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Vorne ist verdammt weit weg
Vorne ist verdammt weit weg(tsch) Ob Kabarettisten oder Stand-Up-Comedians - im Kino stehen sie beide vor dem gleichen Problem: Es gilt, ihre Figuren, die sonst völlig autark auf einer leeren Bühne agieren dürfen, in ein konkretes Umfeld einzufügen. Ein Kinofilm ist keine One-Man-Show, die weiteren Darsteller dürfen neben dem Star nicht nur zum Stichwortgeber degradiert werden. Dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig gelingt das bei seinem Kinodebüt "Vorne ist verdammt weit weg" die meiste Zeit recht gut. Aber: "Erwin Wer?", werden zumindest all jene fragen, die nördlich des Weißwurst-Äquators leben. Anzeige In Bayern, zuvorderst in Franken, ist Barwasser seit weit über einem Jahrzehnt bekannt. Der gebürtige Würzburger machte Radio und führt im Dritten durch die Talkshow "Pelzig unterhält sich", in der die Kunstfigur Erwin Pelzig auf Prominente trifft. Inzwischen ist ihm gar der Sprung ins Erste gelungen: Am Donnerstag, 13.12., 23.45 Uhr, wird die nächste Ausgabe ausgestrahlt. Auf der Bühne hat Barwasser eigentlich drei Alter Egos, doch sein Pelzig hat ihn berühmt gemacht: eine Plaudertasche, die es aber gut meint mit der Welt. Einer, der sagt, was er denkt. Ein bisschen naiv, ein bisschen altklug. Manchmal ein wenig ungeschickt im Umgang mit anderen. Einer, der respektlos den Oberen gegenüber ist. Und vor allem einer, der an das Gute glaubt. Ihn galt es samt Hütchen und Herrenhandtasche einzubinden in eine zeitgemäße Handlung. Regisseur Thomas Heinemann und Frank-Markus Barwasser, langjährige Weggefährten, verfassten das Drehbuch zu "Vorne ist verdammt weit weg", der zunächst in Bayern, ab 20.12. dann in ganz Deutschland in den Kinos läuft. Vorab: Pelzig macht Spaß: jedenfalls dann, wenn man mit seiner Form des trockenen, entlarvenden Humors konform geht. Die Story, die er durchlebt, ist jedoch allzu naiv erzählt. Eine Wirtschaftssatire, die an der Oberfläche bleibt und die Mechanismen der Marktwirtschaft auf ein paar Aktienkäufe und -verkäufe reduziert. Alles beginnt mit einem unglücklichen Unfall, bei dem der Chauffeur Johann Griesmaier (Peter Lohmeyer als Grantler) sein Bein und damit erst einmal auch seinen Job verliert. Das zu verhindern, macht sich sein Nachbar Pelzig zur Aufgabe. Er tritt deshalb vorübergehend Griesmaiers Stelle als Fahrer des Firmenchefs Eduard Bieger (Philipp Sonntag) an. Der Seniorchef der "Bieger Einkaufswagenfabrik AG" hat sich nach einem Herzinfarkt einige Monate Auszeit genommen. Als er zurückkehrt, hat seine Tochter Melanie (Franziska Schlattner) gemeinsam mit ihrem durchtriebenen Freund und Berater Max (Tobias Oertel) die Leitung der Firma an sich gerissen. Die Folge: Es sieht schlecht aus um den Standort Deutschland, Entlassungen stehen an. Pelzig erkennt diese Pläne, doch sein Chef mag nicht hören. Also nimmt er die Sache selbst in die Hand. Zur Seite steht ihm dabei die Edelprostituierte Chantal (Christiane Paul), die einst - ein reichlich gewagter Kunstgriff des Drehbuchs - Wirtschaftsanwältin war und damit über das notwendige Fachwissen verfügt. Die beiden entwickeln einen Plan, einen erstaunlich simplen, um das Übel abzuwenden. Frank Markus Barwassers, also Erwins Pelzigs, erster Kinofilm befindet sich irgendwo zwischen "Komödienstadel" und Charlie Chaplins "Moderne Zeiten". Da ist viel Raum dazwischen, und genüsslich schaut sich Pelzig jeden Quadratmeter davon an. Der Film beinhaltet Klamaukiges wie Hintergründiges gleichermaßen, wobei die Mehrzahl der Pointen Barwasser gehören. Der offeriert außerdem eine Vielzahl von kleinen und großen Lebensweisheiten, manche intellektuell überfrachtet, die meisten jedoch von entwaffnender Klarheit. Ihre Stärken entwickelt die Komödie auch in den stilleren Momenten, in denen stilistisch einiges ausprobiert wird. Bemerkenswerte Kamerafahrten und die herausragende Musik von Peter Licht trösten über die bisweilen allzu profane Story hinweg, die dem Film am Ende die Fähigkeit nimmt, als starke gesellschaftskritische Satire durchzugehen. Kai-Oliver Derks |
Credits: 13. Dezember 2007 |
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