Hannibal

Hannibal

(tsch) Ridley Scott (zurzeit mit "American Gangster" im Kino) hätte einen großen Fehler machen können. Schließlich gehört "Das Schweigen der Lämmer" zu den erfolgreichsten Filmen der 90er-Jahre. Doch der Regisseur erlag nicht der Verführung, mit der Fortsetzung dem Original nahekommen zu wollen. Er schuf zehn Jahre später mit "Hannibal" (2001) einen eigenständigen Film, der sich wesentlich von seinem Vorgänger unterscheidet. vox wiederholt die erste Fortsetzung des abgründigen Psychoduells zwischen Lecter und der FBI-Agentin Clarice Starling.

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Die wichtige Grundidee der Romanvorlage von Thomas Harris trägt auch den Film: Hannibal Lecter ist frei und lebt wie selbstverständlich in der Zivilisation, als Kurator in einer Bibliothek in Florenz. Kultur und Geist der Stadt halten die Triebe des gebildeten Massenmörders zurück. Der Schlächter in Lecter schläft. Erst, als er erfährt, dass die Jagd auf ihn wieder eröffnet ist, erwacht sein altes Leben.

Der Film führt in recht kurzer Zeit eine Vielzahl von Charakteren ein. Wer auf nichts anderes wartet als auf ein weiteres Psycho-Duell zwischen Lecter und der FBI-Agentin Clarice Starling (diesmal gespielt von Julianne Moore) wird lange Zeit enttäuscht. Es geht um einen Millionär namens Mason Verger (Gary Oldman), der als bisher einziges Opfer die Attacke des Kannibalen überlebte, seitdem grausam entstellt ist und auf Rache sinnt. Und um den italienischen Chefinspektor Rinaldo Pazzi (Giancarlo Giannini, spielt demnächst in "Bond 22"), der Lecter auf die Spur kommt und auf eigene Faust die drei Millionen Dollar kassieren will, die Verger auf seine Ergreifung ausgesetzt hat.

"Hannibal" ist die meiste Zeit über längst nicht so brutal, wie man es hätte erwarten können, legt aber dem Zuschauer, der sich schon in Sicherheit wiegt, in den letzten gut 20 Minuten ein Erlebnis auf, das er wohl kaum mehr vergessen wird. Nichts für empfindliche Gemüter also. Erstaunlicherweise erwies sich der Wechsel der weiblichen Hauptdarstellerin - Jodie Foster hatte abgesagt - als relativ bedeutungslos. "Hannibal" ist eine etwas überladene Geschichte, die Skurrilitäten, mitunter gar Humorvolles höher bewertet als die pure Charakterstudie.

Ohne Anthony Hopkins wäre der Film aber in jedem Fall nicht denkbar gewesen. Er hat sichtbar Spaß daran, Hannibal vorübergehend in eine funktionierende, gewöhnliche Gesellschaft zu integrieren, um dann doch wie ein Vulkan auszubrechen. Vieles von dem, wovon "Das Schweigen der Lämmer" nur erzählte, wird diesmal auf der Leinwand gezeigt. Und dort bricht es sich mit dem Glanz des Schauplatzes Florenz. Die Stadt wirkt wie ein Spiegelbild der Seele Hannibal Lecters.

Anthony Hopkins, der gerade in Robert Zemeckis' "Die Legende von Beowulf" im Kino zu sehen ist, verkörperte ein Jahr später im Remake "Roter Drache" (2002) ein drittes Mal Hannibal Lecter, den bösesten Schurken der Filmgeschichte. Zuletzt erzählte Regisseur Peter Webber im Prequel "Hannibal Rising - Wie alles begann" (2007), warum der junge Hannibal (Gaspard Ulliel) zum Monster wurde.

Bernd Fetsch



Clarice Starling (Julianne Moore) möchte sich gerne rehabilitieren und ihren Job beim FBI zurückhaben. Voraussetzung ist aber, dass sie Hannibal zur Strecke bringt.
Clarice Starling (Julianne Moore) möchte sich gerne rehabilitieren und ihren Job beim FBI zurückhaben. Voraussetzung ist aber, dass sie Hannibal zur Strecke bringt. (vox / Universal)

Vor zehn Jahren gelang dem psychopathischen und hochintelligenten Killer Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) die Flucht aus dem Gefängnis.
Vor zehn Jahren gelang dem psychopathischen und hochintelligenten Killer Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) die Flucht aus dem Gefängnis. (vox / Universal)

Hannibal Lecter (Anthony Hopkins, links) hat zu einem Festmahl geladen. Paul Krendler (Ray Liotta) weiß noch nicht, was es geben wird ...
Hannibal Lecter (Anthony Hopkins, links) hat zu einem Festmahl geladen. Paul Krendler (Ray Liotta) weiß noch nicht, was es geben wird ... (vox / Universal)

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