(tsch) Der Geschlechterkrieg läuft im Kino gerade auf Hochtouren. Während Frauen das Einparken und Männer das Zuhören üben, lädt nun auch Til Schweiger zu seiner neuen Komödie ein. Er wagt wieder den Schritt, vor und hinter der Kamera der wichtigste Mann zu sein. Das Thema von "Keinohrhasen", nun das klingt diesmal ein bisschen banal. Die seelische Gesundung eines gefühlskalten Schmierfinks einer Boulevardzeitung. Dem vergeht der Spaß am Job, nachdem er im Kindergarten auf niedliche kleine und große Wesen trifft.
Anzeige
Ludo (Til Schweiger) heißt der Reporter, Moritz (Matthias Schweighöfer) ist sein fester Fotograf. Eines Tages rastet nicht nur der Chefredakteur (atemlos hysterisch: Rick Kavanian) ob eines Ergebnisses aus, sondern auch die Betroffenen sind wütend. Die Konsequenz: 300 Stunden Sozialarbeit im Kindergarten verschreibt die auch nicht gerade entspannte Richterin. Der Hort wird von Anna (Nora Tschirner) geleitet, die als Kind bösartig von Ludo verarscht wurde und nun die neue Machtstellung genießt.
30 Kilometer gegen den Wind riecht man, dass sich die beiden ineinander verlieben, auch wenn das Drehbuch nicht erklärt, warum Anna sich Ludo urplötzlich zuwendet. Doch "Keinohrhasen" daraus einen Vorwurf zu machen, verbietet sich. Warum?
Nun, zum Beispiel wegen der ersten fünf Minuten des Films. Der Kurzauftritt von Jürgen Vogel im Gespräch mit der Boulevardpresse wird in die Annalen der deutschen Komödiengeschichte eingehen. Dabei zielt Schweiger zwar in erster Linie aber nicht ausschließlich auf den oberflächlichen Lacher. Viel zu nah ist er an Biografien und an "Meinungen der Öffentlichkeit" dran. So spielt er in Vogels Interview auf dessen bevorstehenden 40. Geburtstag und diverse äußere Merkmale an. Dumme Ironie ist das nicht.
Etwas prollig hingegen darf Ludo wirken, er sagt ja auch Dinge wie "In Titten macht Silikon Sinn." Der kleine Frauenfreund. Aber ihm wird das überlegene Lachen beim Basteln von Klettergerüsten bald vergehen.
"Keinohrhasen" ist voll bis obenhin mit witzigen Elementen. Sei es ein ausführliches Aufklärungsgespräch über Oralsex, sei es der ellenlange Vergleich zwischen Pizza und Männern. Thematisch prangert Schweiger die Hatz auf Prominente an, parodiert sie aber gleichzeitig und mit ein bisschen gutem Willen kann man ihm gar eine Demontage der heilen Volksmusikwelt zugutehalten.
Das ist insgesamt das Pro dieser Komödie: Man kann, wenn man will. Tatsächlich lässt sich der Stoff je nach Intellekt konsumieren. Und wieder muss man sagen: Dumm ist das mitunter nicht. Schweiger, der kurz vor seinem 44. Geburtstag steht, sieht beängstigend gut aus, sodass man das Unken ob des Altersunterschieds zur 26-jährigen Nora Tschirner ungefähr so schnell vergisst wie bei Drew Barrymore und Hugh Grant in "Mitten ins Herz".
"Keinohrhasen" wird nicht langweilig, da sich sinnlose Stunts an eine Promi-Show, die ihresgleichen sucht, reihen. Til rief, alle machten mit. Und dann ist da noch Matthias Schweighöfers umwerfende Performance, die sein ungeahntes komödiantisches Talent offenbart. Auch Nora Tschirner schlägt sich nach dem "Lolle"-Prinzip gut - trotz vieler Heulszenen.
Gedreht wurde in Berlins Nobelhotels, im chicen Mitte-Club und mit allen zur Verfügung stehenden Kindern. Schweiger hat tatsächlich den kompletten - durchaus talentierten und natürlich zuckersüßen - Nachwuchs vor die Kamera gezerrt.
Natürlich mag man dem erfolgreichen Schauspieler Berechnung vorwerfen, wenn er mit Stofftieren und kleinen Kindern hantiert, mit allem, was Frauen süß finden. Doch wieso dreht man die Argumentation nicht mal um: Obwohl man sich amüsiert hat, verbuddelte Schweiger gar nicht ungeschickt eine Menge Wahres in einem doppelten Boden.
Claudia Nitsche
Credits: V:Warner, D 2007, R: Til Schweiger, D: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner u.a.
Laufzeit: 115 Min.
Kinostart: 20. Dezember 2007
Paparazzo Moritz (Matthias Schweighöfer) ist in der Welt der Stars und Sternchen unterwegs. (2007 Warner Bros. Ent.)
Für Boxweltmeister Wladimir Klitschko ist Freundin Yvonne Catterfeld die Frau fürs Leben. (2007 Warner Bros. Ent.)
Anna (Nora Tschirner) ist nicht begeistert, dass Ludo ausgerechnet in ihrer Kindertagesstätte seine Strafe abarbeiten soll. (2007 Warner Bros. Ent.)
Datum: 17.12.2007
Facebook aktivieren
Diskussion: "Keinohrhasen" lesen
Lesen Sie doch auch die Diskussion in unserem Forum zu "Keinohrhasen".
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream