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Kanye West Late RegistrationAnzeige Dann war er doch einmal in den deutschen Nachrichten, der Kanye West: Harsche Kritik am US-Präsidenten, der Satz "Mr. Bush doesn't care about black people", ließ für einen Moment lang ein ganzes Land erstummen. Die Tatsache, dass US-Außenministerin Condoleza Rice sofort wiedersprach, zeigt das Standing Kanye Wests in der amerikanischen Kulturgesellschaft: Der 28-Jährige ist die momentan wichtigste Stimme im amerikanischen HipHop, Produzent und Rapper gleichermaßen, Sound-Visionär, R'n'B-Architekt ohne jede Scheuklappen, aber - man hört's an seinen Raps - durchaus auch Conscious-bewusster Traditionalist. "Late Registration" ist sein bisher rundestes Album. Kanye West blickt sich um - im HipHop der Ost- und Westküste, aber auch im Soul und im Funk. Er sampelt sich durch vier Jahrzehnte Musikgeschichte, bedient sich bei Gil Scott-Heron, bei Curtis Mayfield, bei Bill Withers und bei Etta James. So schafft er ein erstaunlich warmes Klangbild, das ohne jede Gangsta-Attitüde, aber auch ohne den Ernst von Geistesbrüdern wie Common oder Talib Kweli daherkommt und trotz seiner Opulenz nie die scharfe Prägnanz verliert. Was Kanye West dabei auszeichnet, ist seine eigene Unauffälligkeit. Seine Art zu rappen ist sicher nicht die, die sich durch eine bestimmte Stimmlage, durch eine bestimmte Art des Flows oder durch ausgefallene Patterns hervortut. Kanye West orientiert sich im weitesten Sinne an Klassikern der Westküste, seine Stimme fließt mit leichtem R'n'B-Einschlag durch die Songs. Und das passt schon, denn wenn's dicke werden soll, lässt er die anderen ran. Nas zum Beispiel, der in "We Major" beindruckende Duftmarken setzt. Außerdem auf der Gästeliste: Common, ein unglaublich tighter Cam'Ron, Brandy und Kopfstimmen-König Adam Levine von Maroon 5, der in letzter Zeit verblüffend oft in den HipHop grätscht - zuletzt ja bei den Ying Yang Twins. Diesmal pimpt er die smoothe Beinahe-Ballade "Heard Em Say". Den Höhepunkt setzt schließlich Jay-Z im unglaublichen "Diamonds From Sierra Leone": eklektischer, mega-dicker und wunderbar straighter Bounce-HipHop, der mit dem Rest der Platte eines gemein hat: Das hier übertrifft nicht nur den ohnehin schon großartigen Vorgänger "College Dropout", sondern erreicht locker Genre-Klassiker wie "The Blueprint" von Jay-Z oder "3 Feet High And Rising" von De La Soul. Jochen Overbeck |
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