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Tokio Hotel - Zimmer 483: Live in Europe
Dieses laute KreischenAnzeige
Nein, als ausgemacht galt es nicht, dass Tokio Hotel den Erfolg ihres Debüts "Schrei" (2005) so ohne weiteres wiederholen könnten. Doch das im Frühjahr erschienene "Zimmer 483" schoss ebenfalls sofort an die Spitze der Charts - und sorgte dafür, dass die Band aus Magdeburg Monate lang eine schier unglaubliche Medienpräsenz hatte, die mit der Veröffentlichung weiterer Produkte noch befeuert wurde: Nachdem im Sommer mit "Room 483" eine englische Version der Platte erschien, kommt jetzt die DVD-Auswertung. Die, das zeigen die ersten Kundenrezensionen im Internet, polarisiert. Die einen schütteln den Kopf: Noch 'ne Tokio-Hotel-Scheibe. Ausverkauf! Die anderen freuen sich - vor allem über die zweite DVD. Da gibt's eine Tourdoku - die mit großen Bilden beginnt. Die Trucks, wie sie vor der Münchner Olympiahalle stehen. Der Nightliner, wie er durch ein Metalltor fährt, sozusagen die Pforte zum Glück. Die Bandmitglieder, wie sie sich vorbereiten. Und Girls. Eh klar. Gleichzeitig zeigt die Doku aber auch, was Tokio Hotel, pardon, für Kindsköpfe sind. Wenn ein kleines, ferngesteuertes Modellflugzeug sich irgendwo in der endlosen Deckenkonstruktion einer Halle verfängt, kommt halt die Crew mit der Hebebühne. In solchen Momenten lohnt es sich vermutlich, Rockstar zu sein. Ansonsten ist's ne Tourdoku. Und die, man muss es schon mal sagen, ähneln sich. Da sieht man eben eine Band, die unterwegs ist. Da werden Straßen gezeigt, Städte, Soundchecks und Hotelflure. Das Konzert beginnt mit einer entfesselten Menge an Mündern. Da wird gekreischt, was das Zeug hält. Oberhausen hat sich an jenem zweiten Mai nicht so ganz unter Kontrolle, das steht schnell fest. Dass Tokio Hotel live zupackender, lauter, härter sind, als man das bei der Zielgruppe vermuten möchte, ebenfalls. Man kann von der Band halten, was man möchte: Aber das hier ist schon eine Show, bei der alles stimmt. Bill Kaulitz als Frontman positioniert sich irgendwo zwischen Jesus, Nena und Hair Metal, der Rest der Truppe ist zunächst mal der Rest der Truppe - fügt sich aber durchaus gut ins Gesamtbild ein. Nach gut eineinhalb Stunden ist Schluss. Oberhausen hat sich noch weniger in Kontrolle als zu Beginn, aber ein paar schöne Momente mehr im Kopf: etwa "Spring nicht", gesungen auf der Treppe. "Durch den Monsun", hübsch und hinreichend demütig anmoderiert. "Schrei", angesagt mit einem Megaphon. Eh Klar. Und immer dieses Feeling. Dieses Kreischen der anderen. Dieses eigene Kreischen. Laut aufdrehen. Dann bekommt man schon eine Idee davon, worum es bei Tokio Hotel geht. Jochen Overbeck |
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