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SO: La Mala Educación

La Mala Educación - Schlechte Erziehung

(tsch) Eine strenge Klosterschule für Jungen, ein Filmregisseur in der Movida Madrids und schwules Leben - diese Themen scheinen der Biografie des Regisseurs entnommen. Knapp 200.000 Besucher wollten Pedro Almodóvars autobiografisches Melodram "La Mala Educación - Schlechte Erziehung" (2004) in den deutschen Kinos sehen, nun gibt es zu nächtlicher Stunde Gelegenheit, den Film im Ersten zu erleben.

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Emotional und berührend, aber ohne den üblichen abgründigen Schockeffekt - so präsentierte sich das ehemalige Enfant terrible Spaniens. Pedro Almodóvar hat nach den großartigen Filmen "Alles über meine Mutter" (1999) und "Sprich mit ihr" (2002) ein wenig von seiner Schärfe und Bissigkeit eingebüßt - zum Glück kein Dauerzustand, wie der Regisseur mit dem furiosen "Volver - Zurückkehren" im vergangenen Jahr bewies.

Die Geschichte funktioniert auf drei Ebenen: Die wahren Geschehnisse werden in der Fantasie eines Menschen umgedeutet, die wiederum in einer weiteren Fiktion als Film im Film auf die Leinwand kommen. Als eine wichtige Hauptperson in diesem raffiniert gesponnenen Plot-Netz fungiert Enrique (Fele Martínez) als junger Filmregisseur in Madrid, Anfang der 80er-Jahre. In seiner Schaffenskrise sucht er nach einem neuen Stoff und erhält überraschenden Besuch von Ignacio (Gabriel García Bernal).

Die beiden gingen auf dieselbe katholische Klosterschule, in der sie die Liebe zueinander, das Kino, die klerikale Heuchelei und sexuellen Belästigungen von Padre Manolo (Daniel Giménez-Cacho) kennenlernten. Ignacio schrieb seine Erlebnisse bis zum Wiedersehen mit dem Padre als erwachsener Mann auf. Eine schockierende Geschichte aus Missbrauch und Kriminalität, die auch Enriques Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und danach schreit, verfilmt zu werden. Doch der Regisseur kennt noch nicht die ganze Wahrheit.

Almodóvar wechselt gekonnt von einer Zeitebene in die nächste und verknüpft Erzählstränge zu einem Genremix aus Film noir und Melodram. Die Frage nach Gut und Böse stellt er dabei nicht. Almodóvar zeigt, wie Menschen zu Opfern werden, auch aufgrund des eigenen Begehrens. Vergeblich sucht man explizite Katholizismuskritik. Für Almodóvar war das kein Thema, schließlich zerstöre sich die Kirche in Spanien mit ihren Äußerungen längst selbst. In "La Mala Educación" verkommt sie zu einem dekorativen Element und bereichert mit ihren Chorälen den exzellenten Soundtrack.

Vera Seeberg


Eines Tages taucht ein junger Mann auf, der sich als Ignacio (Gael García Bernal) ausgibt, Enriques Jugendfreund. Dieser hat seine - schockierenden - Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in der Klosterschule niedergeschrieben.
Eines Tages taucht ein junger Mann auf, der sich als Ignacio (Gael García Bernal) ausgibt, Enriques Jugendfreund. Dieser hat seine - schockierenden - Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in der Klosterschule niedergeschrieben. (ARD / Degeto)

Pater Manolo (Daniel Giménez Cacho, links) hat sich in den Chorknaben Ignacio (Nacho Pérez) verliebt.
Pater Manolo (Daniel Giménez Cacho, links) hat sich in den Chorknaben Ignacio (Nacho Pérez) verliebt. (ARD / Degeto)

Der junge Regisseur Enrique Goded (Fele Martinez, links) ist verzweifelt auf der Suche nach Ideen für einen neuen Film. Sein Jugendfreund Ignacio (Gael García Bernal) soll ihm dabei helfen.
Der junge Regisseur Enrique Goded (Fele Martinez, links) ist verzweifelt auf der Suche nach Ideen für einen neuen Film. Sein Jugendfreund Ignacio (Gael García Bernal) soll ihm dabei helfen. (ARD / Degeto)

Datum: 02.12.2007

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Artikel ID 192658

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