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Wilhelm Tell

Durch diese hohle Leitung muss er kommen

(tsch) "Wer hat's erfunden?" - das darf an dieser Stelle schon einmal provokant zurückgefragt werden. Gut, erfunden hat Friedrich Schiller den Wilhelm Tell nicht gerade - aber ohne das gleichnamige Drama des deutschen Dichters von 1804 wäre der Schweizer Nationalheld wohl nicht zu solch weltweitem Ruhm gelangt. Dieser Tage kommt ein neues Werk mit dem Titel "Tell" an die Öffentlichkeit: die Kinokomödie des Schweizer (!) Regisseurs Mike Eschmann (ab 22. November). Dass seine Gags in die Geschichte eingehen werden, darf bezweifelt werden. Aber es ist immerhin ein Anlass, sich mal wieder damit auseinanderzusetzen, was es mit diesem Tell eigentlich auf sich hat. Da war doch irgendwas mit einer Armbrust und einem Apfel, im Jahre 1307 ...

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Mythos, Sage, historische Tatsache? Auch wenn scherzhaft behauptet wird, die Komödie "Tell" würde die einzig wahre Wahrheit über ihn erzählen ("vom österreichischen Hochstapler zum ultimativen Schweizer Volkshelden") - der aktuellste Film tobt sich lustvoll in künstlerischer Freiheit aus (Beispiel: Axel Stein als Eskimo). Schon im Intro der Film-Page (movies.universal-pictures-international-germany.de/tell) läuft was falsch: Tells Pfeil trifft nämlich schmerzhaft neben den Apfel ... Dafür gibt's aber ein ganz aufschlussreiches "Making Of" zu sehen, das über 20 Minuten dauert.

Ein authentischeres Denkmal setzt das "Tellmuseum" in Bürglen dem Volkshelden auch im Internet (www.tellmuseum.ch). Nicht zuletzt deshalb, weil auch die Aufmachung der Domain dieser "Schatz- und Wunderkammer zu Wilhelm Tell" der Hauch der Web-Vergangenheit umweht. User, die mehr über die Figur wissen wollen, finden hier zwar sogar den Text zur Ton-Bild-Schau des Museums - aber keine Ton-Bild-Schau. Natürlich ist auch die "Tellsgeschichte" selbst und die ihrer Überlieferung nachzulesen - in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Die Fotos der Ausstellungsräume sind jedoch dürftig. Wer die Exponate sehen möchte, muss sich schon direkt in den Kanton Uri begeben, aus dem der Tell angeblich stammt.

Die unabhängige Seite www.geschichte-schweiz.ch/schweizer-nationalheld-wilhelm-tell zeigt zunächst eine Abbildung des berühmten Tell-Denkmals in Altdorf. "Apfelschuss", "Tellensprung", "Tyrannenmord in der Hohlen Gasse" und "Rütlischwur" - die Schlagworte aus der Sage werden hier erläutert und ebenfalls illustriert. Der Landvogt Gessler soll einst auf dem Platz von Altdorf seinen Hut auf eine Stange gesteckt und die Bürger dazu verpflichtet haben, diesen zu grüßen. Weil Tell sich weigerte, verpflichtete ihn Gessler, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen - mit einer Armbrust. Später aber soll Tell damit auch den Tyrannen getötet haben - soweit die Sage. Der restliche Text auf der Webseite setzt sich kritisch damit auseinander und bewertet ihre Bedeutung zu unterschiedlichen Zeiten der Schweizer Geschichte.

Wer war Wilhelm Tell, und was bedeutet er für die Schweiz? Die umfassendsten Antworten auf Fragen wie diese bietet die Informationsplattform www.swissinfo.ch der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft in einem Tell-Dossier an. "Er soll ein guter Jäger, ehrenwerter Familienvater und ausgezeichneter Schütze gewesen sein." Tatsächlich aber fand sich nirgendwo ein Beweis dafür, dass er tatsächlich gelebt hat. Er scheint "also eher dem Reich der Legende zuzugehören als den historischen Tatsachen. Als Figur, die geschickt mit der Gründung der alten Eidgenossenschaft verbunden wird, erfüllt er vor allem eine symbolische Aufgabe." Denn Sagen mit dem berühmten Apfelschuss sind auch aus anderen Ländern überliefert. Sie dienten dazu, "tatsächliche Begebenheiten dank Eigenschaften wie Treffsicherheit, Leidenschaft und - in gewissen Fällen - Menschlichkeit fassbarer zu machen." Die übersichtliche Webseite mit kurzen, aber informativen Texten betrachtet den Tell von damals, der dank Schillers Drama zu Weltruhm gelangte. Viele geflügelte Worte wie "Durch diese hohle Gasse muss er kommen" stammen daraus. Und es geht um den Tell von heute: Markenzeichen und Werbeträger. Fotogalerien zeigen, welche Karriere der Mythos Tell hinter sich hat, von der Briefmarke über die Bierflasche bis hin zum politischen Plakat.

Mehr Abbildungen gibt es derzeit in der Schweizerischen Nationalbibliothek zu sehen. Sie zeigt noch bis 30. März 2008 die Plakat-Ausstellung "Tell im Visier". Hintergründe nachlesen und einzelne Exponate betrachten können User auch im Internet: www.nb.admin.ch/slb/aktuelles. Sie stammen aus mehreren Jahrhunderten und demonstrieren den Schweizer Nationalheld unter anderem als "Model" für eine Jeansmarke. Die Institution präsentiert erstmals eine kleine Auswahl aus etwa 40.000 Plakaten, die sich in der Graphischen Sammlung befinden. "Das Plakat als Massenmedium hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich Tell als Personifizierung von Freiheit in unserem Bewusstsein festgesetzt hat."

Mona Petri


In der Kinokomödie "Tell" hat Wilhelm (Mike Müller) eine Freundin namens Heidi (Lea Hadorn).
In der Kinokomödie "Tell" hat Wilhelm (Mike Müller) eine Freundin namens Heidi (Lea Hadorn). (Universal Pictures International)

Die Homepage des Tellmuseums umweht, auch was die Aufmachung angeht, der Hauch der Vergangenheit.
Die Homepage des Tellmuseums umweht, auch was die Aufmachung angeht, der Hauch der Vergangenheit. (www.tellmuseum.de)

Das Dossier zu Wilhelm Tell auf der Seite www.swissinfo.ch setzt sich umfassend mit dem Tell von damals und heute auseinander.
Das Dossier zu Wilhelm Tell auf der Seite www.swissinfo.ch setzt sich umfassend mit dem Tell von damals und heute auseinander. (www.swissinfo.ch)

Datum: 16.11.2007

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Diskussion: "Wilhelm Tell"

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