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Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken(tsch) Leander Haußmann ist ein echter Schlawiner: Er liebt den hintersinnigen Humor, auch wenn er derb daherkommt. Er lacht selten, möchte damit aber andere zum Lachen bringen. Er ist scheinbar leicht zu durchschauen, und doch stößt man leicht an Grenzen, wenn man es versucht. Sein neuester Film zum Beispiel: "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken". Der Titel ist der Buchvorlage entliehen, und doch zielt Haußmann in eine andere Richtung. Im Kern hat er es nicht auf Alltagsklischees à la "Wörterbuch Mann-Deutsch; Deutsch-Frau" oder pseudo-wissenschaftliche Erklärungen für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern abgesehen, auch wenn die Vermutung nahe liegt. Haußmann hat einen Lehrfilm gedreht, und trotz oder gerade wegen all der versammelten Oberflächlichkeiten erreicht er sein Ziel. Anzeige Es ist eine Komödie, die auf zweierlei Arten zu schauen ist: Entweder es reizen der leichte Witz und die Aneinanderreihung mancher Plattheiten, oder man mag in eben diesem Gemenge aus Slapstick, Vorurteilen und Stereotypen einen Fundus unterhaltsam vorgetragener Geschlechterkritik erkennen. Haußmann selbst wie seine Darsteller betonen einmütig das komödiantische Vorhaben. Und doch lassen sich in Benno Fürmanns animalischen Jan und die professionell patente, aber in Sachen Männergeschmack völlig falsch liegende Katrin (Jessica Schwarz) Alltagsweisheiten projizieren, die nachdenklich machen. Verpackt als traditionelles Lehrstück, versucht der Film schon gleich zu Beginn keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, dass nichts in diesem Potpourri pointierter Allgemeinplätze Ernsthaftigkeit für sich beansprucht. Der Zuschauer sieht Neandertaler beim Balzen und bekommt erklärt, was es mit dem Hypothalamus auf sich hat. Dann folgt Jan, der Zuchtstier im Körper des gelackten Erfolgsanwalts mit Oldtimer-Cabrio, der ein weibliches Paarungsopfer nach dem nächsten abschleppt. Doch während seines zielgerichteten Wirkens wird er gezwungen, sich von Melanie (Annika Kuhl), einer netten, sexuell willigen Schönheit, abzuwenden, weil ganz offensichtlich eine Frau beim Einparken sein Auto ramponiert. Doch trotz seiner Wut über die verkehrstechnische Inkompetenz kann er nicht mehr von Katrin lassen, der frechen Übeltäterin, die schon mit dem Versicherungsschein winkt, bevor die Vorwürfe ausgesprochen sind. Die resolute Verlagsangestellte ist fortan Jans Grund, es endlich einmal mit der Monogamie zu versuchen, sich domestizieren zu lassen von einer Partnerin, die ihn liebt, trotz seiner sexuellen Fixierung. Das Paar ist glücklich, bis die Lebensentwürfe unausweichlich in einen Konflikt geraten, als Katrin, frustriert von der Interessenlosigkeit ihres Dauerfreunds, sich dem von ihr betreuten Erfolgsautor Armbruster nähert. Uwe Ochsenknecht spielt den Ethnologen mit ähnlicher Brillanz wie schon den triebgesteuerten Professor in "Vom Suchen und Finden der Liebe": Der Zausel ist als unsympathischer Selbstdarsteller und weit gereister Forscher trotz ästhetischer Defizite ein typischer Frauenschwarm, nicht nur, aber auch weil er angeblich einen Eisbären mit einem kleinen Messer erlegte - freilich nur aus Notwehr. Jan, ganz Alphatier und testosterongesättigtes Mannsbild, das tagein und vor allem tagaus erfolgreich nach dem Beute-Schema lebt und liebt, entdeckt seine wahre Berufung wieder: Frauen wecken seine tiefsten Gelüste, spornen ihn zur Höchstform an und lassen ihn zeitweise zu dem werden, was er nun mal nicht ist: zu einem ehrlichen, statthaften Mann mit Qualitäten. Stattdessen geriert er sich als Bilderbuch-Charmeur, als Mogelpackung, und schämt sich nicht einmal dafür, dies nach dem erfolgreichen Erlegen und dem Beischlaf auch freimütig zuzugeben. Doch das macht ihn um so attraktiver für so manche Frau, auch für seine Sekretärin, die er ursprünglich bewusst nicht einstellen wollte, weil ihr Dekolletee so tief und der Inhalt so voluminös ist. So bricht er beinahe seinen selbst auferlegten Eid, treu zu bleiben und muss nackt durch Berlin-Charlottenburg laufen, verfolgt von einer Horde Rocker, die ihn für den neuen Freund eben jener Sekretärin halten, die doch eigentlich ihrem Kumpanen (etwas blass: Sänger Sasha) gehört. Bis Katrin erkennen muss, dass auch die unattraktivsten Männer besondere Schwächen für sexuelle Praktiken haben, und dass es manchmal vielversprechender ist, einen gezähmten Tiger nicht wieder in die freie Wildbahn zu entlassen, sondern zu ihm und seiner Pflege zu stehen, vergeht einige Zeit. Sie ist gefüllt mit originellem Wortwitz, Verwechslungsspielchen und der latenten Erinnerung daran, dass Männer zwar nicht zuhören und Frauen schlecht einparken, aber doch nur auf Zeit ohneeinander auskommen können. Unbeschwerter und effektiver ist cineastische Paartherapie selten gewesen. Haußmann mag auch gar nicht ans Aufhören denken: Gerade hat er einen zweiten Film über die Liebe zwischen Mann und Frau abgedreht ("Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe"), und 2008 folgt eine dritte Komödie, in der nicht ein junges, sondern ein alterndes Pärchen so seine Nöte haben wird. Leif Kramp |
Credits: Laufzeit: 103 Min. Kinostart:29. November 2007 |
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