(tsch) Verschämt wird das Tränchen aus dem Auge gewischt: Bei "Sweet November" (2001) bleiben selbst Zyniker nicht ungerührt. Natürlich ist bekannt, wie amerikanische Taschentuch-Dramen funktionieren: Schon erklingt das Stöhnen über die überzeichneten Figuren und die heruntergebeteten Klischees. Und doch lässt einen Patrick O'Connors Film über eine tragisch endende Liebe nicht kalt, dafür sorgt Hauptdarstellerin Charlize Theron. Keanu Reeves erscheint neben ihr jedoch etwas blass. Passend zur Jahreszeit wiederholt die ARD nun das gelungene Melodram.
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In "Sweet November" geht es um die Anziehung von Gegensätzen, was zu einer Konstruktion von stereotypen Grundfiguren führt. Keanu Reeves, der gerade mit Oscarpreisträger Forest Whitaker und "Dr. House" Hugh Laurie für das Drama "The Night Watchman" vor der Kamera stand, spielt den arroganten Werber Nelson Moss, der nur ein Wort kennt: "Ich". Das versteht auch der einfältigste Zuschauer in den ersten Minuten. Er darf gar dem "Speed"- und "Matrix"-Helden beim Sex zusehen. Dann klingelt der Wecker, Nelson springt auf und ruft sich selbst zu: "Danke, das war toll." Danach durchquert er mit schnellen Schritten seine moderne Designerwohnung in Downtown San Francisco, schaltet seine Wand mit einem Dutzend Fernseher an. Die Kamera zeigt seine Freundin, die noch verdutzt im Bett liegt.
Sara Deever, die von Charlize Theron gespielt wird, ist dagegen eine Entdeckerin der Langsamkeit, ein Freigeist, der sich in San Franciscos Alt-Hippie-Szene wohlfühlt. Zudem hat sie eine sehr soziale Ader und lädt fremde Männer ein, einen Monat bei ihr zu wohnen, um Licht in deren verklemmtes und seelenloses Leben zu bringen. So geht ihr Leben gut, bis Mr. November kommt. Dieser bringt - mit dem typischen Widerwillen natürlich - dank Saras Hilfe sein Dasein in Ordnung, doch dann erkennt er, was wirklich hinter ihrer Lebenslust steckt. Und plötzlich hat Sara nicht mehr die Fäden des Spiels in der Hand.
Diese ungewöhnliche Liebesgeschichte bewegte schon 1968 in einer Verfilmung von Robert Ellis Miller ("Adieu, geliebter November") das Publikum. Unter den Zuschauern befand sich auch die junge Lehrerin Deborah Aal, die drei Jahrzehnte später als Filmproduzentin die Lovestory noch einmal auf die Leinwand bringen wollte. "Sweet November" bietet Herz-Schmerz-Romantik auf höchstem Niveau. Charlize Theron, die drei Jahre später für ihre Leistung in "Monster" mit dem Oscar belohnt wurde, beherrscht das Drama ebenso wie die überschäumende Freude und Herzlichkeit. Ganz langsam spielt sich die Schnulze in die Herzen der Zuschauer.
Jasmin Herzog
Schön und verliebt: Keanu Reeves und Charlize Theron in "Sweet November". (ARD / Degeto)
Nelson (Keanu Reeves) ist Saras (Charlize Theron) "Mr. November". (ARD / Degeto)
Er ist ein Yuppie - erfolgreich und emotionslos. Sie eine Lebenskünstlerin - immer auf der Suche nach dem Guten im Menschen. Nelson Moss (Keanu Reeves) und Sara Deever (Charlize Theron) könnten unterschiedlicher kaum sein. (ARD / Degeto)
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