikaner aus Flint, Michigan. Der Mann kämpft(e) mit großem Einsatz gegen die dummen weißen Männer in seinem Land, die Arbeitsplätze zerstören oder arme US-Boys in den Krieg schicken. Dieser Mann heißt Michael Moore (zurzeit mit der Gesundheitssystemkrititk "Sicko" im Kino) und seine Waffe sind Dokumentarfilme. Er hat für eine Renaissance des Genres gesorgt und es in den Mainstream gebracht. Moore gewann den Oscar für "Bowling for Columbine" (2002) und brach mit "Fahrenheit 9/11" (2004) Zuschauer- und Einspielergebnisrekorde. Doch der Erfolg hatte einen hohen Preis: Die Wahrheit musste sich in Michael Moores Filmen dem Willen des Regisseurs beugen. Die kanadischen Filmemacher Rick Caine und Debbie Melnyk setzten sich im jetzt auf DVD erhältlichen "Manufacturing Dissent" (2007) kritisch, aber fair mit dem streitbaren Filmemacher auseinander.

Moore sieht sich als Ikone der amerikanischen Linken und hat in dieser sorgsam inszenierten Funktion eine Menge Fans auf der einen aber auch genauso viele Feinde auf der anderen Seite. Rick Caine und Debbie Melnyk gehörten eher zur Kategorie Bewunderer, als sie während Michael Moores Promo-Reise für "Fahrenheit 9/11" und seiner "Slacker Uprising Tour" (Moore wollte dadurch die Wahlbeteiligung unter den Jugendlichen erhöhen) mit den Dreharbeiten für "Manufacturing Dissent" begannen.

Die ersten Interviews mit Zeitgenossen und ehemaligen Kollegen förderten Zweifel zutage: Michael Moore sei unkooperativ, unnachgiebig, uneinsichtig und manipulativ erinnerten sich Mitarbeiter des linken Kampfblattes "Mother Jones", dem Moore in den 80er-Jahren fünf Monate als Chefredakteur vorstand. Er wurde gefeuert, weil er subjektive Polemiken einer objektiven journalistischen Berichterstattung vorzog.

"Manufacturing Dissent" wurde zu einer kritischen Auseinandersetzung mit einer streitbaren Person, die den Film behinderte und sich trotz Zusage weigerte, ein Interview zu geben: eine durchaus ironische Situation, weil Moore in seinem Durchbruch als Filmemacher, dem 1989 entstandenen "Roger & Me", die Geschichte erzählt, wie er vergeblich versuchte, den Chef von General Motors, der gerade 30.000 Arbeiter entlassen hatte, für ein kritisches Interview vor die Kamera zu bekommen.

Doch Moore passte bereits damals die Wahrheit der Dramaturgie und Intention seines Films an, was auch bei "Bowling for Columbine" und "Fahrenheit 9/11" zu heftiger Kritik führte. Aber der Zweck heiligt die Mittel: Moore sieht sich als Kämpfer für die gute Sache, und als solcher könne er Fakten und Zusammenhänge im Schneideraum zu einer neuen Wirklichkeit zusammenfügen. Schwierige, komplexe Themen werden in leicht zu verarbeitende Portionen zerlegt. Was nicht ins Konzept passt, wird "vergessen", Animationsfilmchen und die tollpatschig-belehrende Präsenz des Filmemachers vor der Kamera erhöhen den Unterhaltungswert.

Die daraus entstehenden Produkte sind charmant, politisierend und polemisch. Schlimm daran ist, dass sich Moore damit genau der Mittel bedient, die er den "Stupid White Men" vorwirft. Der Retter Amerikas entpuppt sich als unehrlicher und paranoider Narziss, als Ritter für eine gute Sache zwar, aber von unendlich trauriger Gestalt. Und am Ende, das zeigt "Manufacturing Dissent", der trotz aller Kritik respektvoll und fair bleibt, inszeniert Michael Moore vor allem sich selbst. Dabei kann man schon mal vergessen, den General-Motors-Chef Roger Smith in Wirklichkeit zwei Mal interviewt zu haben.

Und am Ende bleibt die Frage, ob der (gute) Zweck wirklich die Mittel heiligt. Oder ob durch die falschen Mittel nicht der Zweck kompromittiert wird. Das wäre dann nämlich ein Desaster.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (DTS / DD 5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Entfallene Szenen: "Documentary Discussion"
laufzeit 75 Min.
tonsystem Dolby Digital, DTS
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 17 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras ausreichend

Credits:
(CDN 2007, R: Rick Caine, Debbie Melnyk)


"Manufacturing Dissent" sucht die Wahrheit in Michael Moores Filmen und findet vor allem einen kontroversen Filmemacher.
"Manufacturing Dissent" sucht die Wahrheit in Michael Moores Filmen und findet vor allem einen kontroversen Filmemacher. (Sunfilm)

Der Wahrheit will Michael Moore nur dann ins Gesicht sehen, wenn sie seiner Sache dient.
Der Wahrheit will Michael Moore nur dann ins Gesicht sehen, wenn sie seiner Sache dient. (Sunfilm)

Auch wenn die Fakten zurechtgebogen wurden, bekam Michael Moore für "Bowling For Columbine" den Oscar.
Auch wenn die Fakten zurechtgebogen wurden, bekam Michael Moore für "Bowling For Columbine" den Oscar. (Sunfilm)

Datum: 26.11.2007

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Diskussion: "Manufacturing Dissent"

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